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Medizin

COVID-19: Rekonvales­zentenplasma mit hohem Antikörpertiter halbiert Hospitalisierungs­rate

Donnerstag, 23. Dezember 2021

/zorgens, stock.adobe.com

Baltimore – Eine Behandlung mit dem Blutplasma von Genesenen, die bisher bei COVID-19 nicht in allen Studien überzeugen konnte und von der die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile abrät, hat in einer randomisierten Studie die Zahl der schweren Erkrankungen halbiert. Entscheidend könnte laut der Vorveröffentlichung in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.12.10.21267485) der frühzeitige Einsatz und eine hohe Antikörperkonzentration im Spenderplasma sein.

Die Behandlung mit dem Plasma von genesenen Patienten wurde zu Beginn der Pandemie, als es noch keine anderen Behandlungen gab, in zahlreichen Ländern durchgeführt. Besonders verbreitet war sie in den USA. Dort wurden, nachdem die FDA ihr OK gegeben hatte, im letzten Jahr innerhalb von 2 Monaten mehr als 20.000 Patienten behandelt. Die Erfahrungsberichte waren zunächst positiv. In den randomi­sier­ten Studien enttäuschte die Serumtherapie dann jedoch häufig.

Die Weltgesundheitsorganisation riet Anfang Dezember in ihrer „living“-Leitlinie sogar erstmals ausdrück­lich von der Behandlung von COVID-19-Patienten mit dem Blutplasma genesener Patienten ab. Die FDA erlaubt sie nur noch bei stationären Patienten, deren Erkrankungsbeginn erst wenige Tage zurück liegt, was die Anwendung erschwert, da nur wenige Patienten frühzeitig hospitalisiert werden.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildete eine Studie aus Argentinien. Dort gelang es einem Team um Fernando Polack von der Universität Buenos Aires Patienten innerhalb von 72 Stunden nach Symptom­beginn mit dem Plasma von Genesenen zu behandeln, das einen hohen Antikörpertiter gegen SARS-CoV-2 hatte. Die Zahl der Patienten, die eine schwere Atemwegserkrankung entwickelten, konnte gegenüber einer Placebogruppe um 48 % gesenkt werden.

Ohne Berücksichtigung der Patienten, die bereits bei der Behandlung schwere Symptome aufwiesen, stieg die Erfolgsrate sogar auf 60 %. Anderen Teams ist es bislang nicht gelungen, die Ergebnisse zu reproduzieren. In den meisten Ländern fehlt es an der notwendigen Infrastruktur. In Argentinien ist sie vorhanden, weil die Behandlung dort standardmäßig beim argentinischen hämorrha­gischen Fieber eingesetzt wird, einer nur in Argentinien und Paraguay verbreiteten Virusinfektion.

Jetzt berichten US-Mediziner über ähnlich gute Ergebnisse. In der Studie CSSC-004 („Convalescent Plasma to Limit SARS-CoV-2 Associated Complications“) gelang es zwar nicht, die Patienten innerhalb von 3 Tagen zu behandeln. Bis zur Transfusion vergingen median 6 Tage (maximal 8 Tage).

Das Team um David Sullivan von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore achtete jedoch darauf, dass die Antikörperkonzentration in den Plasmaspenden hoch war: In 99 % der Spenden lag der Titer der SARS-CoV-2-Spikeprotein-Antikörper über 1:1.620, in 95 % sogar über 1:4.820. In Argentinien wurde ein Titer von 1:1.000 verlangt (Die Angaben lassen sich wegen verschiedener Tests nicht unbe­dingt vergleichen).

Die Qualität der Plasmaspenden und der relativ frühe Zeitpunkt der Behandlung haben sich ausgezahlt. Die Infusionen wurden von 24 Zentren ambulant durchgeführt. Primärer Endpunkt war eine Hospitalisie­rung oder ein Todesfall an COVID-19. Nur 17 der 592 Patienten (2,9 %), die auf die Behandlung mit einem Rekonvaleszentenplasma randomisiert wurden, mussten innerhalb von 28 Tagen im Krankenhaus behandelt werden. In der Placebogruppe waren es 37 von 589 Patienten (6,3 %). Sullivan ermittelt ein relatives Risiko von 0,46, das bei einer oberen Grenze des 95-%-Konfidenzintervalls von 0,733 hochsigni­fi­kant war. Die frühzeitige Infusion des Rekonvaleszentenplasmas hatte demnach das Risiko auf einen Krankenhausaufenthalt um 54 % gesenkt. Alle 3 Todesfälle traten übrigens in der Placebogruppe auf.

Die Behandlungen wurden von den meisten Patienten gut vertragen. Nur 1 Transfusion wurde abge­brochen, weil es zu einem Erythem und einer Übelkeit gekommen war. Der Teilnehmer wurde auf der Notaufnahme beobachtet und später entlassen.

Sullivan vergleicht die Behandlung mit der Gabe von monoklonalen Antikörpern, die sich in klinischen Studie bisher auch nur als wirksam erwiesen haben, wenn sie hochdosiert und in den ersten Tagen nach Symptombeginn als Infusion gegeben wurden.

Der Vorteil des Rekonvaleszenzplasma sei, dass es kostengünstig ist und deshalb auch in Ländern mit geringen Ressourcen eingesetzt werden könnte. Anders als die zugelassenen Antikörperpräparate müsse die Serumtherapie nicht auf neue Varianten umgestellt werden. Dies geschehe automatisch, wenn Blut­spenden von Personen genommen würden, die in der jeweils aktuellen Welle eine Erkrankung überstan­den und ausreichend Antikörper gegen das vorherrschende Virus gebildet haben © rme/aerzteblatt.de

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