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Medizin

Generalisierte pustuläre Psoriasis: Interleukin 36-Antagonist Spesolimab stoppt Krankheitsschübe

Freitag, 21. Januar 2022

/Ban, stock.adobe.com

New York – Die intravenöse Gabe des monoklonalen Antikörpers Spesolimab, der den Interleukin 36-Signalweg blockiert, hat in einer Phase-2-Studie die Krankheitsschübe von erwachsenen Patienten mit generalisierter pustulöser Psoriasis (GPP), einer potenziell lebensbedrohlichen Hautkrankheit, durch­brochen.

Die im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2111563) vorgestellten Ergebnisse könnten zur Zulassung des 1. Vertreters der neuen Wirkstoffgruppe führen.

Die GPP ist eine seltene Hautkrankheit, die sich klinisch von der Plaque-Psoriasis unterscheidet. Ursache ist eine pathologische Aktivierung von neutrophilen Granulozyten in der Haut. Die wiederholten Krank­heitsschübe gehen mit einer Rötung und Entzündung großer Hautbereiche einher. Die Haut ist dort übersät von kleinen sterilen Pusteln. Begleitend kann es zu Allgemeinsymptomen wie Schmerzen, Fieber, allgemeinem Unwohlsein und Müdigkeit kommen sowie zu Entzündungen in den Gelenken oder auch Gallenwegen. Schwere Schübe können einen septischen Schock oder ein Herz-Kreislauf-Versagen auslösen. Die Mortalität wird mit 2 bis 16 % angegeben.

Die Behandlung erfolgt derzeit mit Biologika, die den Tumornekrosefaktor alpha (Adalimumab, Infliximab und Certolizumab), Interleukin-17 oder Interleukin-17-Rezeptor (Secukinumab, Brodalumab und Ixekizumab) oder Interleukin-23 (Risankizumab und Guselkumab) hemmen. Eine gezieltere Behandlung könnte demnächst mit Spesolimab möglich sein. Der monoklonale Antikörper blockiert den Rezeptor für Interleukin 36 und stoppt dadurch die von den neutrophilen Granulozyten ausgelöste Entzündungsreaktion in der Haut.

Nachdem sich die Behandlung in einer Phase-1-Studie als sicher erwiesen hat, wurden in einer internationalen Phase-2-Studie (deutsche Beteiligung: Berlin, Bonn, Essen und München) 53 Patienten während eines Krankheitsschubs im Verhältnis 2 zu 1 auf eine einmalige Infusion von Spesolimab oder Placebo randomisiert. Um das Leben der Patienten nicht zu gefährden, konnten die Teilnehmer der Placebogruppe nach 8 Tagen ebenfalls eine Infusion mit Spesolimab erhalten (die auch 15 der 18 Patienten benötigten).

Der primäre Endpunkt war eine Abheilung der Pusteln innerhalb von 1 Woche. Dies entspricht 0 Punkten auf dem GPPGA-Subcore „Generalized Pustulosa Psoriasis Physician Global Assessment“), die von 0 (keine sichtbaren Pusteln) bis 4 (starke Pustelbildung) reicht.

Wie das Team um Mark Lebwohl von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York berichtet, hatten vor der Behandlung 46 % der Patienten in der Spesolimabgruppe und 39 % der Patienten in der Placebogruppe einen GPPGA-Subscore von 3. Bei 37 % beziehungsweise 33 % lag er sogar bei 4.

Eine Woche nach der Infusion waren in der Spesolimabgruppe 19 von 35 Patienten (54 %) frei von Pusteln (Subscore 0) verglichen mit nur 1 von 18 Patienten (6 %) in der Placebogruppe. Der Unterschied von 49 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 21 bis 67 %-Punkten signifikant.

Der sekundäre Endpunkt war ein GPPGA-Gesamtscore von 0 bis 1 Punkt, der eine abgeheilte oder nahezu abgeheilte Haut beschreibt. Dieses Ziel erreichten in der Spesolimabgruppe 15 von 35 Patienten (43 %) verglichen mit 2 von 18 Patienten (11 %) in der Placebogruppe. Auch hier war der Unterschied von 32 %-Punkten mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2 bis 53 %-Punkten signifikant.

Da die Blockade von Interleukin 36 die Abwehr von Krankheitserregern beeinträchtigt, muss nach der Anwendung mit Infektionen gerechnet werden. In der Spesolimabgruppe kam es in der 1. Woche bei 17 % der Patienten zu Infektionen gegenüber 6 % der Patienten in der Placebogruppe. Bei 2 Patienten kam es zu einem Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Manifestationen (DRESS-Syndrom), bei einem der beiden Patienten kam es zusätzlich zu einem Anstieg der Aminotransferase, der auf eine medikamentenbedingte Leberschädigung hinweist.

Der Hersteller lässt die langfristige Verträglichkeit in einer Anschlussstudie prüfen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Spesolimab als mögliche Durchbruchbehandlung („Breakthrough Therapy Designation“) eingestuft, was ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bedeutet. Zugelassen ist der Wirkstoff derzeit noch nirgends. © rme/aerzteblatt.de

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