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Medizin

Studie: Pandemie verschlechtert psychische Verfassung älterer Menschen

Dienstag, 28. Dezember 2021

/gpointstudio, stock.adobe.com

London – Die COVID-19-Pandemie hat auch bei älteren Menschen, die noch zuhause wohnen, zu einer Zunahme von psychischen Störungen geführt, wobei es Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie zwischen wohlhabenden und ärmeren Menschen gibt, wie eine Longitudinalstudie aus England in JAMA Psychiatry (2021; DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2021.3749) zeigt.

Die „English Longitudinal Study of Ageing“ befragt seit 2002 eine Gruppe älterer Menschen (über 50 Jahre) alle 2 Jahre zu ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit, zu Lebensqualität und Finanzen sowie zu ihrer Einstellung zum Alter. Im letzten Jahr wurden 2 zusätzliche Befragungen durchgeführt. Die 1. fand im Juni und Juli am Ende der 1. Welle und im November und Dezember zu Beginn der 2. Welle statt.

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Die Antworten, die Paola Zaninotto vom University College London und Mitarbeiter ausgewertet haben, zeigen, dass die psychische Belastung in der 2. Welle weiter zugenommen hat. Die Prävalenz klinisch signifikanter depressiver Symptome mit 4 oder mehr Symptomen in der CESD-8-Skala („Centre for Epidemiological Studies Depression“) stieg von 12,5 % in der Zeit vor der Pandemie auf 22,6 % in der 1. Welle mit einem weiteren Anstieg auf 28,5 % in der 2. Welle.

Die Zunahme depressiver Störungen ging mit einem Anstieg der Einsamkeit einher, die mit einer weiterten „loneliness scale“ (von 1 bis 12 Punkten) der Universität von Los Angeles erfragt wurde. Der Wert verschlechterte sich von 5,50 in der Zeit vor der Pandemie auf 5,65 in der 1. Welle und 5,75 in der 2. Welle.

Auch die Lebensqualität der Teilnehmer hat sich verschlechtert. In der SASP-Skala („Control, Autonomy, Self realization and Pleasure“), die von 0 bis 48 Punkten reicht, kam es zu einer Zunahme von einem Ausgangswert von 21,6 Punkten in der Zeit vor der Pandemie auf 22,5 Punkte in der 1. Welle und 23,1 Punkte in der 2. Welle. Angststörungen mit 10 oder mehr Punkten auf der GAD-7-Scala („Generalized Anxiety Disorder“) wurden in der 1. Welle bei 9,4 % und in der 2. Welle bei 10,9 % der Teilnehmer gefunden (Hier lagen keine Werte aus der Zeit vor der Pandemie vor).

Die Studie zeigt damit, dass auch ältere Menschen, die in ihrer eigenen Wohnung leben (und nicht von den Besuchsverboten der Alters- und Pflegeheime betroffen waren), unter der Pandemie gelitten haben. In beiden Wellen gab es in England einen Lockdown, der die Mobilität stark eingeschränkt und Besuche erschwert hat.

Frauen haben unter den Einschränkungen stärker gelitten als Männer. In allen 4 Fragebögen kam es während der Pandemie zu einem deutlichen Anstieg. Vor allem Einsamkeit und Angststörungen nahmen zu. Männer haben sich in diesen beiden Aspekten als resilienter erwiesen als Frauen, was auch die stärkere Verschlechterung der Lebensqualität bei Frauen erklären mag. Depressionen haben in beiden Geschlechtern zugenommen, wobei die Prävalenz bei Frauen schon vor der Pandemie höher war als bei Männern.

Auch der finanzielle Status beeinflusste die psychischen Reaktionen auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Teilnehmer im unteren Drittel des Vermögens hatten schon vor der Pandemie (oder in der 1. Welle) in allen 4 Fragebögen eine ungünstigere Ausgangssituation. Während der Pande­mie (oder in der 2. Welle) kam es zu einer weiteren Verschlechterung.

Die Unterschiede zwischen Arm und Reich blieben dadurch in etwa gleich, auch wenn die wohlha­benderen Senioren über einen stärkeren Rückgang der Lebensqualität und eine zunehmende Einsamkeit klagten. Zaninotto vermutet, dass wohlhabendere Menschen stärker von sozialen Einschränkungen und dem Verbot sozialer und kultureller Aktivitäten betroffen waren, weil sie diese vor der Pandemie aufgrund ihrer besseren finanziellen Möglichkeiten häufiger nutzen konnten.

© rme/aerzteblatt.de

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