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Ärzteschaft

„Impfluencer“: Kröner will sich nicht einschüchtern lassen

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Der Allgemeinmediziner Christian Kröner setzt sich seit Beginn der Coronaimpfkampagne für die Impfungen ein. Die Kripo ermittelte wegen zahlreicher Bedrohungen des Mediziners im Internet. Grund für die Drohungen ist, dass Kröner auch Impfungen für Kinder anbietet./dpa, Stefan Puchner

Neu-Ulm – Der schwäbische Hausarzt und Impfbefürworter Christian Kröner will sich auch im kommen­den Jahr trotz Bedrohungen weiter für Coronaimpfungen stark machen. Der Mediziner aus Neu-Ulm wurde im vergangenen Jahr in ganz Deutschland bekannt, weil er offensiv für die Coronaimpfung warb.

Deswegen wurde er oft beleidigt und erhielt Morddrohungen. Einer der Täter wurde mittlerweile zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In anderen Fällen liefen die Verfahren noch, berichtet Kröner. Er lasse sich nicht einschüchtern und mache weiter, betont er.

Das Amtsgericht in Günzburg schickte vor wenigen Wochen einen Mann, der Kröner per Nachricht auf das Handy attackiert hatte, hinter Gitter. Drei Monate ohne Bewährung lautete das Urteil. Der Angeklag­te habe einschlägige Vorstrafen gehabt, erklärte eine Sprecherin des Gerichts das harte Urteil. Kröner hatte in zahlreichen Fällen Anzeige erstattet. Die Kripo sei an den Fällen dran, berichtet Kröner. „Es werden nicht wenige Täter ermittelt“, sagt er.

Kröner hatte zunächst Ende 2020 mit einem Infoblatt über die damals startenden Coronaimpfungen für Aufsehen gesorgt. Auf dem Patienteninformationszettel räumte er mit Vorurteilen gegen die Schutz­im­pfung auf – auch auf humorvolle Weise. Das Dokument wurde auf Facebook ein Hit und tausendfach geteilt. Kröner wurde so bundesweit bekannt und zu einem gefragten Ansprechpartner der Medien – mittlerweile bezeichnet sich der Allgemeinmediziner auch selbst als „Impfluencer“.

Zwischenzeitlich hatte er bekanntgegeben, dass es bei der Lagerung der Impfstoffe in seiner Praxis zu einer kleinen Panne gekommen war, weil Medikamente möglicherweise etwas zu warm wurden. Kröner bot seinen Patienten Antikörpertests an. Letztlich habe es trotz der vermuteten Unterbrechung der Kühl­kette keine Probleme mit seinen Impfungen gegeben, die Patienten hätten ihm den Vorfall auch nicht übel genommen, sagt der Mediziner rückblickend.

Mit seinen Impfangeboten macht Kröner weiter. So lud er kurz vor Weihnachten noch zu einem „Kinder­impftag“ ohne Voranmeldung für Fünf- bis Elfjährige ein. Zudem informiert er auf Twitter über die aktu­ellen wissenschaftlichen Entwicklungen.

Er wies Genesene beispielsweise kürzlich darauf hin, dass sie gegen die neue Omikron-Variante keinen ausreichenden Schutz hätten. „Hilft ähnlich gut wie ein Feuerlöscher bei einem Wasserschaden“, lautete sein Fazit über den Schutz nach Erkrankungen mit anderen Varianten. Die Betroffenen sollten sich „unbedingt impfen lassen“.

Angesicht solch einer weiter offensiven Impf-Kommunikation steht Kröner nach wie vor im Fokus der Impfgegner. Mittlerweile liegen nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums in Kempten mehr als 250 Fälle bei den Ermittlern. Die Bedrohungen seien zwar weniger geworden, sagt Kröner. „Aber es hat nicht aufgehört.“ Wenn man einmal als Befürworter von Impfungen bekannt sei, bleibe man „Feindbild“.

Auch die Probleme mit Omikron seien kein Argument gegen eine Impfung mit den bisherigen Präpa­raten, betont er. Der Infektionsschutz sei zwar tatsächlich nicht mehr so gegeben, aber die Betroffenen hätten meist milde Verläufe. „Der Schutz vor schwerem Verlauf und Tod, was ja das Entscheidende ist, der ist immer noch sehr, sehr gut.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Dr. Otto Scharbau
am Donnerstag, 30. Dezember 2021, 15:51

Lässt 2022 vielleicht hoffen?

Die Gewalt gegenüber Dr. Kröner ist zu verachten und zu ahnden, ohne wenn und aber. Der Diskurs muss in einer Demokratie immer mit friedlichen Mitteln stattfinden.
Hingegen geht aber gleichzeitig vom Staat selbst Gewalt aus und unterdrückt den Diskurs, je nach Meinung. So veranlasste die Staatsanwaltschaft bei Ärzten, die sich mit ihrer ( medizinisch oft wohl begründeten Auffassung ) zu sehr an die Öffentlichkeit wagten, mal eben eine Hausdurchsuchung, so in meinem Landkreis 2x geschehen, wie oft sonst noch in Deutschland?! Ein habilitierter Pharmakologe und Toxikologe, der öffentlich sachbezogen argumentierte, zieht sich ins Ausland zurück, da er sich nach einer Hausdurchsuchung meinungsverfolgt fühlen muss. Dagegen gibt es im DÄ keinen Aufschrei, der allein historisch gesehen zwingend erfolgen müsste. Gegen diese staatliche Willkür hilft auch kein Gericht, da ein von der Politik unabhängig urteilender Richter ( was ja als Gewaltenteilung verfassungsmäßig vorgeschrieben ist) dann selbst eine Hausdurchsuchung befürchten muss, siehe Weimar. Hingegen bleibt sich ein wesentlicher Teil der im DÄ repräsentierten deutschen Ärzteschaft 2021 auch journalistisch treu, den jeweiligen politischen Mehrheitsverhältnissen zu folgen, anstatt pointiert Position zu vielen kritisch zu diskutierenden Punkten zu beziehen: z.B. Gesellschaftliche Ausgrenzung Ungeimpfter trotz diesbezüglich epidemiologisch mieser Datenlage, fehlende flächendeckende Obduktionen, um die extrem handlungsrelevante Frage "an und mit" endlich auf solide Füße zu stellen, kaum Obduktionen der vermutlich an Impf-NW Verstorbenen, quasi Durchwinken von Kinderimpfungen trotz fehlender Langzeitdaten usw. usw. Nebenbei erodiert die Demokratie. Da ist es nicht verwun-derlich, wenn nun anstelle von uns viele ( in der Mitte stehende ! ) Bürger ihre Füsse in die Hand nehmen, um u.a. für ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit einzutreten. Und wir? Lässt 2022 vielleicht hoffen?
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