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Politik

IQWiG sieht Aktualisierungs­bedarf beim DMP Herzinsuffizienz

Donnerstag, 30. Dezember 2021

Spectral-Design - stock.adobe.com

Berlin – Die meisten Versorgungsaspekte des Disease-Management-Programms (DMP) Herzinsuffizienz sollten überarbeitet und neue As­pekte ergänzt werden. Dieses Fazit zieht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheits­wesen (IQWiG) nach einer entsprechenden Leitlinien-Recherche.

Nach der koronaren Herzkrankheit und dem Herzinfarkt zählt die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für Krankenhauseinweisungen und Todesfälle: 2018 waren 456.012 Personen in Deutschland wegen einer Herzinsuffizienz vollstationär untergebracht; 35.297 Patienten verstarben im Jahr 2019 an einer Herzinsuffizienz.

DMP sollen sicherstellen, dass Patienten eine Versorgung erhalten, die das Risiko von Folgeschäden und akuten Verschlechterungen der Krankheit so weit wie möglich verhindert und die Lebensqualität verbes­sert. Die inhaltlichen Anforderungen an ein DMP sind in der DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) geregelt, die regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft werden.

Das IQWiG hat nun im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aktuelle medizinische Leit­linien zur Behandlung von Herzinsuffizienz recherchiert, deren Empfehlungen mit der geltenden DMP-A-RL des G-BA abgeglichen und dabei Diskrepanzen zu den Leitlinien festgestellt.

Das abschließende Fazit des IQWiG nach der Auswertung von 591 Empfehlungen aus 14 Leitlinien: Die meisten Versorgungsaspekte des gültigen DMP Chronische Herzinsuffizienz sollten überarbeitet und einige neue Aspekte ergänzt werden.

Medikamentöse Therapie aktualisieren

Rechtzeitig vor Erstellung des Abschlussberichts haben die Wissenschaftler des IQWiG in einigen frisch überarbeiteten Leitlinien, unter anderem in der gerade aktualisierten Nationalen Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz (NVL 2021) und auch in der aktuellen Leitlinie der European Society of Cardiology, Empfehlungen zur Verordnung von SGLT-2-Hemmern identifiziert.

Die Verordnung von SGLT-2-Hemmern soll demnach gemäß der NVL 2021 bei andauernder Symptomatik trotz leitliniengerechter Kombinationstherapie der Herzinsuffizienz erwogen werden – unabhängig da­von, ob zusätzlich ein Diabetes mellitus vorliegt oder nicht.

Alternativ sei auch eine Kombinationsbehandlung mit Sacubitril/Valsartan (im Austausch mit dem ACE-Hemmer/Angiotensinrezeptorblocker) zur Intensivierung der medikamentösen Therapie zu empfehlen. Derzeit ist die medikamentöse Therapie mit SGLT-2-Hemmern noch nicht Gegenstand des aktuellen DMP-Herzinsuffizienz.

Die im Rahmen der IQWiG-Recherche betrachteten Leitlinien heben zudem auf die verschiedenen For­men und Ausprägungen der Herzinsuffizienz ab, wohingegen als Einschreibungskriterien des DMP nur die systolische Herzinsuffizienz (ab einem definierten Schweregrad) Berücksichtigung findet. Darüber hinaus geben zwei internationale Leitlinien und die NVL 2021 Empfehlungen für den Einsatz von mul­tidisziplinären Behandlungsteams und deren konkrete Aufgaben, die in der aktuellen DMP-A-RL noch nicht enthalten sind.

Weitere Begleiterkrankungen berücksichtigen

Ein großer Teil der Patienten mit einer Herzinsuffizienz leidet zusätzlich unter Begleiterkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2, chronischer Niereninsuffizienz oder COPD. Diese Begleiterkrankungen wirken sich auf die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten aus.

Sie zu berücksichtigen sei laut IQWiG wichtig, weil dies Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung haben kann. In der NVL 2021 und in mehreren internationalen Leitlinien werden nun weitere Begleiterkrankungen benannt, die in der Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz eine Rolle spielen, allerdings bisher nicht in der DMP-A-RL abgebildet sind.

Eine mangelhafte Überleitung von Patienten mit Herzinsuffizienz in die ambulante Versorgung nach einer stationären Behandlung kann wiederholte Krankenhauseinweisungen zur Folge haben. Die Lang­zeitprognose der Herzinsuffizienz wird zudem durch ein multidisziplinäres Entlassmanagement ver­bessert.

Da aber trotz der seit 2017 gesetzlich vorgeschriebenen Sicherstellung einer lückenlosen Anschluss­ver­sorgung in Form eines Entlassmanagements weiterhin Versorgungsprobleme nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bestünden, solle das Entlassmanagement als neuer Kerninhalt des Versorgungsaspekts „Kooperation der Versorgungsebenen“ für das DMP Herzinsuffizienz definiert werden.

Wie das IQWiG betonte, seien telemedizinische Maßnahmen in den letzten Jahren stetig weiterent­wickelt worden und hätten in der Patientenversorgung zunehmend an Bedeutung gewonnen – auch bei der Betreuung von Patienten mit einer Herzinsuffizienz. Sowohl die NVL 2021 als auch eine australische Leitlinie empfehlen im Rahmen einer intensivierten Betreuung den Einsatz von telemedizinischen Maßnahmen.

Der G-BA hat im Rahmen des Bewertungsverfahrens zu „Telemonitoring bei Herzinsuffizienz“, zu dem auch eine Nutzenbewertung des IQWiG vorliegt, im Jahr 2020 beschlossen, eine telemedizinische Betreuung bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz in das ambulante Angebot der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Die Empfehlung solcher Maßnahmen fehle aber noch in der aktuellen DMP-A-RL, so das IQWiG. © aha/EB/aerzteblatt.de

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