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Politik

Lauterbach rechnet mit Entscheidung über Verkürzung der Quarantänefristen

Montag, 3. Januar 2022

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit. /picture alliance, Bernd von Jutrczenka

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit einer schnellen Entscheidung über eine Verkürzung der Quarantänefristen bei Coronainfektionen. Um zu verhindern, dass die Omikron-Welle zu groß werde, werde es bei der Bund-Länder-Runde am kommenden Freitag dieser Woche „auf jeden Fall neue Beschlüsse geben“, sagte Lauterbach gestern im Interview mit RTL/ntv.

Dabei gehe es um eine Änderung der Quarantäneverordnung. Ob Lauterbach nur eine Verkürzung der Quarantänefristen für Kontaktpersonen oder sogar kürzere Isolationszeiten für Infizierte erwägt, blieb offen. Geklärt werden müsse unter anderem, inwieweit die Fristen für Menschen mit Auffrischungsim­pfung geändert werden könnten, sagte er.

Zugleich müssen Bund und Länder laut Lauterbach aber auch über Kontaktbeschränkungen sprechen. Eine Durchseuchung könne Deutschland sich aufgrund der hohen Zahl an Ungeimpften „nicht leisten“, sagte der SPD-Politiker. Durch die Omikron-Variante würden die Coronaneuinfektionen stark zunehmen und viele Ungeimpfte treffen. „Daher mache ich mir da große Sorgen.“

Einen Verordnungsentwurf für eine verkürzte Coronaquarantäne hat die Bundesregierung allerdings noch nicht fertig. Auf die Frage, ob das Bundesinnenministerium bereits an einer geänderten Muster­quarantäneverordnung für die Länder arbeite, antwortete Ministeriumssprecher Steve Alter heute: „Wir diskutieren diesen Vorschlag aus dem Bundesgesundheitsministerium innerhalb der Bundesregierung, und wir stehen in engem Kontakt zu einer etwaigen Umsetzung.“

Relevant ist die Frage der Quarantäneregeln unter anderem für den Bereich der kritischen Infrastruktur, wo Ausfälle vermieden werden sollen. Dazu zählen beispielsweise die Energieversorger, die Polizei und die Feuerwehr.

Vor der Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen gegen die neue Coronavariante Omikron sollen mögliche weitere Maßnahmen zunächst fachlich vorbereitet werden. Morgen soll deshalb erneut der Expertenrat der Bundesregierung beraten, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit heute in Berlin mitteilte. Offen war demnach zunächst, ob auch eine aktuelle Stellungnahme vorgelegt werden soll.

RKI soll Empfehlungen vorlegen

Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) befasst sich das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits mit mögli­chen Verkürzungen von Quarantänezeiten. Hierzu würden im Lauf der Woche entsprechende Empfeh­lungen erwartet. Unter anderem Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte kürzlich eine Befreiung von der Quarantäne für geboosterte Kontaktpersonen ins Gespräch gebracht.

Der Coronaexpertenrat der Bundesregierung hatte vor Weihnachten vor einer extremen Belastung des Gesundheitssystems und der gesamten kritischen Infrastruktur wie Krankenhäuser, Feuerwehr oder Strom­versorgung gewarnt, sollten viele Menschen zeitgleich krank werden oder in Quarantäne müssen.

Andere Staaten mit hohem Omikron-Anteil wie die USA oder Großbritannien haben ihre Regeln bereits gelockert, um akutem Personalmangel in Bereichen vorzubeugen, die für die Grundversorgung und Si­cherheit nötig sind. Spanien und Portugal verkürzten die Quarantänedauer für symptomlose Infizierte von zehn auf sieben Tage. Eine Rolle spielen dabei auch Indizien, dass Omikron seltener zu schweren Krankheitsverläufen führen dürfte.

DKG mahnt zur Vorsicht

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) appellierte angesichts der zu erwartenden Fallzahlsteige­rung durch Omikron zu einer „umsichtigen Entscheidung“ über die Verkürzung der Quarantänezeit. Ange­sichts der erkennbar schnellen Ausbreitung der Omikroninfektionen seien neue Höchststände bei der Zahl der Infizierten pro Tag sehr wahrscheinlich. Damit vervielfache sich auch die Zahl der Kontakt­perso­nen bei diesen bestätigten Infektionen. Dies mache eine bundeseinheitliche Regelung unabdingbar, die sich nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen richten müsse.

„Die negativen Konsequenzen einer 14-Tage-Quarantäne vollständig Geimpfter bei durchschnittlich fünf bis zehn Kontaktpersonen wären erheblich und könnten sehr schnell zu einem Personalengpass in allen Bereichen der kritischen Infrastruktur aber auch der Wirtschaft insgesamt führen“, erklärte Gerald Gaß, Vorstandvorsitzender der DKG.

Gleichzeitig verdichteten sich mittlerweile die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Inkubationszeit bei fünf bis sechs Tagen liegt. Danach könne die reine Quarantäne für vollständig geimpfte Kontaktper­so­nen jetzt bei einem Kontakt mit einem Omikronfall auf sieben Tage mit abschließendem Negativtest verkürzt werden. Allerdings sei aus Infektionsschutz und Arbeitsschutzgründen klar zwischen reinen Kontaktpersonen und Infizierten zu unterscheiden.

„Wir müssen bei dieser Debatte aber klar differenzieren zwischen der Quarantäne für nicht positiv getes­tete Kontaktpersonen und der Isolation für positiv Getestete, also infizierten Personen. Eine pauschale Verkürzung der Isolation von Infizierten lehnen wir ab. Diese kann nur erfolgen, wenn wir klare Evidenz haben, wie lange die Personen infektiös sind. In jedem Fall ist auch ein negativer Test zum Ende der Isolation erforderlich“, so Gaß.

Dagegen sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, dem Berliner Tagesspiegel, er halte eine kürzere Quarantäne bei symptomlosen Omikron-Infizierten für vertretbar.

„Omikron ist anders als frühere Varianten – darum müssen auch die Quarantäneregeln angepasst wer­den“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Tino Sorge (CDU), der Welt. „Wir erwarten eine neue Dynamik mit sehr vielen, aber eben auch vielen milden Coronainfektionen.“

In einer solchen Lage müsse verhindert werden, dass Personalausfälle die Wirtschaft und die kritischen Infrastrukturen lahmlegten. „Darum wäre es sinnvoll, die Quarantäne für bestimmte Kontaktpersonen zu verkürzen. Engmaschige Tests könnten das flankieren.“

Vor dem Hintergrund der Sorge vor einem schlagartigen Personalausfall in Kliniken und anderen Versor­gungsbereichen sprach sich auch der Präsident des Deutschen Landkreistags für eine kürzere Quarantä­ne aus. „Eine Verkürzung der Quarantäne kann sich als sinnvoll erweisen“, sagte Landrat Reinhard Sager den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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