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Vermischtes

Jedem dritten Beschäftigten droht Bruttorente von weniger als 1.300 Euro

Montag, 3. Januar 2022

/Stockfotos-MG, stockadobecom

Berlin – Jeder dritte Beschäftigte in Deutschland muss damit rechnen, nach 45 Berufsjahren in Vollzeit eine Bruttorente von weniger als 1.300 Euro im Monat zu bekommen. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung bedeutet dies netto etwa 1.160 Euro an Altersbezügen, wie aus einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Linken-Anfrage hervorgeht. Am Wochenende hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichtet.

Beschäftigte müssten beim derzeitigen Rentenniveau mindestens 2.800 Euro im Monat vor Abzügen ver­dienen, um auf eine gesetzliche Rente von 1.300 brutto zu kommen, heißt es laut dem Zeitungsbericht in der Antwort des Ministeriums.

Wer im Alter auf 1.500 Euro Rente kommen wolle, müsse nach derzeitigem Stand monatlich mindestens 3.200 Euro brutto in Vollzeit verdienen. Um 2.500 Euro brutto von der Rentenversicherung zu erhalten, sei aktuell ein Monatslohn von 5.350 Euro vor Steuern und Abgaben erforderlich.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte den Funke-Zeitungen, es sei „inakzeptabel“, dass einem Drittel der Beschäftigten nach 45 Jahren Vollzeitarbeit eine schmale Rente drohe. Im Osten sei sogar jeder zwei­te betroffen. Die Zahlen der Bundesregierung zeigten, „dass viele Arbeitnehmer nicht nur zu wenig verdienen, sondern auch zu wenig Rente für ihre Lebensleistung erhalten“.

„Wenn so viele Menschen im Alter nach langer Vollzeitberufstätigkeit Renten bekommen, die kaum höher als die Sozialhilfe sind, fragen sie sich, warum sie überhaupt einzahlen sollen“, sagte VdK-Präsidentin Ve­rena Bentele dem Tagesspiegel. Sie forderte eine Erhöhung des Mindestrentenniveaus auf „deutlich über 50 Prozent“ sowie einen höheren Mindestlohn: „Für eine Rente oberhalb der Sozialhilfe müsste der Min­destlohn mindestens bei 13 Euro liegen.“

Das Rentenniveau lag laut dem Rentenversicherungsbericht 2021 zuletzt bei 49,4 Prozent. Die Zahl zeigt das Verhältnis zwischen der Höhe der zu erwartenden Rente nach 45 Beitragsjahren und dem durch­schnittlichen Einkommen eines Arbeitnehmers.

Das Bundesarbeitsministerium verwies laut den Funke-Zeitungen in seiner Antwort darauf, dass die Aus­wertung der Zahlen keine direkten Aussagen zur Verdiensthöhe im Lauf eines Arbeitslebens zulasse. Hintergrund sei, dass es in Zukunft zu Lohnerhöhungen kommen könne, die für die aktuelle Erhebung aber nicht berücksichtigt werden konnten.

Ferner betonte die Regierung, aus erworbenen Rentenansprüchen könnten „grundsätzlich keine Rück­schlüsse auf den Lebensstandard im Alter gezogen werden", da etwa weitere Alterseinkommen außerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt werden müssten.

Ähnlich äußerte sich die Deutsche Rentenversicherung Bund. „Die Betrachtung individueller Ansprüche alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung besitzt nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der generellen Einkommenssituation von Rentnerinnen und Rentnern“, erklärte die Behörde.

Rentner hätten in zahlreichen Fällen Alterseinkünfte aus weiteren Quellen, beispielsweise Betriebs­ren­ten, Einkünfte eines Partners oder daraus abgeleiteten Ansprüchen auf Hinterbliebenenleistungen“, er­läuterte die Rentenversicherung. © afp/aerzteblatt.de

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