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Zehntausende protestieren gegen Coronamaßnahmen

Dienstag, 4. Januar 2022

Polizisten und und Teilnehmer einer Versammlung in Magdeburg stehen sich in der Innenstadt der Landeshauptstadt gegenüber. /picture alliance, Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin – Zehntausende Menschen haben gestern Abend erneut bundesweit gegen die Coronamaßnahmen demonstriert – oft bei nicht genehmigten sogenannten Spaziergängen. Es gab Krawalle und Verletzte.

Allein in Baden-Württemberg gingen geschätzt rund 50.000 Menschen auf die Straßen. Diese Zahl nann­te Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU). Das wären deutlich mehr Menschen als bisher angenom­men. Rund 2.500 Polizeibeamte seien im Einsatz gewesen.

Auch in vielen anderen Bundesländern gab es ähnliche Proteste. In Sachsen dürfte die Zahl der Teilneh­mer nach Behördenangaben ebenfalls in die Zehntausende gehen. Bei teils unangemeldeten Protesten in den Landkreisen Görlitz und Bautzen mit insgesamt rund 5.500 Teilnehmern wurden nach Angaben der Polizei 37 Straftaten und 140 Ordnungswidrigkeiten aufgenommen.

In Lichtenstein im Landkreis Zwickau wurden 14 Beamte verletzt. „Eine Person versuchte, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreißen und ein Polizist erlitt eine Bissverletzung durch einen Teilnehmer der Ver­sammlung“, teilte die Polizei mit.

In Thüringen waren laut Polizei rund 17.000 Menschen unterwegs. In Mecklenburg-Vorpommern beteilig­ten sich rund 12.000 Menschen in mehr als 20 Städten an angemeldeten „Lichterspaziergängen“, Kund­ge­bungen sowie nicht angemeldeten Schweigemärschen.

In bayerischen Städten und Gemeinden versammelten sich etwa 10.000 Menschen. Dabei blieb es größ­tenteils friedlich. Auch gab es zahlreiche Aufzüge von Gegendemonstranten, die in Städten wie Trier und Rostock Position bezogen.

In Berlin begann der größte Demonstrationszug laut Polizei mit knapp 400 Menschen am Alexanderplatz und zog über die Straße Unter den Linden. Dabei wurde vor dem ZDF-Hauptstadtstudio eine Kundge­bung abgehalten und es wurden Parolen wie „Lügenpresse“ gerufen. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach auf Twitter von einer „kleinen radikalen Minderheit der Impfgegner, Querdenker, Corona-Leugner, Medienhasser und Demokratiefeinde“.

In Sachsen-Anhalt und Hessen kam es bei Protesten gegen die staatlichen Beschränkungen ebenfalls zu Ausschreitungen. Die Polizeiinspektion in Magdeburg berichtete von durchbrochenen Polizeiketten, Fla­schenwürfen auf Beamte und Pyrotechnik.

Nach ersten Erkenntnissen wurden aber keine Polizisten verletzt. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hatten sich laut Polizei etwa 2.500 Menschen versammelt. Die Versammlung sei wie die meisten im Gebiet der Polizeiinspektion nicht angezeigt gewesen.

In Nürnberg demonstrierten rund 4.200 Menschen gegen die Coronapolitik – deutlich mehr als erwartet. Zwischenfälle gab es nicht. In Bamberg trafen sich laut Polizei rund 2.150 Menschen zu einem angemel­de­ten „Spaziergang“. Viele Städte hatten nicht ortsfeste Kundgebungen verboten und den Teilnehmern unangemeldeter Demonstrationen Bußgelder angedroht.

In Mecklenburg Vorpommern kamen etwa 3.000 Menschen weniger als vor einer Woche zusammen. Ver­einzelt kam es zu Gegenkundgebungen – nennenswerte Zwischenfälle gab es laut Polizei nach ersten Erkenntnissen nicht. In Rostock registrierten die Sicherheitskräfte rund 4.000 Protestierende, in Schwerin zogen rund 2.000 Menschen durch die Stadt, in Neubrandenburg rund 1.800.

Auch in Brandenburg gingen die Proteste von Kritikern der Coronamaßnahmen und Impfgegnern im neuen Jahr landesweit weiter. Vielerorts waren Gegenaktionen angekündigt. So hatte in der Landes­hauptstadt das Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ dazu aufgerufen, den Gegnern der Coronamaßnahmen nicht die Stadt zu überlassen.

Die Polizei im hessischen Fulda löste eine Versammlung auf. Dabei habe ein Teilnehmer die Einsatzkräfte angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten Pfefferspray eingesetzt, die Person sei festge­nommen worden. Die Versammlung wurde laut Polizei aufgelöst, da keine Masken getragen und keine Abstände eingehalten wurden.

Die Polizeiinspektion in Nienburg und Schaumburg in Niedersachsen meldete 1.000 Demonstranten, die sich auf die beiden Landkreise verteilten. In weiteren Städten des Bundeslandes wie in Braunschweig zählte die Polizei rund 1.100 Menschen auf den Straßen.

Nach Angaben der Polizei kam es in Braunschweig neben Beleidigungen auch zu Angriffen auf Beamte durch einzelne Teilnehmer. Die Angreifer seien in Gewahrsam genommen worden. © dpa/aerzteblatt.de

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