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Medizin

Studie: Inzidentalome können auch ohne Cushing-Syndrom Blutdruck und Blutzucker erhöhen

Freitag, 7. Januar 2022

/LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com

Birmingham/England – Die Nebennierenadenome, die bei Ultraschall, Computertomografie oder Kern­spintomografie oft als Zufallsbefund („Inzidentalom“) entdeckt werden, produzieren häufiger als bisher angenommen Cortisol, was in einer Querschnittstudie in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/M21-1737) mit einer Hypertonie und einem schwer einstellbaren Typ-2-Diabetes verbunden war.

Bei fast jedem 10. Patienten wird bei einer Bildgebung aus anderen Gründen, etwa wegen akuter Bauch- oder Rückenschmerzen, eine Vergrößerung einer Nebenniere gefunden. Hinter diesem Inzidentalom verbirgt sich in der Regel ein gutartiges Adenom. Da Malignome selten sind, wird dem Befund häufig keine Beachtung geschenkt, obwohl viele Adenome hormonell aktiv sind. Eine erhöhte Produktion von Cortisol kann jedoch langfristig Folgen für die Gesundheit haben, da das Stresshormon Blutdruck und Blutzucker erhöht.

Das „European Network for the Study of Adrenal Tumors“, an dem auch Zentren aus Deutschland teil­nehmen, hat deshalb bei 1.305 Patienten mit einem Nebenniereninzidentalom einen Dexamethason-Suppressionstest durchgeführt. Den Patienten wird dabei eine kleine Menge Dexamethason verabreicht. Bei gesunden Menschen kommt es über eine Hemmung der ACTH-Ausschüttung aus der Hypophyse zu einem Abfall der Cortisolkonzentration im Blut. Bei Patienten mit einem hormonell aktiven Adenom bleibt dieser Abfall aus.

Die Forscher unterschieden 3 Formen oder Stadien der Erkrankung: Bei einem Anstieg des Cortisol auf 50 bis 138 nmol/l wurde eine leichte autonome Cortisolsekretion (MACS-1) diagnostiziert. Patienten mit einem Cortisol über 138 nmol/l hatten ein MACS-2 oder ein Cushing-Syndrom, wenn bereits klinische Veränderungen wie Stammfettsucht, Vollmondgesicht, „Stiernacken“ oder andere Folgen des Cortisol­exzesses vorlagen. Diese Befunde wurden dann mit dem Blutdruck und Blutzucker in Beziehung gesetzt.

Wie das Team um Wiebke Arlt von der Universität Birmingham berichtet, hatten nur 1.305 Teilnehmer (49,7 %) einen funktional inaktiven Nebennierentumor (NFAT), definiert als ein Anstieg des Cortisol auf weniger als 50 nmol/l. Bei 34,6 % wurde ein MACS-1 und bei 10,7 % ein MACS-2 diagnostiziert. Weitere 5,0 % hatten sogar ein Cushing-Syndrom. Der Anteil der Frauen stieg von 67,2 % beim MACS-1 auf 73,6 % bei MACS-2 und 86,2 % beim Cushing-Syndrom.

Beim Cushing-Syndrom besteht in der Regel eine Indikation für eine Behandlung, die in der operativen Entfernung des Adenoms bestehen kann. Die klinische Bedeutung von MACS-1 und MACS-2 ist weniger klar. Die Studie zeigt jetzt, dass Personen mit einem MACS-2 zu 15 % häufiger als die NFAT-Gruppe einen erhöhten Blutdruck hatten. Die adjustierte Prävalenzrate (aPR) von 1,15 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,04 bis 1,27 signifikant. Bei den Patienten mit Cushing-Syndrom Betrug die aPR 1,37 (1,16 bis 1,62).

Patienten mit MACS-2 nahmen zu 31 % häufiger 3 oder mehr Antihypertensiva ein (aPR 1,31; 1,02 bis 1,68). Bei den Cushing-Patienten waren es mehr als doppelt so viele (aPR 2,22; 1,62 bis 3,05).

Wie zu erwarten waren Cushing-Patienten häufiger an einem Typ-2-Diabetes erkrankt (aPR 1,62; 1,08 bis 2,42), und sie waren 3-fach häufiger auf Insulin angewiesen (aPR 3,06; 1,60 bis 5,85). Für die Patienten mit MACS-2 war ein Typ-2-Diabetes häufiger mit der Notwendigkeit einer Insulinbehandlung verbunden (aPR 1,89; 1,01 bis 3,52).

Die Ergebnisse sprechen dafür, Nebenniereninzidentalome nicht zu ignorieren und auch bei Patienten ohne sichtbare Zeichen eines Cushing-Syndroms eine endokrinologische Abklärung vorzunehmen. Viele Fragen sind jedoch noch ungeklärt.

Die Forscher wollen als nächstes untersuchen, wie sich der Cortisolüberschuss bei MACS auf den mensch­lichen Stoffwechsel auswirkt. Geplant ist zweitens ein Test, mit dem frühzeitig erkannt werden kann, bei welchen Patienten mit MACS das Risiko auf einen Bluthochdruck und einen Typ-2-Diabetes erhöht ist. Drittens sollen Behandlungsstrategien entwickelt werden, mit denen sich das Erkrankungs­risiko senken lässt. © rme/aerzteblatt.de

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