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Politik

Lauterbach will Bonus nur für begrenzten Kreis von Pflegekräften

Mittwoch, 5. Januar 2022

/dpa, Michael Kappeler

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will den geplanten Pflegebonus offenbar nur an einen begrenzten Kreis von Pflegekräften zahlen.

„Der Pflegebonus sollte vor allem Pflegekräften bezahlt werden, die in der Coronapandemie besonders belastet waren“, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dann könne der Bonus auch in „nennenswerter Höhe angesetzt werden“, sagte der SPD-Politiker.

Nur so sei die besondere Leistung von Pflegekräften wirklich zu würdigen. Lauterbach hob hervor, dass diese Pflegekräfte „teilweise bei der Pflege ihrer Patientinnen und Patienten ins persönliche Risiko gegangen“ seien.

Die Ampelparteien aus SPD, Grünen und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, für einen neuerlichen Bonus für Pflege­kräfte in Heimen und Krankenhäusern eine Milliarde Euro bereitzustellen. Die Steuerfreiheit des Pflege­bonus soll auf 3.000 Euro steigen.

Unklar ist aber noch, wie genau der Kreis derjenigen definiert werden soll, der in den Genuss des Pflegebonus kommt. Ärzteverbände haben sich zudem immer wieder dafür ausgesprochen, dass ein Bonus auch für andere Berufsgruppen wie etwa medizinische Fachangestellte erforderlich ist.

Die Linke warf Lauterbach in einer ersten Reaktion eine Spaltung der Pflegekräfte vor. „Statt die Pflege in der Dauerkrise zu unterstützen, spaltet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Belegschaft mit seiner bürokratischen Erbsenzählerei“, sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Jan Korte.

Für das Pflegepersonal von der Intensivstation bis zum mobilen Pflegedienst sei diese Pandemie eine unglaubliche Belastung. „Sie alle haben nicht nur einen Bonus verdient, sondern auch Respekt und Ein­satz des Bundesgesundheitsministers.“

Statt das Personal zu demotivieren, sollte Lauterbach sich jetzt zuerst darum kümmern, die „miesen Arbeitsbedingungen und die Personalknappheit in den Krankenhäusern zu bekämpfen, damit dort in Zukunft überhaupt noch jemand arbeiten will“.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte, die Ankündigung Lauterbachs könnte zum Sprengsatz werden und neuen Frust unter den Pflegekräften hervorrufen. Die Debatte darüber, wer sich wie oft und wie intensiv um Coronapatienten gekümmert habe, werde erheblichen Unfrieden stiften und die Motiva­tion der Betroffenen verringern, sagte Vorstand Eugen Brysch. © dpa/afp/kna/may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #722321
Hennighausen
am Donnerstag, 6. Januar 2022, 02:41

Mehrbelastung der Pflegenden ist unbestritten, aber wer soll/ kann zahlen?

Der Bonus wurde von der Politik unter dem Eindruck von Corona angestoßen, verständlich, aber, was nicht verstehbar ist, es wurde nicht geklärt, wer die Zeche zahlen soll. So haben es damals meines Wissens die Pflegekassen abgelehnt, den Bonus zu zahlen. Dass nun den Pflegenden verwandte Berufsgruppen dasselbe fordern, ist auch verständlich. Sehr sinnvoll wäre es gewesen, anstelle dieser "Kurzschlusshandlung" zügig eine Verbesserung der Gehaltssituation, zumindest auf Intensiv-Stationen, z. B. in Form einer Intensiv-Zulage, auf den Weg zu bringen und gleichzeitig die Bevölkerung auf etwaige Erhöhung der Krankenkassenbeiträge vorzubereiten. Die Worte von den "Helden des Alltags" mögen sich gut anhören, die "Helden des Alltags" sind stärkeren Belastungen ausgesetzt, ohne Zweifel, aber sie haben noch Arbeit und oft, wenn nicht meistens einen sicheren Arbeitsplatz. Dieser kann "Gold wert sein". Über diejenigen, die in Kurzarbeit sind oder gar ihre Arbeit pandemiebedingt verloren haben und nicht wissen, ob sie nach Ende der Pandemie - die Welt wird danach eine andere sein - in ihrem Beruf wieder Arbeit finden, wird kein Wort verloren, aber diese sind die wirklichen Verlierer in Zeiten von Corona! In Notzeiten oder Zeiten der Katastrophe müssen alle Opfer bringen, seien es mehr Belastungen am Arbeitsplatz oder der Verlust an Arbeit und damit an Geld. Manche mögen mich einen "Schnacker" oder "Kloogschieter" nennen, aber ich habe damals als angestellter Arzt Gehaltsabstriche angeboten, weil ich als ehemalig freiberuflich tätiger Arzt um die u. U. prekär werdende Situation wusste.
Avatar #760591
53Cicero
am Mittwoch, 5. Januar 2022, 19:33

Hört das Thema denn nie auf?

Ich habe jahrelang in der Intensivmedizin und Op‘s für Verbrennungsmedizin und in der Tropenmedizin gearbeitet (wie viele von meine ehemaligen Kollegen/innen auch) Wir waren tgl. viele Stunden unter Tropen Bedingungen in Schutzkleidung eingepackt und haben sowohl operiert als auch auf der Intensivstation die Intensiv Versorgungen an den Verbrennungspatienten durchgeführt und nie haben wir nach „Prämien“ geschrien. Denn das war unser Beruf und ich (wir) haben das gerne für unsere Patienten gemacht. Also es ist jetzt mal, durch COVID-19, auf manchen Abteilungen eine nicht einfache Zeit, aber haltet den Ball doch bitte mal flach. Es gibt auch sehr viele andere Menschen in Berufen die unter schwierigen Bedingungen arbeiten und die jammern auch nicht, dort wären dann auch Prämien fällig.
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