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Medizin

Phase-1-Studie: Booster mit selbstverstärkender mRNA verbessert T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2

Donnerstag, 6. Januar 2022

/Matthieu, stock.adobe.com

Manchester – Ein neuartiger Impfstoff, der neben dem oberflächlichen Spikeprotein noch die Bildung weiterer Proteine veranlasst, hat in einer Phase-1-Studie als Booster eine deutliche T-Zell-Antwort erreicht. Dies geht aus Pressemitteilungen des Herstellers und der Universität Manchester hervor.

Bei herkömmlichen mRNA-Impfstoffen wird jede Boten-RNA nur in 1 Protein umgesetzt. Bei einer „self-amplifying“ oder samRNA ist jede Boten-RNA mit einer Polymerase kombiniert. Sie erzeugt mehrere Kopien der Boten-RNA, was die Zahl der erzeugten Proteine deutlich steigert.

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Der 2. Unterschied zu den zugelassenen Impfstoffen von Biontech und Moderna ist, dass GRT-R910 neben dem Spikegen auch Genabschnitte weiterer Virusbestandteile enthält. Diese sind teilweise nur im Inneren des Virus vorhanden und können deshalb von Antikörpern nicht erkannt werden. Bei der Replikation erscheinen sie als T-Zell-Epitop auf der Zellmembran. Dies verstärkt die T-Zell-Antwort auf eine Virusinfektion, die nach derzeitigem Kenntnisstand langlebiger ist, als eine B-Zell-Antwort mit der Bildung neutralisierender Antikörper.

Ein solcher erweiterter Impfstoff könnte sich deshalb als Booster nach Abschluss einer konventionellen Impfung gegen das Spikeprotein eignen. Der Hersteller Gritstone bio aus Emeryville/Kalifornien lässt den samRNA-Impfstoff GRT-R910 derzeit von der Universität Manchester an gesunden älteren Probanden (Alter 60 plus) prüfen, die zuvor 2 Dosen des vektorbasierten Impfstoffs AZD1222 von Astrazeneca erhalten hatten. Die Boosterung erfolgte frühestens 22 Wochen nach der 2. Dosis.

Die 1. Testserie mit 10 Probanden, die die niedrigste Dosierung von 10 µg GRT-R910 erhalten haben, ist inzwischen abgeschlossen. Nach Auskunft von Studienleiter Andrew Ustianowski von der Universität Manchester wurde der Booster von allen Teilnehmern gut vertragen. Nebenwirkungen vom Grad 3/4 oder unerwartete Sicherheitssignale seien nicht aufgetreten.

Neben der Antikörperantwort wurde mit einem ELISpot-Test auch eine deutliche T-Zell-Antwort beob­achtet. Der Test misst, ob die CD8-positiven Zellen, die im Körper infizierte Zellen angreifen und zerstö­ren, im Labor auf T-Zellepitope reagieren. Dies war laut dem Hersteller beim Nukleoprotein N zu 36 %, beim Membranprotein M zu 22 % und beim Protein ORF3a zu 42 % der Fall. Die Antikörperreaktion fiel nach Angabe des Herstellers ebenfalls stark aus.

Die Ergebnisse berechtigen zu der Hoffnung, dass eine Boosterung mit GRT-R910 zu einer längeren Immunität führt als nach Gabe eines konventionellen mRNA-Impfstoffs. Ob diese Erwartung berechtigt ist, kann nur in weiteren Studien belegt werden. Die Studie in Manchester soll noch im 1. Quartal abge­schlossen sein. Bis Mitte des Jahres könnten Ergebnisse aus 3 weiteren Studien vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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