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Corona: Beschränkungen in Xi'an nach Fehlgeburt vor Klinik in der Kritik

Freitag, 7. Januar 2022

/picture alliance, Xinhua News Agency, Zhang Bowen

Peking – Die drakonischen Coronabeschränkungen in der chinesischen Stadt Xi'an stehen nach mehreren mutmaßlich tödlichen Vorfällen auf dem Prüfstand: Nachdem eine Frau in der unter Lockdown stehen­den Stadt vor einem Krankenhaus eine Fehlgeburt erlitten haben soll, weil ihr wegen eines abgelau­fe­nen Coronatests die Behandlung verweigert worden war, wurden gestern nach Behördenangaben meh­rere Gesundheitsvertreter sanktioniert.

Bekannt geworden war der Fall der im achten Monat Schwangeren durch einen Onlinepost von deren Nichte Anfang Januar. Demnach soll der Frau wegen des fehlenden gültigen Tests zwei Stunden lang der Zutritt zum Gaoxin-Krankenhaus verweigert worden sein. Ein im Internet veröffentlichtes Foto zeigte sie auf einem Plastikhocker sitzend, umgeben von einer Blutlache.

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Die Nachricht wurde später aus den Onlinediensten gelöscht. Ihr Inhalt ließ sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen, das Krankenhaus ließ Anfragen der Nachrichtenagentur AFP unbeantwortet.

Die Stadtverwaltung von Xi'an kündigte gestern jedoch auf WeChat die Suspendierung des Krankenhaus­direktors sowie weiterer Verantwortlicher an und leitete eine Untersuchung ein. Bereits vorgestern hatten Beamte die Einrichtung von Schnellzugängen zu Krankenhäusern für Schwangere oder Patienten in kritischem Zustand angekündigt.

Der Leiter der Gesundheitskommission von Xi'an, Liu Shunzhi, bat für den Vorfall öffentlich um Entschul­digung. Das Krankenhaus wurde nach Angaben der Stadtverwaltung zudem angewiesen, „versteckte Ge­fahren in seinen Arbeitsabläufen zu beseitigen“.

Die Fehlgeburt war offenbar nicht der einzige tragische Fall im Zusammenhang mit den Coronabe­schrän­­kungen. Eine weitere Frau berichtete in den Onlinenetzwerken ebenfalls, dass sie ihr Kind verloren habe, nachdem sie von mehreren Krankenhäusern abgewiesen worden sei.

Eine weitere Einwohnerin von Xi'an machte gestern zudem über Onlinenetzwerke das Martyrium ihres Vaters öffentlich. Dieser war nach einem Herzinfarkt „aufgrund der Pandemievorschriften“ in keiner Klinik aufgenommen worden – bis ihm nicht mehr geholfen werden konnte.

Sie sei acht Stunden lang von einem Krankenhaus zum anderen gefahren, während ihr 61-jähriger Vater über Schmerzen in der Brust klagte, berichtete sie. Nachdem er endlich von einem Krankenhaus aufge­nommen worden war, „sagte der Arzt, dass wir zu lange gewartet hätten“. Ihr Bericht wurde 500 Millionen Mal angeklickt.

China verfolgt in der Coronapandemie eine strikte Null-COVID-Strategie mit rigiden Maßnahmen wie Grenzschließungen, der Abriegelung ganzer Millionenstädte und Massentests. In Xi'an war nach einem Coronaausbruch vor zwei Wochen ein strenger Lockdown verhängt worden. Die Beschränkungen führten bereits zu Versorgungsproblemen und Lebensmittelknappheit.

Nach offiziellen Angaben hat das Land seit Pandemiebeginn nur 100.000 Infektionsfälle und rund 4.600 Todesfälle verzeichnet. Gestern meldeten die Behörden 189 Neuinfektionen binnen 24 Stunden, davon 63 in Xi'an. © afp/aerzteblatt.de

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