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Ausland

Ärzte ohne Grenzen gibt Hilfsvorhaben an polnischer Grenze auf

Donnerstag, 6. Januar 2022

Migranten stehen in der Nähe eines Logistikzentrums an der polnisch-belarussischen Grenze an einer Essensausgabe an./picture alliance/dpa, AP, Pavel Golovkin

Berlin – Nach einer dreimonatigen Blockade durch die polnischen Behörden hat die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sich eigenen Angaben zufolge aus der Grenzregion zwischen Polen und Belarus zurückgezogen.

Wie MSF heute mitteilte, untersagte Warschau den Helfern mehrfach den Zugang zu Waldgebieten in der Grenzregion, wo zahlreiche Migranten bei Minusgraden ausharren. Das Team von MSF habe die Flücht­linge auf polnischer Seite unterstützen wollen, erklärte die Organisation.

„Wir wissen, dass immer noch Menschen die Grenze überqueren, sich in den Wäldern verstecken und Un­terstützung brauchen“, erklärte die Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen für Polen und Litauen, Frauke Ossig.

Der Organisation sei es jedoch nicht gelungen, eine Genehmigung für den Zugang zum Grenzgebiet Po­lens, Litauens oder Lettlands zu erhalten, obwohl sie sich wiederholt an die jeweiligen Behörden ge­wandt habe.

MSF verwies zudem auf zahlreiche Berichte über Gewalt gegenüber Migranten, von Diebstahl und Zerstö­rung des Eigentums und Einschüchterungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. „Obwohl Menschen von Grenzsoldaten angegriffen und geschlagen werden, lassen die Behörden weiterhin zu, dass Flüchtende zwischen den Ländern hin- und hergeschoben werden“, kritisierte die Organisation.

Aus Angst vor solchen „Pushbacks“ versuchten Frauen, Männer und Kinder, sich unentdeckt durch die Wälder zu schlagen – in vielen Fällen ohne Lebensmittel, Wasser oder warme Kleidung. Mindestens 21 Menschen kamen laut Angaben der Organisation dabei im vergangenen Jahr ums Leben.

Wegen des Andrangs von Migranten aus Belarus hat Polen seit dem Sommer zehntausende Soldaten an der Grenze im Einsatz. In den vergangenen Monaten kamen tausende Migranten – viele von ihnen aus dem Nahen Osten – über Belarus an die EU-Außengrenzen von Polen, Litauen und Lettland. Dort cam­pieren sie oft unter erbärmlichen Bedingungen.

Die EU wirft dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, Migranten gezielt an die EU-Außengrenzen zu schleusen, um Druck auszuüben und damit Vergeltung für EU-Sanktionen zu üben. Minsk weist die Vorwürfe zurück. © afp/aerzteblatt.de

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