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Politik

Expertenrat fordert Krisenvorkehrung im Gesundheitssystem

Donnerstag, 6. Januar 2022

Karl Lauterbach (SPD - l), Bundesminister für Gesundheit, nimmt zusammen mit einem Mitarbeiter an der Videokonferenz des Expertenrats der Bundesregierung zur Coronapandemie teil. /picture alliance, Michael Kappeler

Berlin – Der Expertenrat der Bundesregierung zu COVID-19 fordert Vorbereitungen des Gesundheits­systems auf die bevorstehende Welle an Infektionen mit der Omikron-Variante.

In einem zweiten Positionspapier, das der 19-köpfige Rat erneut einstimmig beschlossen hat, fordern die Expertinnen und Experten besonders Konzepte für die Normalstationen, die ambulante Versorgung sowie weiter eine starke Impf- und Boosterkampagne.

Das Papier soll in die Bund-Länder-Beratungen morgen einfließen. Gestern hatte bereits die Gesund­heitsminister- sowie die Kultusministerkonferenz Empfehlungen für Quarantäneregelungen vorgelegt.

Laut Expertenrat müssten in der aktuellen Lage in den nächsten Wochen auch Normalstationen in Kran­kenhäusern viel mehr COVID-Patienten aufnehmen. „Aktuelle Statistiken aus verschiedenen euro­päischen Staaten zeigen deutlich vermehrte Aufnahmen auf die Normalstationen, aber im Vergleich zu vorange­gangen Infektionswellen anteilig weniger Aufnahmen auf die Intensivstationen.“

Gleiches gelte auch für ambulante Versorgungsstrukturen wie Praxen, Ambulanzen und Tageskliniken sowie den öffentlichen Gesundheitsdienst. „Da auch Geimpfte wieder in das Infektionsgeschehen mit einbezogen werden, entsteht ein weiteres wesentliches Problem durch Personalausfälle aufgrund von Ansteckungen innerhalb der Belegschaften von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und ambulanten Versorgungsstrukturen“, heißt es in dem Papier, das am Nachmittag versendet wurde.

Daher müsse sich das Gesundheitssystem in den kommenden Wochen auf eine „erhebliche Belastungs­situation“ einstellen. Dazu müssten Stufenkonzepte zur „Aktivierung zusätzlicher Versorgungsberei­che“ auf Normalstationen oder in Notaufnahmen geben. Dabei müsse bedacht werden, dass infektiöse sowie nicht-infektiöse Patientinnen und Patienten gleichzeitig die Kliniken erreichen. Besonders in Kinder­kliniken könne sich die Lage anspannen, in denen „ohnehin eine eng limitierte stationäre Versor­gungs­kapazität“ bestehe.

Es müsse auch über eine „abgestufte Aussetzung planbarer Eingriffe und eine entsprechende Umvertei­lung von Personalressourcen“ gesprochen werden. Die Vorbereitungen dazu sollten in allen Bundeslän­dern getroffen werden. Mit regionalen Kooperationen soll es eine enge Zusammenarbeit geben, um Patien­ten versorgen zu können.

Um die Versorgung erhalten zu können, sei eine „ausgewogene Quarantäneregelung erforderlich, die gleichzeitig den Erfordernissen des Infektionsschutzes insbesondere für vulnerable Gruppen gerecht“ werde, schreibt der Expertenrat. Die medizinischen Einrichtungen müssten noch einmal daran appellie­ren, dass in der Belegschaft eine hohe Impf- und Boosterimpfquote erreicht werde.

Die Mitglieder des Expertenrates mahnen erneut an, dass sich mehr Menschen gerade über 60 Jahren impfen lassen müssen. In Deutschland sei im Vergleich zu Staaten wie Großbritannien oder Spanien der Anteil der Geimpften in der Altersgruppe zu gering. „Diese Faktoren könnten zu einer stärkeren intensivmedizinischen Belastung als in vergleichbaren Ländern führen."

Der Rat empfiehlt auch, dass die Infektionsdynamik im Blick gehalten werden muss. „Sollte absehbar in den kommenden Wochen die Belastung durch hohe Infektionszahlen und Personalausfälle zu hoch werden, ist kurzfristig eine weitere Intensivierung der Kontaktbeschränkungen erforderlich“, heißt es.

Insgesamt müssten die bekannten Maßnahmen des Infektionsschutzes fortgesetzt, das Angebot an Impfungen erweitert sowie eine „stringente Kommunikationsstrategie über die Gesundheitsrisiken einer Infektion“ gestartet werden. © bee/aerzteblatt.de

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