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Medizin

Subarach­noidalblutung: Cannabis erhöht Risiko auf bleibende Schäden

Mittwoch, 26. Januar 2022

/shidlovski, stock.adobe.com

Phoenix/Arizona – Die Ruptur eines Hirnarterienaneurysmas führt bei Cannabiskonsumenten offenbar häufiger zu Komplikationen. In einer Kohortenstudie in Stroke (2022; DOI: STROKEAHA.121.035650) kam es mehr als 2 Mal so häufig zu einer verzögerten zerebralen Ischämie, die auf einen durch die Droge ausgelösten Gefäßspasmus zurückgehen könnte.

Die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf Herz und Kreislauf sind – nicht zuletzt aufgrund der lang­jäh­rigen Verbote – kaum erforscht. Fest steht, das die THC-Droge vor allem über die CB1-Rezeptoren das sympathische Nervensystem aktiviert. Zu den diskutierten Folgen gehört ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Im Fokus steht die Ruptur eines Hirnarterienaneurysmas, der häufigsten Ursache von Subarachnoidal­blutungen.

Ein oder mehrere Hirnarterienaneurysmata werden bei etwa 3 % der Bevölkerung gefunden. Bei den meisten Menschen bleiben sie lebenslang unauffällig. Bei einer Ruptur kommt es allerdings zu einem schweren Schlaganfall, der oft verheerende Folgen hat: 66 % der Patienten erleiden schwere neurolo­gische Behinderungen, an denen etwa 40 % früher oder später sterben. Die Behandlung besteht heute etwa zur Hälfte aus einer Operation und zur anderen Hälfte aus einer Katheterbehandlung, die beide das Ziel haben, die Blutung so schnell wie möglich zu stoppen.

Am Barrow Neurological Institute in Phoenix/Arizona wurden innerhalb von 12 Jahren insgesamt 1.014 Patienten behandelt. Bei 46 Patienten fiel der Test auf THC positiv aus. Die Betroffenen hatten demnach in den Tagen vor dem Schlaganfall Cannabis konsumiert. Die Patienten waren mit im Durchschnitt 47 Jahren deutlich jünger als die Patienten ohne Drogenkonsum. Trotzdem kam es bei ihnen häufiger zu Komplikationen.

Bei 24 Patienten (52,2 %) kam es zu einer verzögerten zerebralen Ischämie, definiert als ein mit CT oder MRT festgestellter oder durch Autopsie nachgewiesener Hirninfarkt. Diese Komplikation, die mit schwe­ren Behinderungen und einem erhöhten Sterberisiko verbunden ist, trat nur bei 35,4 % der Patienten mit einem negativen THC-Test auf, obwohl sie mit durchschnittlich 56 Jahren deutlich älter waren.

Das Team um Michael Lawton ermittelt eine Odds Ratio von 2,7 für eine verzögerte zerebrale Ischämie, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,4 bis 5,2 signifikant war. In einer Propensity Scoreanalyse, die nur Patienten mit gleichen Eigenschaften vergleicht, betrug die Odds Ratio sogar 8,8 (allerdings mit einem sehr weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,2 bis 66,7, der keine genaue Abschätzung des Risikos ermöglicht).

Auffällig war, dass bei 20 von 40 Patienten (50,0 %) mit THC-Nachweis in der Bildgebung ein Vasospas­mus beobachtet wurde. Bei den Patienten ohne Cannabiskonsum war dies nur bei 39,0 % der Fall. Ein Vasospasmus kann die Blutversorgung im Gehirn beeinträchtigen, was die verzögerte zerebrale Ischämie plausibel erklären würde. Die Pathophysiologie der Cannabis-bedingten zerebralen Ischämie ist laut Lawton jedoch noch nicht abschließend geklärt. Eine Beeinträchtigung der mitochondrialen Atmungs­kette und der dadurch vermehrte Anfall von Sauerstoffradikalen könnten das erhöhte Risiko ebenfalls erklären, meint der Hirnforscher.

© rme/aerzteblatt.de

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