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Politik

Personalmangel bei Pflegekräften verschärft sich, finanzielle Absicherung fehlt

Montag, 10. Januar 2022

/sudok1, stock.adobe.com

Berlin – Der Personalmangel bei den Pflegefachkräften in den Krankenhäusern hat sich im vergangenen Jahr weiter zugespitzt. Auf den Normalstationen seien sechs Prozent der Stellen und auf den Intensivsta­tionen zwölf Prozent der Stellen unbesetzt geblieben.

Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). „Das ist gerade in Zeiten andauernd hoher Belastung eine sehr schwierige Situation“, erklärte Gaß.

Es gebe praktisch keine Reserven, um Personalausfälle zu kompensieren. Deshalb habe während der Pan­demie ein Teil der Intensivkapazitäten zeitweise oder dauerhaft auch abgemeldet werden müssen.

Im vergangenen Jahr konnten demnach 8.000 Arbeitsplätze auf den Intensivstationen und damit jede achte Fachstelle nicht besetzt werden. Bis eine neue Intensivfachkraft eine offene Stelle besetzt habe, seien im Durchschnitt 21 Wochen vergangen. Vor fünf Jahren hätten die Kliniken lediglich 3.100 zusätz­liche Stellen ausgeschrieben.

Auf den Normalstationen seien 2021 bundesweit rund 14.000 Stellen für examinierte Pflegefachkräfte in den Kliniken unbesetzt geblieben. Vor fünf Jahren waren es Gaß zufolge nur 3.900 unbesetzte Stellen. Bis eine Fachkraft eingestellt wurde, habe es 2021 durchschnittlich 17 Wochen gedauert.

Der Personalmangel habe sich aus verschiedenen Gründen verschärft: Die geburtenstarken Jahrgänge gingen in den Ruhe- oder Vorruhestand, erklärte Gaß. Außerdem blieben viele Mitarbeiter länger in der Elternzeit und anschließend länger in Teilzeit.

Während es auf dem Land vor allem an Ärztinnen und Ärzten mangele, zögen Pflegefachkräfte wegen hoher Mieten eher aus den Städten aufs Land. Die Pflegekräfte kündigten ihre Jobs auch wegen Arbeits­überlastung, was wiederum zu einer höheren Belastung für die anderen Mitarbeiter führe.

Kritik übte Gaß auch am Rettungsschirm für die Krankenhäuser. Dieser sei „unvollständig und löchrig“. 500 bis 600 Krankenhäuser seien weiterhin gar nicht einbezogen und erhielten keinen Ausgleich, obwohl sie durch die Coronapandemie massiv beeinflusst seien, sagte Gaß Rheinischen Post.

Er rief den Gesetzgeber auf, umgehend nachzubessern, damit die Kliniken sich komplett auf die Versor­gung konzentrieren könnten und finanziell nicht gefährdet würden. Angesichts drohender Personalaus­fälle forderte der DKG-Chef die Länder dazu auf, möglicherweise Hilfspersonal aus Rehakliniken zu ge­winnen.

Zugleich warnte er wegen der rasanten Omikron-Ausbreitung vor weiteren Belastungen in den Kranken­häusern. Omikron werde vor allen Dingen auch die Normalstation deutlich belasten, sagte er. „Wir sehen jetzt ja schon sehr deutlich, dass die Hospitalisierung beispielsweise in Bremen steigt“.

Auch der Ärzteverband Marburger Bund warnte wegen der schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante vor einer Überlastung der Normalstationen in Krankenhäusern. „Es wäre ein Fehler, bei der Omikron-Welle nur auf die Auslastung der Intensivstationen zu schauen“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Großteil der Fälle müsse „auf den Normalstationen behandelt werden“. © afp/kna/aerzteblatt.de

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