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Medizin

Studie: COVID-19 könnte Diabetes bei Kindern begünstigen

Montag, 10. Januar 2022

/Africa Studio, stock.adobe.com

Atlanta/Georgia – Bei Kindern und Jugendlichen kommt es im Anschluss an eine COVID-19-Diagnose offenbar zu einer Zunahme von Diabetesneuerkrankungen. Dies zeigt eine Auswertung von Versicherten­daten aus den USA im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR, 2022; DOI: 10.15585/mmwr.mm7102e2).

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sorgen sich zudem über einen Anstieg von COVID-19-Erkrankungen bei Kindern während der aktuellen Omikron-Welle.

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Da die Impfquote bei Kindern niedrig ist und im Alter unter 5 Jahren überhaupt nicht geimpft wird, muss aktuell mit einer erhöhten Zahl von pädiatrischen Infektionen gerechnet werden. Das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, ist im jungen Alter zwar gering. In den USA ist jedoch die Zahl der Hospitalisierungen in den letzten Wochen deutlich angestiegen.

Nach den Angaben der CDC vom vergangenen Freitag hat sich die Zahl der Kinder, die wegen COVID-19 in Krankenhäusern behandelt wurden, im letzten Monat verdoppelt. Die Hospitalisierungsrate bei den unter 5-Jährigen ist mit 4 auf 100.000 Kindern deutlich höher als bei den 5- bis 11-Jährigen, wo die Inzidenz mit 0,6 auf 100.000 konstant geblieben ist – obwohl die Impfquote mit 16 % noch sehr niedrig ist. Von den 12- bis 17-Jährigen ist nach Angabe der CDC-Leiterin Rochelle Walensky jeder zweite geimpft.

Ein weiterer beunruhigender Trend ist eine Zunahme von Diabeteserkrankungen im Zusammenhang mit COVID-19, wobei die Diagnose oft erst nach Auftreten einer Ketoazidose gestellt wird. Dieser Trend war bereits 2020 im deutschen DPV-Register (Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation) aufgefallen.

Das Team um Privatdozent Clemens Kamrath vom Universitätsklinikum Gießen hatte ihn damals noch mit dem Lockdown und der allgemeinen Verunsicherung in Verbindung gebracht, der Eltern den beim Typ- 1-Diabetes unvermeidlichen Arztkontakt hinauszögern lassen könnte.

Die CDC halten jetzt jedoch einen echten Anstieg für möglich. Das Team um Sharon Saydah hat die Abrechnungen von 2 Datenquellen ausgewertet. Das Unternehmen IQVIA, das Zugriff auf die Kranken­akten von 1,7 Mio. Kindern und Jugendlichen hat, verzeichnet nach einer COVID-19-Erkrankung einen Anstieg der Diabetesinzidenz von 188 auf 316 pro 100.000 Personenjahre.

Saydah ermittelt eine Hazard Ratio von 2,66, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,98 bis 3,56 signifikant war. Unter den Versicherten von HealthVerity kam es zu einem mäßigen Anstieg von 188 auf 211 pro 100.000 Personenjahre. Aber auch hier war die Hazard Ratio von 1,31 (1,20-1,44) signifikant.

Auffallend ist wie im DPV-Register ein hoher Anteil von Kindern, deren Diabetes erst im Stadium der Ketoazidose diagnostiziert wurde. Er betrug bei IQVIA 48,5 % und bei HealthVerity 40,2 %. Von den Kindern ohne COVID-19 in der Vorgeschichte wurden nur 13,6 % und 29,7 % im Stadium der Ketoazidose hospitalisiert. Noch ist nicht belegt, dass der Diabetes (der in dem Alter und angesichts der Ketoazidose ein Typ-1-Diabetes sein dürfte) auf COVID-19 zurückzuführen ist.

Wie immer in retrospektiven Studie können die CDC-Mitarbeiter eine Kausalität nicht belegen. Zu den Einschränkungen gehört, dass der verwendete ICD-10-CM-Code nicht zwischen einem Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes unterscheiden kann.

In den USA ist es aufgrund der verbreiteten Adipositas zu einer Zunahme von Erkrankungen am Typ-2-Diabetes gekommen, der auch eine Risikofaktor für einen symptomatische Infektion mit SARS-CoV-2 ist. Die Ergebnisse von Labortests und Risikofaktoren tauchen in den Abrechnungsdaten, auf denen die Analyse beruht, nicht auf.

Ähnliche Assoziationen sind in den letzten Monaten jedoch auch für Erwachsene beschrieben worden. So beobachteten Ziyad Al-Aly von der Veteranenbehörde in Saint Louis/Missouri und Mitarbeiter, dass es bei den Versicherten nach der Erholung von COVID-19 häufiger zu Störungen des Stoffwechsels inklusive eines Anstiegs von Diabeteserkrankungen (bei den Veteranen wohl Typ-2-Diabetes) gekommen ist (Nature, 2021; DOI: 10.1038/s41586-021-03553-9).

Auch hier ist unklar, ob dies Folge der Infektion oder einer ungesünderen Lebensweise während der Pandemie war, weil auch eine Adipositas häufiger aufgetreten ist. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 10. Januar 2022, 22:40

Peinlich spekulative Studien

Dass es bei Kindern und Jugendlichen im Anschluss an eine COVID-19-Diagnose offenbar zu einer Zunahme von Diabetesneuerkrankungen kommt, kann nur als peinlich spekulativ und nicht ausreichend validiert bezeichnet werden.

Dies zeige z. B. eine Auswertung von Versicherten­daten aus den USA im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR, 2022; DOI: 10.15585/mmwr.mm7102e2).

Aber Kinder und Jugendliche werden während und nach Sars-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen besonders intensiv und engmaschig medizinisch untersucht und betreut, was einen schwerwiegenden Studien-Bias gegenüber der Kontrollgruppe ohne Sars-CoV-2/COVID-19 darstellt, bei denen Typ-1/Typ-2-Diabetes mellitus nicht systematisch detektiert werden.

Aber es gilt derzeit leider nur noch "publish or perisch"/"veröffentliche oder verrecke" ohne prinzipiellen Peer-Review Verfahren.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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