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Medizin

Studie: Wie Triclosan aus der Zahnpasta den Darm schädigen könnte

Donnerstag, 27. Januar 2022

/Rasulov, stock.adobe.com

Chapel Hill/North Carolina – Das Antiseptikum Triclosan, das in den USA wegen der befürchteten Förde­rung von Antibiotikaresistenzen in Seifen verboten wurde, steht auch im Verdacht, an der Patho­genese von entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt zu sein. Eine Studie in Nature Communications (2022; DOI: 10.1038/s41467-021-27762-y) zeigt, dass die Darmflora eine Rolle spielen könnte.

Das 1964 von Ciba-Geigy patentierte Triclosan (TCS), das heute von BASF hergestellt wird, gehört zu den am häufigsten verwendeten antiseptischen Substanzen. Es ist in mehr als 2.000 Verbraucher- und Indus­trieprodukten vorhanden, darunter Seifen, Zahnpasta, Mundwasser, Händedesinfektionsmitteln, Kosme­tika und Spielzeug. In den USA ist TCS bei 75 % aller Menschen im Urin nachweisbar. TCS gehört zu den 10 häufigsten in Flüssen nachgewiesenen Schadstoffen.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat 2016 die Verwendung von TCS in Seifen und Flüssigseifen unter­sagt, nicht aber in Zahnpasta und Kosmetika. Der Grund für das Verbot war die Sorge, dass die Verwen­dung von antiseptischen Seifen die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen fördert. Belegt ist dies nicht. Das Verbot der FDA gründet sich allein auf den nicht nachgewiesenen Nutzen von antiseptischen Seifen als Mittel gegen Infektionen im Haushalt.

Die Bedenken gegen TCS gehen jedoch weiter. Einige Forscher vermuten, dass es an der deutlichen Zu­nahme von entzündlichen Darmerkrankungen beteiligt ist, deren Häufigkeit deutlich zugenommen hat. Im Jahr 2015 wurde in den USA bei 1,3 % der Erwachsenen, das sind etwa 3 Millionen, eine entzünd­liche Darmerkrankung diagnostiziert, was einem Anstieg von 50 % gegenüber 1999 entspricht.

Ein Team um Guodong Zhang hatte in einer früheren Studie in Science Translational Medicine (2018; DOI: 10.1126/scitranslmed.aan4116) zeigen können, dass TCS bereits in niedrigen Konzentrationen in einem Mäusemodell der Erkrankung die Entwicklung einer Colitis fördert, beziehungsweise eine beste­hende Erkrankung verschlimmert. Selbst die Entwicklung von Tumoren wurde angeregt. Darmkrebs ist eine bekannte Folge einer Colitis ulcerosa beim Menschen.

Gegen diese Experimente ließ sich einwenden, dass TCS im Körper rasch in TCS-Glucuronid verwandelt wird, das als unbedenklich eingestuft wird.

In der aktuellen Studie kann das Team um Zhang zeigen, dass TCS im Urin tatsächlich als Glucuronid vorliegt. In den Stuhlproben fanden die Forscher dagegen zu über 99 % reines TCS. Beim Menschen war dies ebenfalls so. Den Grund fanden die Forscher in der Darmflora. Viele Bakterien sind in der Lage TCS-Glucuronid mit einer Beta-Glucuronidase wieder in reines TCS zurück zu verwandeln.

Dies erklärt auch, warum in früheren Experimenten bei keimfrei aufgewachsenen Tieren durch TCS keine Darmentzündungen ausgelöst werden konnten. Diese hatten keine Darmbakterien und damit auch keine Beta-Glucuronidase. Vor einer Colitis geschützt waren auch Tiere, die die Forscher mit Inhibitoren der Beta-Glucuronidase behandelten.

Die Studie könnte eine Erklärung für die Zunahme von entzündlichen Darmerkrankungen liefern, deren Häufigkeit parallel zur Produktion von TCS zugenommen hat. Bislang fehlen aber noch epidemiolo­gische Studien, die die Erkrankungen mit der zunehmenden Verwendung von Antiseptika in Verbindung bringen. Neben TCS stehen noch andere Substanzen, etwa die zahlreichen Emulgatoren in hochverar­beiteten Nahrungsmitteln im Verdacht, entzündliche Darmerkrankungen zu begünstigen. © rme/aerzteblatt.de

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