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Vermischtes

Übergewicht in jungen Jahren Risikofaktor für frühe Darmkrebs­erkrankungen

Dienstag, 11. Januar 2022

/Africa Studio, stock.adobe.com

Heidelberg – Übergewicht in jungem Alter erhöht das Risiko für frühe Darmkrebserkrankungen. Das be­richtet ein Wissenschaftlerteam um Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg in der Fachzeitschrift Gastroenterology (DOI: 10.1053/j.gastro.2021.12.239). In vielen Län­dern nimmt laut der Arbeitsgruppe die Zahl der Darmkrebserkrankungen bei jüngeren Er­wachsenen zu.

„Da Übergewicht und Adipositas gerade in der jüngeren Generation an Häufigkeit zu­neh­men, liegt die Vermutung nahe, dass diese Entwicklung eine der Hauptursachen für das häufigere Auftre­ten von Darm­krebs bereits im jüngeren Lebensalter sein könnte“, berichten die Wissenschaftler von ihrer Arbeitshypo­these.

Sie werteten für ihre Studie Daten aus der laufenden Fall-Kontrollstudie „Darmkrebs: Chancen der Ver­hütung durch Screening“ (DACHS) aus. Sie läuft seit dem Jahr 2003 am DKFZ. An dieser Studie nahmen zwischen 2003 und 2020 insgesamt 6.602 Patienten mit Darmkrebs sowie 7.950 Menschen ohne Darm­krebs teil.

In der Gruppe der Betroffenen waren 747 und in der Kontrollgruppe 621 Personen jünger als 55 Jahre. Die Wissenschaftler befragten die Teilnehmer zu ihrem Gewicht im Alter von 20 und 30 Jahren sowie etwa zehn Jahre vor der Krebsdiagnose beziehungsweise in der Kontrollgruppe vor der Studienerhebung.

Aus den Daten ermittelten sie das Risiko einer frühzeitigen Erkrankung an Darmkrebs bei Übergewich­tigen (Body Mass Index, BMI, 25 bis <30 kg/m2) und Fettleibigen (BMI ≥30 kg/m2) im Vergleich zu Nor­mal­­gewichtigen (BMI <25 kg/m2).

Es zeigte sich, dass das Risiko einer frühen Darmkrebserkrankung bei fettleibigen Menschen etwa dop­pelt so hoch war wie bei den Normalgewichtigen. Lag bereits im Alter von 20 Jahren eine Adipositas vor, betrug ihr Risiko sogar das 2,6-fache. Auch Übergewichtige mit einem BMI von 25 bis 30 kg/m2 hatten ein erhöhtes Risiko, früh an Darmkrebs zu erkranken.

„Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Maßnahmen zur Prävention von Übergewicht und Adipo­sitas gerade in jüngeren Generationen für die Darmkrebsprävention ebenso wichtig sind wie zur Vor­beugung anderer Volkskrankheiten“, so Brenners Fazit. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 12. Januar 2022, 22:32

"Übergewicht in jungen Jahren Risikofaktor..."

Nimmt man dazu den weltweit in hoch industrialisierten Ländern ansteigenden durchschnittlichen BMI, steigt die Zell- und Substanzmenge der betroffenen Patienten weiter an.

BMI- und KOF- Berechnungen können individuell z. B. nach der Mosteller-Formel über die Uniklinik Jena berechnet werden:
http://www.idir.uniklinikum-jena.de/bmi_kof.html

Extreme Adipositas und Größenwachstum lassen gegenüber kleineren, noch normgewichtigen Menschen die Körperoberfläche fast v e r d o p p e l n. Damit steigt das Risiko nicht nur bei Tumorerkrankungen der Haut überproportional an.

Die von Bhaskaran, K. et al. publizierte Studie: "Body-mass index and risk of 22 specific cancers: a population-based cohort study of 5,24 million UK adults."
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(14)60892-8/fulltext#
stellt den Zusammenhang von Krebserkrankungen mit dem BMI als populationsbasierte Fall-Kontroll-Kohortenstudie in den Fokus.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (wird fortgesetzt)

Vgl. http://www.springermedizin.de/groessenwachstum-bmi-kof-und-krebsrisiko/4623298.html
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 12. Januar 2022, 22:24

"Übergewicht in jungen Jahren Risikofaktor..." (Fortsetzung)

Prospektive-/Follow-up-Studien legen den Zusammenhang zwischen Krebsrisiko, Körperoberfläche (KOF) und Größenwachstum nahe.

Mit der „Womens Health Initiative“ (WHI) gingen G. C. Kabat et al. 2013 der Frage nach, inwieweit die Körpergröße bei postmenopausalen Frauen unterschiedliche Tumorrisiken und -lokalisationen beeinflusst [„Adult Stature and Risk of Cancer at Different Anatomic Sites in a Cohort of Postmenopausal Women“]  http://cebp.aacrjournals.org/content/early/2013/07/25/1055-9965.EPI-13-0305.abstract

Bei 144.701 Frauen, die im Rahmen der Women's Health Initiative im Mittel 12 Jahre lang beobachtet wurden, fanden sich an 19 verschiedenen Lokalisationen insgesamt 20.928 Krebserkrankungsfälle. Die Hazard Ratio reichte signifikant von einem 13 Prozent höheren Risiko für Brustkrebs bis zu einem 29 Prozent höheren Risiko bei multiplem Myelom und Schilddrüsenkrebs in Abhängigkeit von der Körpergröße. Der „Body Mass Index“ (BMI) konnte bei dieser Analyse n i c h t berücksichtigt werden.

In den letzten 60 Jahren sind in hochindustrialisierten Ländern allein durch die Verbesserung der Ernährung und früher eintretende hormonelle Reifungsprozesse bei Frauen (und auch Männern) ansteigende Körpergrößen zu beobachten. Auch der Body-Mass-Index (BMI) und damit die Körperoberfläche (KOF) nehmen ebenso individuell wie kollektiv zu. So wie in großen Populationen von Menschen mehr Krankheitsprävalenzen und höherer medizinischer Versorgungsbedarf bestehen als in kleineren Populationen, bestehen große Patientinnen und Patienten individuell aus mehr Körperzellen, die potenziell entarten und einen Tumor induzieren können, als Kleinere.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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