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Bundesrepublik: Erstmals mehr als eine Million Sterbefälle

Dienstag, 11. Januar 2022

/encierro, stock.adobe.com

Wiesbaden – Erstmals seit dem Bestehen der Bundesrepublik hat es mehr als eine Million Sterbe­fälle innerhalb eines Jahres gegeben. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 1,02 Millionen Ster­be­fälle gemeldet, wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden unter Berufung auf erste vorläu­fige Ergebnisse mitteilte. Grund dafür dürften die Alterung der Bevölkerung und die Folgen der Corona­pandemie sein.

Mehr als eine Million Sterbefälle binnen einem Jahr hatte es auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepu­blik in der Nachkriegszeit nur 1946 gegeben – damals wurden rund 1.001.600 Sterbefälle registriert. Während damals schwierige Lebensverhältnisse die hohen Sterbefallzahlen erklärten, sind laut Statistik­amt heute hauptsächlich die größere Bevölkerung und der höhere Anteil älterer Menschen die Ursache.

Konkret starben im vergangenen Jahr 1.016.899 Menschen. Im Vergleich zum ersten Coronajahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen damit um drei Prozent beziehungsweise 31.327. Die Alterung der Bevölke­rung erklärt diesen weiteren Anstieg demnach nur zum Teil, denn die insgesamt steigende Lebenserwar­tung schwächt den Alterungseffekt ab.

Vor der Pandemie stiegen die Sterbefallzahlen daher jährlich um durchschnittlich ein bis zwei Prozent. Dies änderte sich mit der Coronakrise: Bereits im Jahr 2020 stiegen die Sterbefallzahlen im Vergleich zum Jahr 2019 vor der Pandemie um fünf Prozent und 2021 im Vergleich zu 2019 sogar um acht Prozent.

Im Jahresverlauf 2021 lagen die Sterbefallzahlen nur im Februar und März unter dem mittleren Wert der vier Vorjahre. Im Januar 2021 – noch während der zweiten Coronawelle – lagen die Sterbefallzahlen um 25 Prozent über dem Vergleichswert der Vorjahre. In diesem Monat deckten sich die zusätzlichen Sterbe­fälle nahezu komplett mit den beim Robert-Koch-Institut gemeldeten COVID-19-Todesfällen.

Durch die nahezu ausgefallene Grippewelle und trotz der neu aufgetretenen Coronatodesfälle lagen die Sterbefallzahlen im Februar um zwei Prozent und im März um sechs Prozent unter dem Vergleichswert der Vorjahre. Während der dritten Coronawelle im April mit einen Plus von vier Prozent und Mai mit einem Plus von sieben Prozent lagen sie wieder darüber. Im Juni fielen die um acht Prozent erhöhten Sterbefallzahlen mit einer Hitzewelle zusammen.

Im Juli lagen die Sterbefallzahlen mit einem Plus von zwei Prozent noch etwas über dem mittleren Wert der Vorjahre, der August unterschied sich kaum.

Mit Beginn des Herbsts kletterten die Sterbefälle im September mit einem Plus von zehn Prozent und Oktober mit einem Plus von elf Prozent dann wieder deutlich über den Vergleichswert der Vorjahre. Die Sterbefallzahlen für November und Dezember übertrafen während der vierten Coronawelle den Ver­gleichs­wert noch stärker. So starben im November 21 Prozent und im Dezember 22 Prozent mehr Men­schen als im Mittel der vier Vorjahre.

Die erhöhten Sterbefallzahlen im Herbst sind laut Statistikamt nur zum Teil mit den COVID-19-Todes­fällen erklärbar. So könnte auch die „Dunkelziffer“ an unerkannten Coronatodesfällen oder die zeitliche Verschiebung von Sterbefällen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippe­­welle eine Rolle spielen. Möglicherweise zeigen sich den Experten zufolge auch „die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen“.

Die Beiträge einzelner Effekte ließen sich derzeit allerdings nicht beziffern. Die hohe Auslastung der Kliniken durch Corona führte bekanntermaßen schon früh im Pandemieverlauf dazu, dass planbare Behandlungen und Operationen verschoben wurden. Zudem mieden viele Menschen aus Angst vor Ansteckung den Gang zum Arzt. © afp/aerzteblatt.de

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