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Medizin

Ketamin hilft Alkoholikern bei der Abstinenz

Mittwoch, 26. Januar 2022

/Zerbor, stock.adobe.com

Exeter/England – Das Anästhetikum Ketamin kann in niedrigen Dosierungen auch zur Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt werden. Nachdem das Enantiomer Esketamin als Nasenspray bereits zur Behandlung therapieresistenter Depressionen zugelassen ist, zeigt eine kürzlich im American Journal of Psychiatry (2021; DOI: 10.1176/appi.ajp.2021.21030277) publizierte Studie, dass Infusionen von Ketamin eine Psychotherapie unterstützen können.

Die Wirkungen von subanästhetischen Ketamindosierungen sind erst ansatzweise erforscht. Der Anta­gonist am NMDA-Rezeptor (N-Methyl-D-Aspartat) scheint nicht nur hemmende Wirkungen auf Neurone zu haben. Präklinische Studien zeigen, dass Ketamin im Gehirn auch die Entwicklung neuer Synapsen fördert. Die damit verbundene „Neuverdrahtung“ im Gehirn könnte dazu genutzt werden, die fixierten Denkmuster von Patienten mit Depressionen oder einer Alkoholkrankheit zu lösen und sie empfänglicher für eine Psychotherapie zu machen.

Eine frühere Studie konnte zeigen, dass sich mithilfe von Ketamin bei Alkoholkranken das erlernte Verhalten („maladap­ti­ve reward memories“) abschwächen lässt, das bei Schlüsselreizen einen unwider­stehlichen Konsumwunsch auslöst und ein wichtiger Grund für die häufigen Rückfälle ist.

Ein Team um Celia Morgan von der Universität Exeter in England hat in einer randomisierten Studie („Ketamine for reduction of Alcohol Relapse“, KARE) untersucht, ob Ketamininfusionen die Wirksamkeit einer Psychotherapie bei Alkoholabhängigen unterstützen können. An der Studie nahmen 96 Personen mit Alkoholproblemen teil. Vor der Studie hatten sie pro Woche bis zu 125 „Units“ Alkohol getrunken, was etwa 50 Liter Bier oder 13 Flaschen Wein entspricht.

Eine Bedingung für die Teilnahme war, dass sie zum 1. Termin nüchtern erschienen. Die Patienten wurden auf 4 Gruppen randomisiert. Die ersten beiden Gruppen erhielten eine achtsamkeitsbasierte Psycho­thera­pie, die durch 3 Infusionen verstärkt werden sollte. Die Teilnehmer wussten jedoch nicht, dass die Infusionen nur bei jedem 2. Patienten Ketamin enthielten, bei den anderen aber nur Kochsalz.

In den anderen beiden Gruppen erhielten die Teilnehmer nur eine Psychoedukation, die bei der Alko­holkrankheit in der Regel nur eine schwache Wirkung erzielt. Die Schulung wurde ebenfalls mit 3 Infu­sionen kombiniert, die Ketamin oder nur Kochsalz enthielten.

Primärer Endpunkt war einmal die Zahl der Abstinenztage, die mit dem „Alcohol Timeline Follow-back“-Fragebogen ermittelt wurde. Ein Verzicht auf Alkohol gelang den Teilnehmern, die die Psychotherapie mit Ketamininfusionen kombiniert hatten, im Durchschnitt an 162 der ersten 180 Tage, was einer Absti­nenz von 87 % entspricht. Der Unterschied zur alleinigen Psychotherapie betrug 10,1 % und war mit einem allerdings sehr weiten 95-%-Konfidenzintervall von 1,1 % bis 19,0 % signifikant.

Der Unterschied zur Gruppe, die nur die Schulung erhalten hatte, betrug 15,9 % (3,8-28,1 %). Die Patien­ten, die Ketamin zur Psychotherapie erhielten, blieben laut Morgan mehr als 2,5-mal so häufig komplett abstinent als diejenigen, die Placebo erhielten.

Im zweiten Endpunkt, den Tagen mit einem exzessiven Alkoholkonsum, war kein signifikanter Rückgang durch die Ketaminbehandlungen nachweisbar. Morgan führt dies auf die begrenzte Teilnehmerzahl der Studie von nur 23 bis 25 Patienten pro Gruppe zurück.

Sie bewertet die Ergebnisse auch deshalb als Erfolg, weil die Ketamininfusionen erwartungsgemäß die Depressionen linderten, unter der viele Patienten mit Alkoholabhängigkeit leiden. Auch die Leberfunk­tionswerte verbesserten sich, was ebenfalls ein erstrebenswertes Ziel in der Behandlung der Alkohol­krankheit ist. © rme/aerzteblatt.de

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