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Politik

Lucha appelliert an Pflegeheime wegen geringer Boosterquote

Donnerstag, 13. Januar 2022

/picture alliance, Robin Utrecht

Stuttgart – In den baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen haben bislang deutlich weniger Menschen eine Auffrischungsimpfung gegen SARS-CoV-2 erhalten als gehofft. Nach einer Auswertung des Landesgesund­heitsamtes (LGA) für das Sozialministerium hatte zum Jahresende jeder dritte Heimbe­wohner noch keine Boosterimpfung.

Da die Quote der zum dritten Mal Geimpften nur bei 68 Prozent lag, hat Sozial- und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) an die Einrichtungen appelliert, die Impfangebote besser zu nutzen. „Jede und je­der noch Zögerliche und Unentschlossene, den wir für eine Impfung gewinnen können, ist in meinen Au­gen die Anstrengung wert“, sagte er. In Rheinland-Pfalz lag die Boosterquote in den Heimen nach Anga­ben des Südwestrundfunk (SWR) bei 85 Prozent.

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Zuletzt hatte ein Fall in einem Rastatter Seniorenheim mit 13 Toten für Aufsehen gesorgt. Keiner von ihnen hatte nach Angaben des Landratsamtes eine Boosterimpfung. Manche seien keinmal, andere ein- oder zweimal geimpft gewesen. Lucha wird nach Angaben des Landtags am 17. Januar im Sozialaus­schuss Rede und Antwort stehen.

Nach Angaben des Ministers ist die Zahl der Berichte über Todesfälle in baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen gestiegen. Die meisten davon seien nicht oder nicht vollständig gegen COVID-19 ge­impft, argumentierte Lucha in einem Schreiben an die Einrichtungen weiter.

Bei den Beschäftigten lag die Quote der Geboosterten laut LGA noch deutlich unter dem Wert der Be­woh­ner: Nur etwas mehr als jeder dritte Mitarbeitende (37 Prozent) hat bisher eine Auffrisch­impfung erhalten. Zuerst hatte der SWR über den Appell des Ministers berichtet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums und des LGA von gestern wurden seit Mitte Dezember 2021 in Baden-Württemberg 39 Coronaausbrüche mit insgesamt 411 Fällen aus Einrichtungen der stationären Altenpflege an das Landesgesundheitsamt übermittelt. 21 Bewohner seien am oder im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

Zu den Gründen für die Quote kann auch das Ministerium nur spekulieren. „Denkbar sind zum Beispiel akute Erkrankungen verbunden mit längeren Krankenhausaufenthalten oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes sowie persönlichen Ablehnungen“, teilte das Ministerium mit. Wichtig sei vor allem, dass dennoch alle Impfwilligen in den Einrichtungen ein Impfangebot bekämen. „Der dafür notwendige Impfstoff steht in ausreichender Zahl zur Verfügung“, betonte Lucha.

Die Evangelische Heimstiftung sieht zumindest keine Verweigerungshaltung in den Heimen: „Es gibt bei uns kaum einen, der sagt, er wolle nicht“, sagte die Sprecherin des größten diakonischen Pflegeunterneh­mens in Baden-Württemberg, Alexandra Heizereder. Es liege sehr oft daran, dass die Bewohner wegen später zweiter Impfungen oder aus anderen Vorgaben nicht geboostert werden könnten. Nach ihrer Ein­schätzung steigen die Quoten bei Bewohnern und Beschäftigten weiter.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch forderte dagegen mit Blick auf die Zahlen, „alle verfügbaren mobilen Impfteams in die Pflegeheime zu schicken und unsere Verletzlichsten jetzt sofort vor der Omikron-Welle schützen“. Es sei nicht nachvollziehbar, dass aktuell jeder dritte in Pflegeheimen Lebende nicht mit einer Boosterimpfung geschützt sei.

Das LGA hatte für die Umfrage Daten aus 1.495 Einrichtungen in die Auswertung zur Impfquote bei Be­schäftigen und 1.532 in die Auswertung zur Quote bei Betreuten aufgenommen. Demnach hatten von den 82.648 betreuten Menschen 75.375 (91,2 Prozent) den vollständigen Grundschutz, der in der Regel mit der zweiten Impfung erreicht wird, aber etwa gegen die Omikron-Variante nicht ausreicht; bei den Beschäftigten waren es 72.115 oder 81,6 Prozent.

Allerdings lagen diese Werte - auch bei der Boosterimpfung – über den Quoten in der gesamten Bevölke­rung, teilte das Amt mit. Etwas mehr als 11.000 oder 12,5 Prozent der Mitarbeitenden sind nicht geimpft. © dpa/aerzteblatt.de

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