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Politik

Lauterbach setzt auf Verlangsamen der Omikron-Welle

Freitag, 14. Januar 2022

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Michael Sohn

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet eine weiter steigende Omikron-Welle – sieht aber vorerst keinen Grund für neue schärfere Alltagsauflagen im Kampf gegen das Corona­virus.

„Ich glaube, dass wir jetzt in ein schwieriges Fahrwasser kommen“, sagte der SPD-Politiker heute in Berlin. Kliniken und Labore würden an ihre Belastungsgrenzen kommen. Aktuell reiche das Paket mit Gegenmaßnahmen aber aus, müssten aber in allen Bereichen und Bundesländern noch konsequenter umgesetzt und auch kontrolliert werden. Die Strategie sei, die Infektionswelle zu verlangsamen und zu strecken und in dieser Zeit so viele Menschen wie möglich mit Auffrischimpfungen zu boostern. Der Bun­desrat billigte den Rechtsrahmen für neue Quarantäneregeln.

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Lauterbach sagte, er rechne mit noch stärker steigenden Zahlen. Das Ziel sei jetzt, „aus der sonst zu erwartenden steilen Wand der Infektionszahlen möglichst einen Hügel zu machen oder dass die Wand nicht so hoch ist“. Es sei aber ein Sonderproblem Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern, dass es in der gefährdeten Gruppe älterer Menschen viele Ungeimpfte gebe. In anderen Ländern traf die Omikron-Variante auf eine Bevölkerung, die zwar mehr geimpft, aber weniger staatliche Schutzmaß­nahmen in Kraft waren.

Aus Sicht von RKI-Präsident Lothar Wieler tritt Deutschland in eine „neue Phase der Pandemie“ ein. „Die reinen Fallzahlen werden weniger entscheidend sein. Wichtiger ist, wie viele Menschen schwer an COVID-19 erkranken und wie stark das Gesundheitssystem dann belastet sein wird.“

Der Virologe Christian Drosten sagte, Omikron sei nach derzeitigem Kenntnisstand zwar milder im Krank­heitsverlauf. Weil es aber zu viele Fälle seien, werde dieser Gewinn „wieder ausgelöscht“. Er stellte in Aus­sicht, dass gegen Omikron wahrscheinlich noch einmal bei der Impfung nachgesteuert werden müsse. Drosten bekräftigte seinen Appell an Ungeimpfte, sich dringend immunisieren zu lassen.

Lauterbach sagte, die schon geltenden Beschränkungen zeigten Wirkung – etwa mit einer längeren Ver­dopplungszeit der Infektionszahlen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. Hinzu kämen nun noch verschärfte Zugangsregeln auch für Geimpfte und Genesene mit zusätzlichen Tests (2G plus) in der Gastronomie. Aus seiner Sicht sei zur jetzigen Zeit „das richtige Maßnahmenpaket am Platz“.

Sollten die Fallzahlen aber noch deutlich steigen und eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten sein, müsse auch mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden. „An dem Punkt sind wir nicht“, sagte Lauterbach. Nötig seien aber Kontrollen und flächendeckende Umsetzung bestehender Be­schränkungen.

Der Minister erläuterte, dass die Kapazitäten für PCR-Labortests sich der „Volllast“ näherten. Mangel gebe es derzeit nicht. Mit Blick auf Freitestungen aus der Quarantäne habe er nun veranlasst, dass es für Gesund­heitspersonal einen Vorrang bei der PCR-Test-Auswertung in den Laboren gebe.

Noch schlägt sich die Omikron-Welle nicht auf den Intensivstationen nieder. Die Zahl der dort behan­delten Coronainfizierten sank erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3.000er-Marke, wie aus Daten des DIVI-Intensivregisters hervorgeht (Stand: gestern).

Seit dem Höhepunkt der vierten Welle im Dezember mit rund 5.000 Coronaintensivpatienten gleichzeitig sinkt die Zahl stetig. Auch bei den gemeldeten Erstaufnahmen ist der Trend rückläufig. Experten sehen aber noch keinen Grund zur Entwarnung für die nächsten Wochen.

Für die von Bund und Ländern vereinbarten neuen Quarantäneregeln ist der Weg frei. Der Bundesrat billigte heute einstimmig eine Verordnung, die dafür einen rechtlichen Rahmen schafft. Die neuen Regeln sehen vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr in Quarantäne bege­ben müssen. Das gilt auch für frisch doppelt Geimpfte oder frisch Genesene. Außerdem werden kürzere Quarantänezeiten ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen wichtige Versorgungs­bereiche am Laufe zu halten. © dpa/bee/aerzteblatt.de

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