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Ausland

WHO entscheidet über Verlängerung des Coronagesundheits­notstands

Donnerstag, 13. Januar 2022

/dennizn, stock.adobe.com

Genf – Bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf erörtert ein unabhängiger Expertenaus­schuss heute, ob die Coronalage weiterhin als internationaler Gesundheitsnotstand eingestuft wird. Dieser Not­stand – genannt „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ – gilt inzwischen schon seit fast zwei Jahren.

Es ist die höchste Alarmstufe, die die WHO verhängen kann. Der Ausschuss will voraussichtlich heute Abend eine Em­pfehlung abgeben. Die Weltgesundheitsorganisation folgt in aller Regel einer solchen Empfehlung.

Die Erklärung einer Notlage soll den Fokus der Weltgemeinschaft auf ein gefährliches Problem lenken und Regierungen anspornen, Maßnahmen zu ergreifen. Bei Corona sind das die bekannten Vorschriften wie Handhygiene, Maske tragen und Abstand halten.

Ob der Ausschuss empfiehlt, die Notlage für beendet zu erklären oder nicht: Praktisch hätte das kaum Konsequenzen. Experten sind jedoch besorgt, dass eine Beendigung ein falsches Signal senden könnte.

WHO-Coronaexpertin Maria van Kerkhove sagte gestern Abend in Genf: „Das Virus ist auf dem besten Weg, endemisch zu werden, daran besteht kein Zweifel. Aber wir sind noch nicht so weit.“ Endemisch ist eine Krankheit, wenn sie in einer Region fortwährend auftritt. Dazu gehört etwa die Grippe, die einem saisonalen Muster folgt.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez warf in der Europäischen Union bereits die Überlegung auf, ob COVID-19 nicht wie eine Grippe behandelt werden könne. Van Kerkhove warnte davor. „Wir haben nicht die gleiche Vorhersehbarkeit wie bei der Grippe, wo wir ein typisches saisonales Muster haben“, sagte sie. „Dahin dürften wir mit COVID-19 auch kommen. Aber wir sind noch nicht so weit.“

Der WHO wird vielfach vorgeworfen, dass sie nach Bekanntwerden der ersten Coronafälle in China An­fang 2020 nicht sofort eine Notlage erklärte. Viele Länder hätten die Tragweite des Problems deshalb zu spät erkannt.

Als die WHO die Notlage am 30. Januar 2020 ausrief, waren außerhalb Chinas rund 100 Infektionen in 21 Ländern bekannt. Inzwischen wurden weltweit mehr als 308 Millionen Infektionen und fast 5,5 Millionen Todesfälle gemeldet.

Die Beendigung der Notlage könnte nach Befürchtung von Experten Länder veranlassen, dem Virus frei­en Lauf zu lassen. WHO-Expertin van Kerkhove hält das für falsch, weil zu viele Fälle die Gesund­heits­dienste überlasten und weil besonders gefährdete Menschen in vielen Ländern mangels Impfstoff noch nicht geimpft wurden. Der Ausschuss besteht aber aus unabhängigen Experten. © dpa/aerzteblatt.de

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