NewsPolitikEngpässe bei Coronatests: Politik auf Lösungssuche
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Engpässe bei Coronatests: Politik auf Lösungssuche

Donnerstag, 13. Januar 2022

/picture alliance, Marcus Brandt

München – Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen stehen im Kampf gegen die Omikron-Welle nach Einschätzung des Leiters des Coronakrisenstabes der Bundesregierung, Generalmajor Carsten Breuer, bald voraussichtlich nicht mehr genügend Testkapazitäten für die gesamte Bevölkerung zur Ver­fügung. „Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erfor­derlich ist“, sagte Breuer der Süddeutschen Zeitung (SZ). „Das gilt auch für Tests.“

„Sobald es irgendwo eng wird, muss ich priorisieren. Da haben Beschäftigte in der kritischen Infrastruk­tur Vorrang“, sagte er weiter. Das Ziel sei aber, das bisherige Testregime so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. „Wir brauchen möglichst genaue Daten, um zu sehen, wie sich die Welle bei uns auswirkt“, sagte Breuer.

Anzeige

Der Bundeswehrgeneral warnte davor, die Gefahr durch die Omikron-Variante des Coronavirus zu un­terschätzen. „Wir brauchen ein Bollwerk gegen Omikron“, forderte Breuer. Deutschland dürfe „nicht in die Lage geraten, dass wir in der kritischen Infrastruktur soweit herunterfahren müssen, dass öffentliches Leben eingeschränkt wird“. Zentrales Mittel gegen die Omikron-Welle bleibe das Impfen. „Für mich zählt jeder Piks in einen Oberarm“, sagte der General.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte den Kommandeur des Bundeswehrkommandos Territoriale Auf­gaben Ende November mit der Leitung eines neu geschaffenen Coronakrisenstabs im Kanzleramt beauf­tragt.

Vor Breuer hatten auch schon der Ärzteverband Marburger Bund (MB) und der Laborverband vor Eng­pässen bei Testkapazitäten gewarnt. Weil derzeit kaum priorisiert werde bei PCR-Tests, stießen die La­bore in Deutschland zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen, hieß es.

Auch der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hat sich angesichts überlasteter medizinischer Labore für eine Priorisierung von PCR-Coronatests ausgesprochen. „Wir sehen sehr deutlich, dass die wöchent­li­che Kapazität von 2,4 Millionen PCR-Tests, die wir in etwa in Deutschland haben, nun unter Vollast über­all gebraucht wird“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher im rbb-„Inforadio“. Es müsse darauf geach­tet werden, Schwerstkranke und das Personal der kritischen Infrastruktur zu bevorzugen.

Im Einzelfall könne das, etwa beim Freitesten, zu Verzögerungen führen. Die Situation werde sich erst verbessern, wenn die in die Höhe schnellenden Coronafallzahlen unter Kontrolle gebracht würden, pro­gnostizierte Dahmen. Derzeit breite sich die Omikron-Variante des Coronavirus so schnell aus, dass die Testkapazitäten nicht schnell genug ausgebaut werden könnten.

Die Unionsfraktion im Bundestag rief Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum schnellen Handeln auf. „Das Bundesgesundheitsministerium muss schnellstens eine Handlungsempfehlung zur Priorisierung bei PCR-Tests vorlegen“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Union, Tino Sorge (CDU). „Die Labore und Teststellen brauchen dringend Orientierung für ihre Ent­scheidungen.“

„Die Kapazitäten für PCR-Tests müssen so schnell wie möglich erweitert werden – gerade jetzt, weil sie Omikron viel verlässlicher erkennen als Schnelltests“, sagte Sorge. Solange eine Überlastung drohe, „müssen die vorhandenen Kapazitäten in erster Linie nach Dringlichkeit und medizinischem Bedarf genutzt werden“

Dies könne in den kommenden Wochen auch dazu führen, „dass ein Urlauber länger warten muss, damit ein Pflegebedürftiger sein Resultat zügig erhält“. Auch für Bereiche sogenannter kritischer Infrastruktur wie Polizei, Feuerwehr oder Energieversorgung müssten „Testkapazitäten vorgehalten werden, um dort kurzfristig auf Ausbrüche reagieren zu können“.

Die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus dringt auf eine Ausweitung der Testkapazitäten. In Zeiten der um sich greifenden Virusvariante Omikron infizierten sich immer mehr Menschen oder hätten in einschlägi­gen Apps rote Warnmeldungen über Kontakte zu Infizierten, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Bettina König, heute in einer Plenardebatte.

Diese müssten schnell und unkompliziert PCR-Tests machen können, um Klarheit zu haben. Dazu müss­ten die Kapazitäten ausgebaut und mehr senatseigene Testzentren geschaffen werden. „Ein Zentrum pro Bezirk war vor Omikron gut, jetzt zeigt sich, das ist zu wenig“, so König.

Nur bei einer roten Warnung in der App oder einem positiven Schnelltest ist der dann nötige PCR-Test kostenfrei – und in der Regel auch in Berlin nur in landeseigenen Zentren. Bei von privaten Anbietern betriebenen Teststellen fallen Kosten an. König mahnte hier „niedrigere Zugangshürden“ zu kostenlosen PCR-Tests an.

Warteschlangen vor Berliner Coronatestzentren wird es nach Einschätzung von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) weiterhin geben. Die Nachfrage nach PCR-Tests, die etwa zum Überprüfen eines po­sitiven Schnelltestergebnisses nötig sind, blieben größer als das Angebot: „Wir haben hohe Testkapazitä­ten und Labore und bauen ihre Kapazitäten weiter aus. Das hätte für Delta gereicht, für Omikron reicht das nicht“, sagte die Grünen-Politikerin heute bei der Plenarsitzung im Abgeordnetenhaus.

„Wir können selbstverständlich die PCR-Kapazitäten noch etwas steigern in Berlin, das tun wir auch.“ Gote kündigte längere Öffnungszeiten und mehr Personal für die landeseigenen Testzentren an. „Wir prüfen auch die Beauftragung der gewerblichen Teststrukturen. Aber eins ist auch klar: Es wird am Ende nicht reichen.“

Der FDP-Abgeordnete Florian Kluckert kritisierte, Berliner müssten zum Teil stundenlang auf einen PCR-Test warten. „Das ist eine Politik, die endlich abgestellt werden muss.“ Ein schnelles Testangebot sei das Mindeste, was der Senat den Berlinern anbieten sollte. Kluckert forderte, alle PCR-Testkapazitäten auszu­schöpfen, auch die an privaten Teststellen, wo die Tests bisher kostenpflichtig seien. Gote sagte, das Problem gebe es in ganz Deutschland, nicht nur in Berlin.

„Sie sagen, wir schlingern durch die Pandemie“, griff die Senatorin einen Vorwurf aus der CDU-Fraktion auf. „Sie können auch sagen, ganz Deutschland oder die ganze Welt schlingert durch die Pandemie, aber wir halten Kurs“, so die Gesundheitssenatorin. „Wir wissen nicht, was noch kommt mit Omikron, wir gehen aber davon aus, dass wir irgendwann in eine epidemische Lage kommen.“ Auch darauf bereite sich der Senat vor und werde den Öffentlichen Gesundheitsdienst in dieser Hinsicht aufbauen, sagte Gote. © afp/dpa/may/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER