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Medizin

Bariatrische Eingriffe: Nach einem Magenbypass sind weniger Medikamente nötig

Montag, 31. Januar 2022

/Herjua, stock.adobe.com

Ann Arbor – Adipöse Patienten, die durch einen bariatrischen Eingriff nicht nur abnehmen, sondern danach auch weniger Medikamente nehmen möchten, profitieren möglicherweise von einem Magen­bypass mehr als von einer Sleeve-Gastrektomie. Zu diesem Ergebnis kommt eine große US-Studie, die in JAMA Surgery publiziert wurde (DOI: 10.1001/jamasurg.2021.6898).

Die Autoren um Ryan Howard vom Department of Surgery der University of Michigan in Ann Arbor unter­suchten im Langzeitverlauf die Medikamenteneinnahme von fast 100.000 Menschen, die sich einer baria­trischen Operation unterzogen hatten.

Es zeigte sich, dass Patienten fünf Jahre nach einem Roux-en-Y-Magenbypass mit einer etwas höheren Inzidenz auf Medikamente gegen Diabetes, Bluthochdruck und Hyperlipidämie verzichten konnten als nach einer Sleeve-Gastrektomie. In der Gruppe der Magenbypasspatienten mussten zudem weniger Per­sonen wieder mit der Einnahme der drei Medikamentenklassen anfangen.

Patienten waren etwas älter

Howard und seine Kollegen berichten, dass von den 95.405 eingeschlossenen Patienten 71.348 (74,8 %) Frauen gewesen. Das Durchschnittsalter habe bei 56,6 Jahren und damit rund zehn Jahre höher als in vielen anderen Studien zur bariatrischen Chirurgie gelegen.

Ihre Ergebnisse basieren die US-Mediziner auf Versicherungsdaten, die die Diagnose und Verschreibung von Medikamenten gegen Diabetes mellitus, Hypertonie und Hyperlipidämie in den sechs Monaten vor der Operation zeigen.

Demnach nahmen 74,7 % der Studienteilnehmer zum Zeitpunkt des bariatrischen Eingriffs Medikamente gegen Diabetes ein, 53,3 % nahmen Blutdrucksenker und 64,6 % Medikamente zur Senkung der Blutfett­werte.

Bypass verspricht mehr Zeit ohne Medikamente

In den folgenden 5 Jahren konnten Diabetespatienten, die einen Magenbypass erhalten hatten, häufiger ihre Medikamente absetzen als Sleeve-Gastrektomiepatienten mit Diabetes (aHR 1,30). In der Magen­bypass­gruppe war dies bei 74,7 % der Patienten der Fall, in der Sleeve-Gastrektomiegruppe bei 72,0 %.

Der Magenbypass verhinderte auch etwas besser, dass die operierten Patienten in den 5 Jahren erneut mit der Einnahme von Antidiabetika beginnen mussten (aHR 0,78). Während Patienten nach einer Sleeve-Gastrektomie in 35,6 % der Fälle erneut Antidiabetika brauchen, waren dies in der Magenbypassgruppe nur 30,4 %.

Im Schnitt kamen Patienten in der Magenbypassgruppe 866 Tage ohne Diabetesmedikamente aus, in der Sleeve-Gastrektomiegruppe waren es 578 Tage (p<0,001).

Was die Medikamente gegen Hypertonie und Hyperlipidämie anging berichten und Howard und seine Kollegen von ganz ähnlichen Ergebnissen: Nach einem Magenbypass konnten sie von mehr Patienten abgesetzt werden und mussten seltener erneut eingenommen werden als in der Sleeve-Gastrektomie­gruppe.

Gründe für den Unterschied müssen noch geklärt werden

Die Arbeitsgruppe um Howard betont, dass Studien mit noch längeren Nachbeobachtungszeiten notwen­dig seien, um herauszufinden, welche Mechanismen und Faktoren für diese Unterschiede zwischen den bariatrischen Eingriffen verantwortlich sind.

Die Studie bestätigt allerdings frühere Untersuchungen, die bereits gezeigt hatten, dass sowohl der zu erreichende Gewichtsverlust als auch die Remission adipositasssoziierter Erkrankungen von der Art des bariatrischen Eingriffs abhängen. Üblicherweise schneidet der Magenbypass hier etwas besser ab als die Sleeve-Gastrektomie, ist aber im Allgemeinen auch mit mehr unerwünschten Ereignissen und Komplikationen verbunden.

Nutzen gegen das Komplikationsrisiko abwägen

In einem Kommentar weist Anita P. Courcoulas vom Department of Surgery am University of Pittsburgh Medical Center, Pittsburgh, darauf hin, dass die Analyse von Versicherungsdaten mit gewissen Limita­tionen einhergehe: „Wir wissen nicht, ob die Medikamente tatsächlich wie verschrieben eingenommen wurden. Das Absetzen einer Medikation bedeutet zudem nicht immer, dass die zugrundeliegende Erkran­kung nicht mehr besteht.“

Darüber hinaus müssten die positiven Effekte des Magenbypasses gegen das zusätzliche Risiko für Kom­plikationen im Vergleich zur Sleeve-Gastrektomie abgewogen werden, ergänzt sie.

Dennoch kommt die Chirurgin zu einem positiven Schluss: Nicht mehr so viele Medikamente einnehmen zu müssen, sei für Patienten, die sich einer bariatrischen Operation unterziehen, ein wichtiger Endpunkt. „Die Studienergebnisse könnten deshalb sowohl Patienten als auch Ärzten dabei helfen einzuschätzen, was sie von einer der beiden am häufigsten durchgeführten bariatrischen Operationen erwarten können.“ © nec/aerzteblatt.de

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