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Politik

Zahl der Coronaintensiv­patienten noch rückläufig

Freitag, 14. Januar 2022

/picture alliance, Bodo Schackow

Berlin – Die anrollende Omikron-Welle in Deutschland schlägt sich bisher noch nicht auf den Intensiv­stationen nieder. Die Zahl der dort behandelten Coronainfizierten ist erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3.000er-Marke gesunken, wie aus Daten des DIVI-Intensivregisters hervorgeht (Stand: gestern).

Seit dem Höhepunkt der vierten Welle im Dezember mit rund 5.000 Coronaintensivpatienten gleichzeitig ist die Zahl stetig zurückgegangen. Auch bei den gemeldeten Erstaufnahmen ist der Trend rückläufig. Exp­erten sehen aber noch keinen Grund zur Entwarnung für die nächsten Wochen, unter anderem wegen offener Fragen zu Omikron und einer erwarteten weiteren Zunahme der Ansteckungen.

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Generell gibt es einen Zeitverzug, bis ein Infizierter – im schlimmsten Fall – auf der Intensivstation lan­det. Die Dauer kann je nach Variante variieren, von gut einer Woche bis mehr als zwei; in Bezug auf Omi­kron gibt es noch keine Gewissheit. „Einen Wiederanstieg der Zahl der Intensivpatienten in Deutschland dürften wir noch nicht ganz so schnell sehen“, erwartet Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters.

Während bei der Delta-Variante rund jeder Fünfte Coronapatient (20 Prozent), der in ein Krankenhaus kam, intensivmedizinische Versorgung benötigt habe, sei es bei Omikron nur noch ungefähr jeder Zehnte, sagte er. Hinzu kämen die vergleichsweise strengen Maßnahmen in Deutschland, die womöglich zu einer nicht ganz so explosionsartigen Zunahme von Ansteckungen wie in anderen Ländern führen könnten.

Der Kölner Professor warnte jedoch davor, Omikron als mild abzutun – auch wenn die Variante per se tatsächlich weniger krankmachend sei als Delta. „Es besteht ein Risiko auch bei Omikron, insbesondere für Menschen ohne Impfung“, sagte Karagiannidis. „Ungeimpfte sind derzeit die Hauptklientel auf Inten­siv­stationen.“ Mit einer Grundimmunisierung oder nach durchgemachter Infektion plus Impfung hinge­gen sei man gut vor einem schweren Verlauf geschützt.

Noch seien auch nicht alle Fragen in Hinblick auf deutsche Besonderheiten geklärt: „Offen ist: Was pas­siert, wenn Omikron bei älteren und hochaltrigen Menschen ankommt? Das bereitet mir noch Sorgen“, sagte Karagiannidis. Deutschland habe eine relativ alte Bevölkerung – zum Beispiel im Vergleich zu Süd­afrika, wo Omikron entdeckt worden war.

Mit Abstand am höchsten sind die Inzidenzen in Deutschland bisher bei Menschen unter 35 Jahren, teils mit Werten um 700 (Stand: gestern). Für die Gruppe 60 bis 79 Jahre gab das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen mit 133 an, für die Menschen ab 80 Jahren mit 95,5.

Die Belastung auf Intensivstationen sei mit rund 3.000 Fällen weiter hoch, schreibt das RKI im Wochen­bericht von gestern Abend. „Obwohl die Belegungszahlen zurzeit noch rückläufig sind, kann es weiterhin zu regionalen Kapazitätsengpässen im intensivmedizinischen Bereich kommen“. Laut RKI hat sich Omi­kron in Deutschland zuletzt weiter stark ausgebreitet, es habe Fälle in fast allen Landkreisen gegeben.

In den nächsten Wochen werde mit einer starken Zunahme der Ansteckungen gerechnet. Omikron sei auch bei Geimpften und Genesenen leichter übertragbar. Nach den aktuellsten Daten für die erste Kalen­derwoche 2022, die auf Meldungen aus den Bundesländern basieren und auch Verdachtsfälle einschlie­ßen, machte die Variante laut RKI-Bericht einen Anteil von 73 Prozent aus und überwiegt damit. Die bisher vorherrschende Delta-Variante verliert immer mehr an Boden.

Das RKI verwies auf große regionale Unterschiede beim Omikron-Stand: Der Anteil liege zwischen 11 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 96 Prozent in Bremen. Für Schwankungen und Unterschiede wurden mehrere Gründe angeführt: Es werde nicht überall gleich viel auf Varianten getestet, es gebe Verzögerungen in der labordiagnostischen Erfassung und Übermittlung, zudem verlaufe die Ausbreitung ausgehend von Ballungsräumen.

„Erste Studien deuten auf einen geringeren Anteil an Hospitalisierten im Vergleich zu Infektionen mit der Deltavariante bei Infizierten mit vollständiger Impfung bzw. Auffrischimpfung hin“, schreibt das RKI im Wochenbericht. Für eine abschließende Bewertung zur Krankheitsschwere sei die Datenlage aber noch nicht ausreichend.

Das RKI berichtet, dass für einen Teil der gemeldeten Omikron-Fälle Angaben zu Symptomen vorliegen. „Es wurden überwiegend keine oder milde Symptome angegeben.“ Die Menschen, die von Symptomen berichteten, nannten demnach etwa Husten, Schnupfen und Halsschmerzen. 962 Infizierte seien ins Krankenhaus aufgenommen worden, 40 seien gestorben. © dpa/aerzteblatt.de

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