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Politik

Lauterbach stimmt auf schwere Zeit ein und rät zu Schnelltests

Montag, 17. Januar 2022

/picture alliance, AA, Abdulhamid Hosbas

Berlin – In der aktuellen Coronawelle mit der hoch ansteckenden Omikron-Variante von SARS-CoV-2 warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor einer hohen Zahl an Toten und massiven Einschränkungen bei Krankenhausbehandlungen.

„Uns drohen in Deutschland sehr schwere Wochen“, sagte der SPD-Politiker der Bild am Sonntag. „Wir dürfen uns mit Blick auf die aktuell sinkenden Krankenhauszahlen insbesondere auf den Intensivstatio­nen nicht in Sicherheit wiegen.“ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz überschritt am Wochenende erstmals die 500er-Schwelle.

Die Situation in den Kliniken werde sich wieder verschärfen, so Lauterbach. Momentan erkrankten vor allem die Jüngeren, die viele Kontakte hätten. Wenn sich die Älteren infizierten, werde die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen.

„Da kann es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es droht die Schließung ganzer Abteilungen“, sagte er. „Eine Durchseuchung be­deutet, dass Hunderttausende schwer krank werden und wir wieder viele Tausend Coronatote beklagen müssen.“

Lauterbach rief die Bürger zudem dazu auf, sich in der Omikron-Welle „mehrfach pro Woche“ mit einem Schnelltest auf das Coronavirus zu testen. „Dann haben sie eine gute Sicherheit, dass sie bei einem ne­gativen Ergebnis auch wirklich nicht infiziert sind“, sagte er der Bild am Sonntag. Die Wiederholungen des Tests seien nötig, weil am Anfang einer Infektion die Schnelltests nicht immer anschlügen.

Auch Menschen, die bereits eine Boosterimpfung gegen Corona erhalten haben, sollten Lauterbach zu­folge nach Kontakt zu einem Infizierten noch vorsichtiger sein und „jeden Tag einen Schnelltest machen“. Wer sich eine Woche durchgetestet habe, sei „auf der sicheren Seite“. An den Tagen nach dem Kontakt rät Lauterbach zum konsequenten Tragen von FFP2-Masken, „sobald man mit Menschen in einem Raum ist“.

Der Virologe Christian Drosten sieht in der milder verlaufenden Omikron-Variante des Coronavirus eine „Chance“, in den endemischen Zustand zu kommen. Auf die entsprechende Frage sagte der Virologe dem Tagesspiegel am Sonntag: „Es wäre eine Chance jetzt, breite Immunität vorausgesetzt.“

Drosten sagte, alle Menschen müssten sich früher oder später mit SARS-Cov-2 infizieren. „Ja, wir müssen in dieses Fahrwasser rein, es gibt keine Alternative“, sagte er. „Wir können nicht auf Dauer alle paar Mona­te über eine Boosterimpfung den Immunschutz der ganzen Bevölkerung erhalten.“ Das müsse das Virus machen. „Das Virus muss sich verbreiten, aber eben auf Basis eines in der breiten Bevölkerung veranker­ten Impfschutzes“ – sonst würden „zu viele Menschen sterben“.

Die Krankenhäuser berichten bereits von mehr Patientenaufnahmen mit COVID-Erkrankungen. „Wir sehen diesen Anstieg auf den Normalstationen bereits in manchen Regionen, so zum Beispiel in Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, der Augsburger Allgemeinen.

„Im Unterschied zu vorangegangenen Wellen werden Patienten in den kommenden Wochen aber wohl vermehrt in den Normalstationen ankommen, da die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf zu haben, bei Omikron geringer ist.“

Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Gaß: „Wir werden elektive Leistungen verschieben müs­sen.“ Dies betreffe orthopädische Operationen genauso wie Therapien für chronische Erkrankungen und Krebspatienten. „Wir können auch nicht ausschließen, dass das in vielen Fällen auch zu echten Schäden führt.“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat heute unterdessen erneut einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemel­det und damit einen neuen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Ein­wohner und Woche heute Morgen mit 528,2 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 515,7 gelegen, vor einer Woche bei 375,7 (Vormonat: 413,7).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 34.145 Coronaneuinfektio­nen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 4.57 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 25.255 Ansteckungen.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 30 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 52 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 8.000.122 nach­ge­wiesene Infektionen mit SARS-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Coronapatienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI heute mit 3,14 an (Freitag 3,23). Am Wochenende wird der Wert nicht gemeldet. Die Zahl der Genesenen gab das RKI heute mit 7.000.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 115.649. © dpa/aerzteblatt.de

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