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Medizin

Omikron: Anstieg von Hospitalisierungen bei Säuglingen in Großbritannien

Montag, 17. Januar 2022

/Martin Valigursky, stock.adobe.com

London – In der aktuellen Omikron-Welle werden in Großbritannien mehr Kinder im 1. Lebensjahr im Krankenhaus behandelt als bei früheren Varianten. Dies geht aus einer Auswertung des „COVID-19 Clinical Information Network“ (CO-CIN) der britischen Gesundheitsbehörde hervor, das jedoch auch zeigt, dass die meisten Säuglinge das Krankenhaus schon bald wieder verlassen konnten.

Kinder müssen selten wegen COVID-19 im Krankenhaus behandelt werden. Dies ist auch in der aktuellen Omikron-Welle der Fall. Relativ zu anderen Kindern verzeichnet der jüngste Bericht des CO-CIN in Groß­britannien jedoch einen stärkeren Anstieg bei Säuglingen. In den ersten 3 Wellen lag der Anteil an den pädiatrischen Hospitalisierungen bei knapp über 30 %: 32,9 % in der 1. Welle (Wildtyp), 30,4 % in der 2. Alpha-Welle und 30,2 % in der Delta-Welle. In der aktuellen Omikron-Welle ist der Anteil auf 37,8 % und nach dem letztem Update sogar auf 42,2 % gestiegen.

Allerdings ist wie in den anderen Gruppen eine Tendenz zu einem milderen Verlauf (trotz Hospitalisie­rung) zu erkennen. Nur 12,7 % der Säuglinge benötigten Sauerstoff (gegenüber 22,5 % in der 1. Welle) und 3,9 % mussten mechanisch beatmet werden (versus 5,8 % in der 1. Welle). Die Säuglinge wurden im Durchschnitt nach 1,9 Tagen (versus 6,6 Tagen) aus der Klinik entlassen. Todesfälle waren nicht zu beklagen. Bei den älteren Kindern gab es 1 Todesfall: 1 Mädchen in der Altersgruppe 5 bis 11.

Obwohl die Lage keineswegs dramatisch ist, haben britische Experten über die möglichen Ursachen spekuliert. Der Statistiker Kevin McConway, Emeritus der „Open University" aus Milton Keynes, vermutet, dass die hohen Infektionszahlen bei Kindern für die vermehrten Hospitalisierungen verantwortlich sind, was jedoch nicht erklärt, warum Säuglinge überproportional häufig betroffen sind.

Michael Absoud vom King’s College London vertrat die Ansicht, dass die Jahreszeit eine Rolle spielt. In jedem Winter steige die Zahl der Hospitalisierungen wegen einer Bronchiolitis und einige dieser Kinder könnten zufällig auch mit Omikron infiziert sein. Dann hätte es allerdings auch in der Alpha-Welle im letzten Winter zu einem Anstieg bei den Säuglingen kommen müssen, der aus den CO-CIN-Daten nicht erkennbar ist. Auch der fehlende Impfschutz kann den selektiven Anstieg nicht erklären, da auch die 1- bis 5-Jährigen nicht geimpft wurden und es in dieser Altersgruppe keinen Anstieg der Hospitalisierungen gegeben hat, wie die Professorin für „Operational Research“ Christina Pagel von University College London einwirft.

Die am ehesten plausible Erklärung hat der Pädiater Alasdair Munro von der University of Southampton: Er vermutet, dass die älteren Kinder neben einer Impfung wohl auch durch (zumeist asymptomatische) Infektionen in früheren Wellen eine Immunität erworben haben, die sie jetzt vor schweren Erkrankungen schützt. Die Säuglinge könnten sie aufgrund ihrer späteren Geburt nicht haben. Ihr Immunsystem ist nicht auf Omikron vorbereitet und erkrankt deshalb schwerer. © rme/aerzteblatt.de

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