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Ärzteschaft

KBV hofft auf Kulturwandel bei Digitalisierung

Freitag, 21. Januar 2022

/megaflopp, stockadobecom

Berlin – Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten zeigen sich angesichts unreifer und wenig praxistauglicher Anwendungen zunehmend von der Digitalisierung enttäuscht. Das geht aus dem heute vorgestellten Praxisbarometer Digitalisierung 2021 hervor, welches das IGES Institut zum vierten Mal im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) durchgeführt hat.

Gebraucht werde ein Kulturwandel – weg vom bisherigen Top-Down-Ansatz, betonte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, heute angesichts der Befragungsergebnisse. Diese ließen sich mit einem Wort zusammenfassen: Ernüchterung.

„Das ist besonders deshalb tragisch, weil der Großteil der Ärzteschaft der Digitalisierung gegenüber eigentlich positiv eingestellt ist und sich durch sie Vorteile für die Versorgung erhofft“, so Hofmeister. Er hoffe sehr, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einen Strategiewechsel mit Fokus auf die Lösung von Versorgungsproblemen und die Perspektive der Nutzer herbeiführt.

Insbesondere junge Ärztinnen und Ärzte sind dem Praxisbarometer zufolge offen gegenüber digitalen Anwendungen: 94 Prozent der Unter-50-Jährigen sind an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen.

Im Vergleich zum Vorjahr berichten aber immer mehr Niedergelassene von der Fehleranfälligkeit der TI. 50 Prozent der befragten Praxen haben mindestens wöchentlich mit Fehlern bei der TI-Nutzung zu käm­pfen – im Jahr zuvor waren es 37 Prozent. Der Anteil derer mit täglichen Störungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr mit 18 Prozent sogar verdoppelt.

Entsprechend schätzen fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) die Fehleranfälligkeit als starkes Hemmnis für die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein (2020: 52 Prozent). 65 Prozent kritisierten zu­dem den hohen Umstellungsaufwand, ebenso viele ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis digitaler Anwendungen und 55 Prozent fehlende Nutzerfreundlichkeit.

„Ausfälle und technische Mängel sorgen nicht nur für Frust und Mehraufwand, sie setzen auch die ge­ne­relle Akzeptanz der Digitalisierung aufs Spiel“, warnte Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV. Derzeit sei man von einer versprochenen und erwartbaren Entlastung durch die Digitalisierung „weit entfernt“. So werde es deutlich mühevoller, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Insbesondere sollten neue Anwendungen ausgiebig und mit genügend Vorlauf getestet werden, betonte Kriedel. „Wenn die dafür vorgesehenen Fristen nicht das Ergebnis bringen, das wir in der Versorgung brauchen, dann bringt es auch nichts, wenn Politik sagt ‚Wir machen es trotzdem‘. Hier erwarten wir auch von der neuen Bundesregierung einen Kurswechsel“, stimmte Hofmeister zu. © aha/aerzteblatt.de

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