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Medizin

COVID-19-Pandemie hat Versorgung von Tumorpatienten verändert

Dienstag, 18. Januar 2022

/Mark Kostich, stock.adobe.com

Halle – Die 1. Welle der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hat die Versorgung von Tumorpatienten beein­flusst – das berichtet eine Arbeitsgruppe um Daniel Medenwald, Oberarzt der Universitätsklinik und Poli­klinik für Strahlentherapie der Universitätsmedizin Halle, nach einer Analyse von Daten der Medizinin­formatik-Initiative.

Die Wissenschaftler analysierten für ihre Studie stationäre Behandlungsdaten von 14 Universitätsklinika für 2 häufige Tumorarten, nämlich Tumoren der Kopf-Hals-Region und des Gebärmutterhalses. Sie ver­glichen Behandlungsdaten ab März 2020 mit den Daten der Vorjahreszeiträume 2018 und 2019. Ihre Analyse ist in der Zeitschrift Strahlentherapie und Onkologie erschienen, dem Fachjournal der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) (DOI: 10.1007/s00066-021-01883-1).

Neben dem drohenden Mangel an Intensivbetten bestand für alle Behandlungsmethoden das Risiko von Versorgungsengpässen aufgrund von COVID-19-bedingten Personalausfällen. „Gerade Kopf-Hals-Tumoren und Gebärmutterhalskrebs sind Krebsarten, bei denen eine Verzögerung in der Behandlung sehr kritisch ist, weil diese Tumoren sehr schnell wachsen. Abhängig von Stadium und Risikofaktoren ist Strahlen­therapie statt Operation eine erfolgversprechende Methode in der Behandlung“, erklärte Medenwald.

Die Datenanalyse zeigte: Bei Tumoren der Kopf-Hals-Region war die Anzahl der Krankenhausbehandlun­gen mit jeglicher Behandlungsart sowohl in der Lockdownphase als auch in der anschließenden Norma­li­sierungsphase vergleichbar mit den Vorjahren. Allerdings nahm die Anzahl der Behandlungen mit ope­ra­tivem Eingriff um etwa 11 % in der Lockdownphase und 13 % in der Normalisierungsphase ab, wäh­rend die Häufigkeit der Strahlentherapie ohne Operation um 13 beziehungsweise 15 % zunahm.

Bei Tumoren des Gebärmutterhalses zeigte sich in der Lockdownphase ein genereller Rückgang der stationären Behandlungen um 10 %, in der anschließenden Normalisierungsphase um 20 % Auch die Anzahl der Strahlenbehandlungen ging um 20 beziehungsweise 29 % zurück.

„Die Daten deuten auf eine Verschiebung von der operativen Therapie zur Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren in der 1. Welle hin, während der generelle Rückgang von Behandlungen des Gebärmutter­halskrebses vermutlich auf weniger Früherkennungsuntersuchungen zurückzuführen ist“, berichtet Medenwald.

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie warnt unterdessen vor einer Unterversorgung von Krebs­patienten, die „de facto schon vielerorts Realität ist“, wie es aus der Fachgesellschaft hieß. Sie empfiehlt, die Strahlentherapie vermehrt als Erst- oder Brückentherapie einzusetzen.

„Wenn die Daten zeigen, dass OP und Strahlentherapie vom Ergebnis her gleichwertig sind, kann man angesichts der epidemischen Lage und Versorgungsengpässen auf den Intensivstationen den Menschen guten Gewissens zur Strahlentherapie als Erstlinientherapie raten“, sagte Cordula Petersen, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.

Und selbst wenn das nicht der Fall sei, gebe es häufig die Möglichkeit, das Therapieregime umzustellen, also zunächst mit der Strahlentherapie zu beginnen und anschließend zu operieren. Die veränderte The­rapiereihenfolge führe in vielen Fällen nicht zu Überlebenseinbußen und könne in der jetzigen Situation sinnvoll sein, sagte sie. © hil/aerzteblatt.de

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