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Medizin

Stellatumblockade als neuer Ansatz bei Long COVID denkbar

Dienstag, 18. Januar 2022

/Kirsty Pargeter, stock.adobe.com

Anchorage – Eine kurzfristige Blockade des Sternganglions (Ganglion stellatum) mittels Lokalanästhesie verminderte in einer kleinen Fallserie (n=2) Long-COVID-Symptome.

Infolge einer COVID-19-Infektion entwickeln etwa 30 % der Patienten nach symptomatischem und 5 % nach asymptomatischem Verlauf Long-COVID-Symptome wie Fatigue, orthostatische Intoleranz, Anosmie und Ageusie/Dysgeusie, Kurzatmigkeit, Schlafstörungen, Fieber, gastrointestinale Symptome, Angstzu­stän­de und Depressionen.

Long-COVID-Symptome ähneln teilweise dem chronischen Erschöpfungs­syndrom oder dem Posturalen Tachykardiesyndrom, die mit reduzierten zerebralen Blutflüssen assoziiert sind. Darüber hinaus begüns­tigen persistierende entzündungsbedingte Interaktionen zwischen Immun- und Nervensystem Long-COVID-Symptome.

Eine Injektion von Lokalanästhetika in die Nähe des Sternganglions (Stellatumblockade, SGB) blockiert die Aktivität der zervikalen sympathischen Kette und erhöht den zerebralen Blutfluss. Vor diesem Hinter­grund untersuchten Forscher aus Anchorage (Alaska, USA) anhand einer kleinen Fallserie , inwiefern 2 Long-COVID-Patientinnen von einer kurzfristigen Blockade des Sternganglions (SGB, stellate ganglion block) profitieren (Journal of Neuroimmunology, 2021; DOI: 10.1016/j.jneuroim.2021.577784).

Eine Long-COVID-Patientin (42 Jahre alt) berichtete auch 7 Monate nach COVID-Infektion von Sympto­men wie Fatigue, Sprachstörungen, Kopfschmerzen, Anosmie, Dysgeusie sowie generalisierten Körper­schmerzen, die zu stark verminderter Arbeits- und Konzentrationsfähigkeit führten. Nach einer rechts­seitigen SGB stellte die Patientin eine sofortige Verbesserung der Anosmie und Dysgeusie sowie eine deutliche Verbesserung der geistigen Klarheit und Konzentrationsfähigkeit fest. Anosmie und Dysgeusie blieben jedoch kontralateral bestehen. 2 Tage später wurde ein linksseitiges SGB durchgeführt.

Unmittelbar nach dem 2. Eingriff berichtete die Patientin, dass die olfaktorischen Fähigkeiten und der Geschmacksinn bilateral wiederhergestellt waren. Die geschilderten Symptomverbesserungen blieben über der 60-tägigen Nachbeobachtungszeit dauerhaft bestehen.

Eine weitere Patientin (44 Jahre alt) war bereits 8 Monate an Long-COVID erkrankt und nahezu arbeits­unfähig geworden. Bei ihr dominierten zum Beispiel schwere Gedächtnisdefizite, Sprachbehinderungen, Koordinationsstörungen, Konzentrationsschwächen, Fatigue und Dysgeusie. Eine rechtsseitige SGB, gefolgt von linksseitigem SGB am nächsten Tag gingen mit einer sofortigen Verbesserung der Dysgeusie einher. Im weiteren Follow-up wurden deutliche Verbesserungen der körperlichen, geistigen und sprach­lichen Fähigkeiten verzeichnet, die eine vollständige Reintegration auf dem Arbeitsmarkt als Lehrerin ermöglichten.

Am Beispiel dieser beiden Patientinnen wurden Verbesserungen von Long-COVID-Symptomen unmittel­bar und im weiteren Follow-up nach SGB dokumentiert, was darauf hindeutet, dass die zervikale sympa­thische Kette an Dysbalancen bei Long-COVID-Symptomen beteiligt ist. Die sofortigen Verbesserungen der Geschmacks- und Geruchssinne könnten zum Beispiel auf den SGB-induzierten erhöhten zerebralen Blutfluss zurückzuführen sein, vermuten die Wissenschaftler.

Eine kurzfristige bilaterale Blockade des Sternganglions mittels Lokalanästhesie kann das lokale autono­me Nervensystem zu einer Art „Neustart“ verhelfen, die mit einem Rückgang von Long-COVID-Sympto­men assoziiert war, schlussfolgern die Studienautoren.

Die SGB könnte als neuartige Behandlungsoption zumindest für eine Untergruppe von Long-COVID-Patienten eine denkbare Intervention sein, schlagen die Forscher vor. Das Ganglion stellatum kommt bei 80 % der Menschen vor und ist eine Verschmelzung des Ganglions cervicalis inferior mit dem 1. thorakalen Ganglion. © cw/aerzteblatt.de

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