NewsPolitikGMK: Arztpraxen sollen entlastet werden, Freitesten durch Schnelltests
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

GMK: Arztpraxen sollen entlastet werden, Freitesten durch Schnelltests

Dienstag, 18. Januar 2022

/picture alliance, Ronny Hartmann

Magdeburg – Die Gesundheitsminister der Länder haben den niedergelassenen Ärzten mit Blick auf die schnelle Verbreitung der Coronavariante Omikron Unterstützung zugesagt. In einer Videoschalte baten die Ressortchefs das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gestern darum, eine Reihe von Regelun­gen zu verlängern.

Die Ärzte bräuchten diese Unterstützung, „damit sie nicht von Patienten überrollt werden“, sagte Sach­sen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne nach den Beratungen. Die SPD-Politikerin ist aktuell Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK).

Für die Umsetzung der meisten Regeln ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) verantwortlich. Der hatte die Maßnahmen zuletzt aber ohnehin verlängert und der Lage in der Pandemie angepasst.

Aus Sicht der GMK soll bei Atemwegserkrankungen eine telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weiterhin möglich sein. Das soll auch für telefonische ärztliche und psychotherapeutische Konsultation, Folgeverordnung per Telefon oder Videosprechstunde bei Heil- und Hilfsmitteln, zur Krankenbeförderung und zu Disease-Management-Programmen (DMP) sowie der Regelungen zu Videosprechstunden gelten.

Darüber hinaus hat sich die GMK für eine Verlängerung der Verordnungsdauer von Leistungen durch Krankenhäuser im Rahmen eines Entlassmanagements ausgesprochen. Erleichterungen bei der Substitu­tionstherapie sollen weiter bestehen bleiben. Ausgesetzt bleiben soll die Pflicht zur fachlichen Fortbil­dung für Vertragsärzte und Psychotherapeuten.

Der G-BA betonte heute, er habe die von der GMK adressierten Aspekte auf dem Radar. Man werde im Rahmen der Zuständigkeiten die wichtigsten der derzeit bis zum 31. März 2022 laufenden Corona-Sonderregelungen bei Fortdauer der Pandemie „selbstverständlich auch unabhängig von dem Beschluss der Gesundheitsminister“ verlängern, sagte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken.

„Denn die aktuelle Situation lässt keine Experimente zu“, so Hecken. Der Ausschuss habe die mit Beginn der Pandemie 2020 eingeführte Regelung schon wiederholt verlängert. Hecken nannte zudem die wäh­rend der Pandemie geschaffene Möglichkeit der Videobehandlung im Bereich der Heilmittelversorgung und die Sonderregelungen beim Entlassmanagement. Krankenhausärzte können demnach eine Arbeits­unfähigkeit für bis zu 14 Tage nach Entlassung bescheinigen.

Hecken warnte vor Leichtfertigkeit in der aktuellen Pandemiephase. „Die unglaublich hohe Anzahl von Neuinfektionen durch die Omikron-Virusvariante ist herausfordernd für unser Gesundheitssystem“, sagte er. „Wir müssen Arztpraxen und Krankenhäuser nach wie vor entlasten und vermeidbare direkte Kontakte verringern.“ Konsequentes Handeln zur Eindämmung des Infektionsgeschehens habe weiter „oberste Priorität“.

GMK für Rettungsschirm

Aus Sicht der GMK sollte es wieder einen Rettungsschirm für Praxen geben, wenn diese einen hohen Personalausfall haben oder nicht akute Behandlungen verschoben werden müssten. Das BMG soll zudem die Kostenübernahme bei der Aufnahme ausländischer Patienten in Deutschland klären.

Änderungen könnte es demnächst auch bei der Teststrategie geben, um einer Überlastung der Laborka­pazitäten entgegenzuwirken. Eine Freitestung aus der Quarantäne oder Isolation soll grundsätzlich mit einem Schnelltest statt einem PCR-Test durchgeführt werden. Lediglich bei Beschäftigten der kritischen Infrastruktur wie in Pflegeheimen und Krankenhäusern soll in diesen Fällen noch ein PCR-Test erfolge, hieß es gestern. Zur Teststrategie wurde allerdings kein Beschluss gefasst. Das Thema könnte auf der nächsten GMK noch einmal besprochen werden, sagte eine Sprecherin von Grimm-Benne auf Nachfrage.

Die Laborärzte zeigten sich heute enttäuscht. Man hätte sich von der GMK „auch klare Empfehlungen für die Priorisierung der SARS-CoV-2-Tests – insbesondere bei der Testabnahme – nach der Nationalen Test­strategie für die fachärztlichen Labore als eine wichtige Maßnahme zur Unterstützung gewünscht“, sagte der 1. Vorsitzende der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), Michael Müller.

Die Verkürzung des Genesenenstatus' von sechs auf drei Monate war in der Schalte ebenfalls Thema. Die Länder-Ressortchefs baten das Bundesgesundheitsministerium, Übergangsregelungen für betroffene Personen zu erarbeiten. Diese seien insbesondere für gebuchte Reisen und für den Zugang zu Veranstal­tungen notwendig, sagte Grimm-Benne. „Das ist als Problemstellung erkannt worden.“

Laut Grimm-Benne kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der Schalte an, dass weitere Modellrechnungen durchgeführt würden, wie schnell sich Omikron in Deutschland verbreiten werde. Derzeit gehe man von einer Verdopplung der Zahlen alle sechseinhalb Tage aus, sagte Grimm-Benne. Die Ergebnisse sollen am Wochenende in einer weiteren Konferenz der Gesundheitsminister dis­kutiert werden.

Die Gesundheitsminister der Bundesländer hatten gestern ein weiteres Mal über ihr Vorgehen in der Coronapandemie beraten. Die Videokonferenz stand unter dem Eindruck des starken Anstiegs der Neuinfektionen angesichts der Omikron-Variante von SARS-CoV-2. © dpa/afp/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER