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Medizin

Sepsisverdacht: Wann Neugeborene keine Antibiotika benötigen

Donnerstag, 3. Februar 2022

/LOOKSLIKEPHOTO.COM, stock.adobe.com

Philadelphia – Neugeborene werden nach einer komplizierten Geburt häufig vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Eine Kohortenstudie in Pediatrics (2022; DOI: 10.1542/peds.2021-052900) kommt zu dem Ergebnis, dass dies in vielen Fällen nicht notwendig ist.

Eine Sepsis gehört zu den am meisten gefürchteten Komplikationen bei Neugeborenen. Vor allem die „Early Onset-Sepsis“ (EOS) in den ersten 72 Stunden nach der Geburt kann innerhalb kurzer Zeit tödlich enden. Da die Ergebnisse einer Blutkultur nicht sofort vorliegen, werden viele Neugeborene vorsorglich mit einem Antibiotikum behandelt, was sich dann im Nachhinein meist als unnötig erweist. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für die Nachteile einer Antibiotikabehandlung gestiegen. So kann die Entwicklung der Darmflora, die in den ersten Wochen nach der Geburt erfolgt, nachhaltig geschädigt werden.

Es gibt deshalb Bestrebungen, den Einsatz von Antibiotika zu begrenzen. Dustin Flannery vom Children's Hospital of Philadelphia und Mitarbeiter haben hierzu die Erfahrungen aus 2 Kinderkliniken zu 7.549 Säuglingen ausgewertet, bei denen aufgrund eines Verdachts auf eine EOS eine Blutkultur durchgeführt wurde, eventuell mit zusätzlicher Entnahme einer Liquorprobe. Wie üblich wurde bei den meisten Neu­ge­borenen unmittelbar nach der Punktion eine empirische Antibiotikabehandlung begonnen. Ebenso vorhersehbar war, dass dies in den meisten Fällen unnötig war. Nur in 41 Fällen wurden in den Kulturen Bakterien nachgewiesen.

Flannary definiert nun eine Gruppe von 1.121 Neugeborenen, das sind immerhin 14,8 % der Kohorte, in der sich in keinem einzigen Fall der Verdacht einer EOS bestätigte. Dies waren Kinder, die 1. per Kaiser­schnitt geboren wurden, bei denen 2. zuvor keine Wehen auftraten oder Wehen einleitende Maß­nahmen unternommen wurden, bei denen es 3. zu einem vorzeitigen Blasensprung gekommen war, bei denen 4. keine Fruchtwasserinfektion bestand oder vermutet wurde, und bei denen 5. kein fetaler Distress bestand.

Bei diesen Kindern könnte nach Ansicht von Flannary auch bei einem klinischen Verdacht (der die Blut­kultur veranlasst hatte) auf eine Antibiotikagabe verzichtet werden. Bei den übrigen 6.428 Neugebore­nen (85,2 %) bleibt sie erforderlich, auch wenn die 41 positiven Blutkulturen nur eine Häufigkeit einer EOS von 0,6 % in dieser Gruppe anzeigen. © rme/aerzteblatt.de

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