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Medizin

Eye-Tracking-Systeme ermöglichen die Kommunikation mit Intensivpatienten

Donnerstag, 20. Januar 2022

Kommunikation mittels Eye-Tracking-System: Der Patient gibt über sein Befinden Auskunft, indem er auf dem Monitor zu der jeweiligen Fragestellung einen Skalenwert mit den Augen fixiert./BG Universitätsklinikum Bergmannsheil

Bochum/Hagen – Viele Patienten auf der Intensivstation sind wegen ihrer Erkrankung nicht in der Lage, sich verbal zu äußern. Eye-Tracking-Systeme könnten aber eine Möglichkeit für die Kommunikation sein. Das berichtet eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Chirurgischen Klinik des BG Universitätsklini­kums Bergmannsheil zusammen mit der Psychologischen Fakultät der Fernuniversität Hagen im Journal of Trauma and Acute Care Surgery (2021; DOI: 10.1097/TA.0000000000003494).

Die Arbeitsgruppe der chirurgischen Intensivstation unter der Leitung von Christian Waydhas, Uwe Hamsen und Oliver Jansen bezog in ihre Studie insgesamt 75 Patientinnen und Patienten ein. Die Forscher verwendeten ein Eye-Tracking-System, das auf ein mobiles Haltersystem montiert und in Blickrichtung der betrachtenden Person positioniert wurde.

Das System bestand aus Kameras, Lichtquellen, verschiedenen Bildverarbeitungsalgorithmen und spe­ziel­len Softwareprogrammen, die auf einem handelsüblichen PC installiert waren. Das Prinzip: Licht­quellen senden infrarotnahes Licht aus, welches von den Augen der betrachtenden Person reflektiert wird. Die Kameras erfassen das Auge der Person und das Reflexionsmuster darin. Die Bildverarbei­tungsalgorithmen finden spezifische Details des Auges und des Reflexionsmusters. Aus den gewonnenen Daten errechnet das System die Blickrichtung der betrachtenden Person auf dem Computermonitor: Das System weiß also, wohin sie schaut.

Nach einer kurzen Trainingsphase waren die Patienten in der Lage, das System mittels Blickfixierung zu steuern. Auf dem Monitor wurden im standardisierten Studienprotokoll etablierte Skalen und Scores präsentiert, mit denen die Person ihr Schmerzempfinden, ihre Stimmung, ihre Einschätzung ihrer Lebensqualität und ihres Selbstwertgefühls bewerten sollte.

Es zeigte sich, dass die teilnehmenden Personen trotz vermeintlich adäquater schmerzlindernder Thera­pie und regelmäßiger psychologischer Interventionen Schmerzen hatten und eine traurige Grundstim­mung vorwiesen. Der Gesundheitszustand wurde im Allgemeinen als schlecht bewertet. Bezogen auf das Selbstwertgefühl gaben die meisten Patienten an, sich gefangen oder unsicher zu fühlen, frustriert zu sein und missverstanden zu werden.

„Die Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe zeigen zweierlei: 1., dass Eye-Tracking-Systeme schwer kranken, nicht sprachfähigen und bewegungseingeschränkten Menschen die Möglichkeit geben können, ihrem Umfeld ihre Selbsteinschätzung und Empfindungen anhand von standardisierten Skalen und Scores differenziert zu vermitteln“, erläutert Christopher Ull von der Chirurgischen Klinik des Bergmannsheils. 2. konnten sie durch den Einsatz von Eye-Tracking-Verfahren Hinweise für Verbesserungsmaßnahmen in der intensivmedizinischen Versorgung von verbal eingeschränkten Patienten finden.

„Wir sind überzeugt davon, dass mit dieser Technologie die Interaktion zwischen betroffenen Menschen und behandelndem intensivmedizinischem Team verbessert werden kann“, so Ull. © hil/aerzteblatt.de

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