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Politik

Sexueller Kindesmissbrauch: Neues Portal mit Berichten von Betroffenen

Mittwoch, 19. Januar 2022

/yupachingping, stock.adobe.com

Berlin – Nichts ist eindringlicher und berührender als die Geschichten von Betroffenen sexueller Gewalt; sie sagen so viel mehr aus als wissenschaftliche Berichte. Das hat Brigitte Tilman, Mitglied der Unabhän­gigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs heute bei einer digitalen Pressekon­ferenz betont.

Der Anlass: Unter dem Namen „Geschichten, die zählen“ hat die Kommission ein frei zugängliches Inter­netportal mit 100 biografischen Berichten von Menschen veröffentlicht, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt haben. Weitere Geschichten werden hinzukommen, hieß es aus der Kommission.

„Es ist in diesem Umfang ein in Deutschland und wohl auch international bisher einzigartiges Projekt“, sagte Tilmann. Mit ihren Geschichten legten die Betroffenen ein Zeugnis ab über das erlebte Unrecht und Leid, über die Folgen des Missbrauchs, aber auch über Kraft, Mut und Wege, das Geschehene zu bewäl­tigen. Die 100 Berichten sind Tillmann zufolge bearbeitet worden, der persönliche Schreibstil der Auto­ren jedoch erhalten geblieben.

„Ich habe selbst meine Geschichte vor zwölf Jahren öffentlich gemacht“, berichtete Mathias Katsch, ebenfalls Mitglied der Aufarbeitungskommission, bei der Pressekonferenz. „Das Schreiben kann ein Weg der Bewältigung sein – das Portal ist auf jeden Fall ein Ort der Hoffnung.“

Viele Betroffene schafften es aber nicht über das Erlebte zu sprechen, ihnen stehe das Recht zu, darüber zu schweigen. Die biografi­schen Berichte auf dem Portal ständen daher stellvertretend für die vielen nicht erzählten Geschichten.

Die Namen der Betroffenen aus beiden deutschen Staaten wurden der Aufarbeitungskommission zufolge geändert, nicht aber die Tatbestände: Übergriffe, Schläge und Vergewaltigungen vor allem durch Männer in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen, Jugendorganisationen und Kirchengemeinden.

Die Täter seien überwiegend leibliche Väter, Stiefväter, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer gewesen– die Opfer meist Mädchen und weibliche Jugendliche, aber auch Jungen, die Pädophilen ausgeliefert waren. Fast alle Opfer machten die Erfahrung, dass sie in der Familie und von den Institu­tionen allein gelassen wurden. Hilfe kam manchmal erst über spätere Beziehungen und Therapien.

Die Berichte lassen sich filtern nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik und DDR sowie dem Geschlecht der Opfer.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbei­tung sexuellen Kindesmissbrauchs war 2016 von der Bundes­regierung einberufen worden und veröffent­lichte bereits mehrere Berichte. Bis heute meldeten sich der Kommission zufolge fast 3.000 Betroffene und Zeitzeugen. © PB/aerzteblatt.de

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