NewsMedizinStudie: Kann Sport das Fortschreiten eines Morbus Parkinson verlangsamen?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Kann Sport das Fortschreiten eines Morbus Parkinson verlangsamen?

Mittwoch, 2. Februar 2022

/lordn, stock.adobe.com

Kyoto – Menschen im Frühstadium eines Morbus Parkinson, die regelmäßig sportlich aktiv blieben, konnten in einer Langzeitstudie in Neurology (2022; DOI: 10.1212/WNL.0000000000013218) ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten teilweise über Jahre länger erhalten.

Der Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die langsam, aber unaufhaltsam fort­schreitet. Die Patienten leiden zunächst vor allem unter den motorischen Symptomen der Erkrankung. Später kommen weitere Störungen hinzu, zu denen nicht selten eine Demenz gehört.

Die Symptome sprechen anfangs gut auf L-Dopa und andere Medikamente an. Auch eine tiefe Hirnsti­mulation kann die motorischen Störungen längere Zeit unterdrücken. Es gibt derzeit jedoch keine krank­heitsmodifizierenden Medikamente oder Therapien wie bei der Multiplen Sklerose, die den natür­lichen Verlauf der Erkrankung verlangsamen.

Vor diesem Hintergrund lassen die Ergebnisse einer Langzeitstudie aufhorchen, die ein Team um Kazuto Tsukita von der Universität Kyoto jetzt vorstellt. Die „Parkinson’s Progression Markers Initiative“ (PPMI) begleitet seit 2012 eine Gruppe von Patienten, deren Erkrankungsbeginn weniger als 2 Jahre zurücklag.

Das primäre Ziel der Studie ist die Suche nach Biomarkern, mit denen sich das Fortschreiten der Erkran­kung besser beurteilen und erklären lässt. Die Teilnehmer geben im Verlauf der Zeit regelmäßig in einem PASE-Fragebogen Auskunft zu ihren körperlichen Aktivitäten. Gefragt wird, wie viel Zeit sie in der voran­gegangenen Woche mit Freizeitaktivitäten wie Gehen und Radfahren, mit Haushaltstätigkeiten oder Gartenarbeit verbracht haben und ob sie noch beruflich aktiv sind.

Tsukita hat die Antworten von 237 Teilnehmern mit dem Fortschreiten der Erkrankung verglichen. Die motorischen Funktionen wurden mit der modifizierten Version der „Unified Parkinson's Disease Rating Scale“ (MDS-UPDRS) bewertet, darunter die Haltungs- und Gangstabilität mit dem Subscore „Postural Instability/Gait Disturbance“ (PIGD). Die Aktivitäten des täglichen Lebens wurden mit der „Modified Schwab and England Activities of Daily Living“ (MSE-ADL) erfragt.

Die Forscher verglichen die Parkinsonpatienten auch mit 158 ​​gesunden Kontrollpersonen. Zu Beginn der Studie wiesen die Parkinsonpatienten noch keine deutlichen Beeinträchtigungen der motorischen, kognitiven und autonomen Funktionen auf.

Dies änderte sich in den folgenden 5 Jahren. Während es bei den gesunden Probanden keine Verände­rungen gab, kam es unter den Parkinsonpatienten zu einem kontinuierlichen Rückgang der körperlichen Fähigkeiten. Der PASE-Score fiel pro Jahr um 4,5 Punkte. Eine Ausnahme bildeten die Patienten, die zu Beginn der Erkrankung noch 150 Minuten in der Woche sportlich aktiv waren, wie es neben anderen Organisationen auch die American Academy of Neurology empfiehlt. Diese Patienten blieben in ihren Fähigkeiten lange nicht hinter der Kontrollgruppe zurück.

Bei den anderen Patienten kam es zu einem Rückgang, der allerdings umso geringer ausfiel, je mehr sie körperlich aktiv waren. Ein Einfluss war erkennbar in der Haltungs- und Gangstabilität, den Aktivitäten des täglichen Lebens, aber auch in einem kognitiven Test zur Denkgeschwindigkeit („Symbol Digit Modalities Test“).

Dass die körperliche Aktivität für den langsameren Verlust der motorischen und kognitiven Fähigkeiten verantwortlich ist, kann die Studie natürlich nicht belegen. Wegen der bisher vergeblichen Versuche, den Krankheitsverlauf durch Therapien zu beeinflussen, erscheint eine reverse Kausalität wahrschein­licher.

Es gibt offensichtlich Patienten, bei denen die Krankheit langsamer voranschreitet und die deshalb längere Zeit körperlich aktiv bleiben können. Woran dies liegt, ist derzeit nicht bekannt und Gegenstand der PPMI-Studie, die nach Biomarkern sucht, die die Unterschiede erklären könnten. Für die Patienten bleibt die Hoffnung, dass sie möglichst lange von dem körperlichen und geistigen Verfall verschont bleiben. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER