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Medizin

Studie: Lange Wartezeiten in der Notfallaufnahme erhöhen Sterberisiko

Donnerstag, 20. Januar 2022

/picture alliance, AA, Hasan Esen

Bolton/England – Patienten, die in einer Notfallaufnahme mehr als 5 Stunden warten mussten, bis sie medizinisch versorgt wurden, hatten ein deutlich erhöhtes Risiko, in den folgenden 30 Tagen zu sterben. Dies kam in einer Analyse zum nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) in England im Emergency Medicine Journal (2022; DOI: 10.1136/emermed-2021-212106) heraus.

Lange Wartezeiten in der Notaufnahme sind in Großbritannien seit längerem ein Politikum. Im Jahr 2004 legte das englische Gesundheitsministerium ein 4-Stundenziel fest. Länger sollten Patienten nicht auf ihre Verlegung oder Entlassung warten müssen. Die Regel war zunächst erfolgreich. Der Anteil der Patienten, bei denen das Ziel nicht erreicht wurde, fiel zeitweise auf unter 5 %. Andere Länder des Vereinigten Königreichs sowie Kanada und Australien übernahmen das Modell.

Doch mit der Zeit stieg der Anteil der Übertretungen der 4-Stundenregel wieder an. In den letzten Jahren lag er bei über 15 bis 20 %, und 3,2 % der Patienten warteten 2019-2020 sogar mehr als 12 Stunden auf den Korridoren, bis sich ein Arzt um sie kümmerte.

Für ein Team um den Notfallmediziner Chris Moulton vom Royal Bolton Hospital in Bolton bei Manchester war dies ein Anlass, die Auswirkungen der langen Wartezeiten auf das Sterberisiko zu unter­suchen. Das ist in England leicht möglich, da die „Hospital Episode Statistics“ die Aufenthaltsdauer auf den größeren Notfallambulanzen („type 1 emergency department“) erfasst. Die Mediziner konnten die Daten mit dem Sterberegister abgleichen. Dort fanden sie die Daten zu 433.962 Personen, die innerhalb von 30 Tagen nach ihrem Aufenthalt auf der Notfallaufnahme gestorben waren.

Nach Berücksichtigung einiger potenzieller Risikofaktoren, die ebenfalls in der „Hospital Episode Statistics“ erfasst wurden, konnte Moulton tatsächlich eine Verbindung zwischen der Dauer des Aufent­halts auf der Notfallaufnahme und den Todesfällen herstellen.

Die adjustierte 30-Tage-Mortalität der Patienten, die innerhalb von 4 Stunden versorgt wurden, betrug 8,2 %. Sie stieg bei einer Wartezeit von 4 bis 6 Stunden auf 9,2 %, bei einer Wartezeit von 6 bis 8 Stunden auf 9,9 % und bei einer Wartezeit von 8 bis 12 Stunden auf 10,1 %. Ein signifikanter Anstieg des Sterberisikos war ab einer Wartezeit von 5 Stunden nachweisbar.

Die „Dosisabhängigkeit“ ist ein Hinweis darauf, dass die Wartezeit für die erhöhte Sterblichkeit verant­wortlich ist. Moulton konnte auch eine „Number Needed to Harm“ errechnen: Auf 82 Patienten, die 6 bis 8 Stunden in den Notfallaufnahmen ausharren mussten, kam ein zusätzlicher Todesfall. Unter den Patienten, die 8 bis 12 Stunden warten mussten, sank die „Number Needed to Harm“ auf 72, was eine weitere Verschlechterung anzeigt. © rme/aerzteblatt.de

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