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Ärzteschaft

Ruf nach routinemäßigem Ernährungsscreening bei Klinikaufenthalt

Mittwoch, 19. Januar 2022

/karrastock, stock.adobe.com

Berlin – Menschen, die wegen akuter oder chronischer Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, sollten in diesem Zusammenhang ein Ernährungsscreening erhalten und bei Bedarf ernäh­rungs­medizinisch betreut werden. Dafür hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) ausgesprochen.

Krebserkrankungen, Entzündungen, Krankheiten der Verdauungsorgane, aber auch Nebenwirkungen von Medikamenten, können den Appetit oder die Nährstoffaufnahme so stark beeinträchtigen, dass Mangel­zu­stände drohen, warnt die Fachgesellschaft.

„In die Bewertung des Ernährungszustandes sollte auch die Gewichtsentwicklung der vergangenen Tage oder Wochen, das aktuelle Essverhalten sowie der Allgemeinzustand des Patienten einfließen“, forderte die DGEM-Präsidentin Anja Bosy-Westphal.

Ein solches Screening nehme nur wenige Minuten in An­spruch und sollte spätestens innerhalb von zwei Tagen nach jeder stationären Neuaufnahme vorgenom­men werden, betonte sie. Hintergrund sei, dass verschiedene US-amerikanische und europäische Studien gezeigt hätten, dass bis zu einem Drittel der stationären Patientinnen und Patienten von Mangelernäh­rung bedroht seien.

Die Ursachen seien vielfältig – mangelnder Appetit aufgrund von Schluckbeschwerden, Übelkeit, hormo­nellen Störungen, Entzündungen oder Therapienebenwirkungen könnten ebenso zugrunde liegen wie ein erhöhter Energieverbrauch, Verdauungsstörungen mit verminderter Nährstoffaufnahme oder ein hormonell, durch Immunprozesse oder durch Bettlägerigkeit gesteigerter Muskelabbau.

„Entsprechend unterschiedlich kann auch der individuelle Nährstoffbedarf sein“, so Bosy-Westphal. In einem Ernährungsplan werde deshalb detailliert festgehalten, wie viel Kalorien, Mikronährstoffe und insbesondere wie viel Eiweiß ein Patient benötige.

Autoren um Michael Adolph wiesen in einem Übersichtsbeitrag im Deutschen Ärzteblatt Anfang des Jahres daraufhin, dass in hiesigen Kliniken rund jeder fünfte Patient schwer und weitere 15 Prozent mäßig mangelernährt seien.

„Mangelernährte Patienten waren signifikant länger im Krankenhaus als nicht mangelernährte“, berich­ten die Autoren. Dies sei allerdings bereits seit Jahren bekannt. „Offensichtlich hat man in den zurück­lie­genden Jahren trotz unterschiedlicher Bemühungen keine wesentlichen Verbesserungen erzielt“, so ihr Fazit. Ein Grund dafür sei, dass sich Ernährungstherapie kaum erlösrelevant abbilden lasse, berichten sie. © hil/aerzteblatt.de

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