NewsMedizinCOVID-19: Milde Erkrankung kann bei jungen Menschen Gedächtnis und Aufmerksamkeit über Monate stören
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COVID-19: Milde Erkrankung kann bei jungen Menschen Gedächtnis und Aufmerksamkeit über Monate stören

Mittwoch, 19. Januar 2022

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Oxford – Eine Gruppe jüngerer Menschen, die nur leicht an COVID-19 erkrankt waren und über keine Long-COVID-Symptome klagten, zeigte in Tests Störungen der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses. Dies kam in einer Kohortenstudie in Brain Communications (2022 DOI: 10.1093/braincomms/fcab295) heraus. In einem Gedächtnistest erzielten die Patienten im Alter von Ende 20 auch Monate nach ihrer überstandenen Erkrankung keine besseren Ergebnisse als gesunde über 60-Jährige.

Viele Menschen erholen sich nur langsam von COVID-19. Einige klagen auch Monate nach dem Ende der akuten Infektion über eine Einschränkung ihrer kognitiven Fähigkeiten. Zu dem umgangssprachlich als „Brain Fog“ bezeichneten Symptomkomplex des Long-COVID-Syndroms gehören Konzentrationsschwie­rig­keiten, Vergesslichkeit und Abgeschlagenheit.

Die meisten der 53 Probanden im Alter von durchschnittlich 28 Jahren, die Psychologen des Nuffield Department of Clinical Neurosciences der Universität Oxford eingehender untersuchten, fühlten sich dagegen wieder fit. Ihre COVID-19-Erkrankung lag im Durchschnitt 163 Tage zurück, sie war in der Regel mild verlaufen.

Nur 3 Teilnehmer waren wegen COVID-19 ins Krankenhaus eingeliefert worden, 7 Teilnehmer hatten schwere COVID-19-Symptome, die ihre alltäglicher Aktivitäten vorübergehend stark eingeschränkt hatten. Nur 2 Teilnehmer berichteten, dass sie starke Long-COVID-Symptome gehabt hatten. Zum Zeit­punkt der Untersuchung waren jedoch alle Teilnehmer in verschiedenen Fragebögen zu Fatigue, Gedächt­nis, Apathie, Bewusstsein, Depressionen und Motivation auf gleicher Ebene wie eine Kontroll­gruppe von 83 Gleichaltrigen, die niemals an COVID-19 erkrankt waren.

Auch in den meisten neurokognitiven Tests waren die Ergebnisse normal. Im Arbeitsgedächtnis, in den exekutiven Funktionen und im logischen Denken gab es keine Auffälligkeiten. In 2 Tests fanden Sijia Zhao und Mitarbeiter jedoch Defizite. Dies war einmal eine Störung der Aufmerksamkeit. Sie zeigte sich in einem Test zur Vigilanz. Die Probanden sahen wechselnd Zahlen auf dem Bildschirm, sollten aber nur bei bestimmten Zahlen die Leertaste drücken. Dies schafften die Long-COVID-Patienten zunächst noch annähernd so gut wie die Vergleichsgruppe. Nach etwa 3 Minuten stieg die Fehlerrate deutlich an. Dies ist ein Zeichen, dass die Konzentration früher nachließ als in der Kontrollgruppe.

Das 2. Defizit wurde in Gedächtnistests gefunden. In einem Test sollten sich die Probanden möglichst viele von 20 nacheinander gezeigten Gegenständen (zum Beispiel Löffel) merken und dazu noch Einzelheiten wie Lage oder Aussehen, die am Ende abgefragt wurden. Unmittelbar nach dem Test konnten sich die Long-COVID-Patienten noch gut an die Gegenstände und ihre Eigenschaften erinnern. Nach einer kurzen Pause hatten sie jedoch mehr vergessen als die Kontrollgruppe.

In einem 2. Test sollten sie sich möglichst viele von 24 Worten merken. Auch hier erzielten die Long-COVID-Patienten zunächst gleich gute Ergebnisse. Nach etwa einer halben Stunde hatten sie jedoch mehr Wörter vergessen als die Kontrollgruppe. Dieses raschere Vergessen hatten die Forscher in einer früheren Studie auch bei 52 älteren gesunden Menschen (Durchschnittsalter 67,4 Jahre) beobachtet. Die jungen Long-COVID-Patienten erzielten in etwa dieselben Ergebnisse. Einziger Unterschied zu den älteren Menschen war, dass sie ihre Tests schneller absolvierten.

Die schlechteren Ergebnisse in den Vigilanz- und Gedächtnistests korrelierten mit der Schwere früherer Long-COVID-Symptome. Sie waren aber auch bei der Mehrzahl der Patienten nachweisbar, die keine Nachwirkungen der Erkrankung bemerkt hatten.

Die Defizite waren am stärksten bei den Patienten, deren COVID-19-Erkrankung noch nicht lange zurück­lag, und sie nahmen mit zunehmendem Abstand von der Erkrankung ab. Zhao geht deshalb davon aus, dass sich die jungen Personen mit der Zeit wieder vollständig erholen werden. Die Aufmerksam­keits­defizite hielten im Durchschnitt 6 Monate und die Gedächtnisstörungen 9 Monate an.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass die Angaben zu den früheren COVID-19-Erkrankungen nicht überprüft wurden und die Teilnehmerzahl relativ gering war. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER