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Medizin

Intensivpatienten profitieren nicht von balancierter Vollelektrolytlösung

Freitag, 21. Januar 2022

/waranyu, stock.adobe.com

Newtown – Eine Infusionstherapie mit einer balancierten Vollelektrolytlösung (BVEL) bietet auf der Intensivstation offenbar keinen Vorteil gegenüber dem Einsatz von 0,9 prozentiger Kochsalzlösung. Weder das Sterberisiko noch das Auftreten akuter Niereninsuffizienzen seien bei intensivpflichtigen Patienten, die die BVEL erhalten hatten, reduziert gewesen, berichten die Autoren einer randomisiert-kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2114464).

Saline bzw. 0,9 prozentige Kochsalzlösung ist weltweit die am meisten eingesetzte Infusionslösung bei inten­siv­pflichtigen Patienten. Allerdings ergaben Studien Hinweise darauf, dass Kochsalzlösung das Risiko für eine akute Niereninsuffizienz erhöhen könnte – und in einigen Kohorten sogar das Sterberisiko.

„Dies hat zum zunehmenden Einsatz balancierter Elektrolytlösungen geführt“, schreiben Simon Finfer vom George Institute for Global Health in Newtown, Australien, und seine Kollegen.

Doch ob balancierte Lösungen das Outcome von Patienten auf der Intensivstation tatsächlich verbes­sern, war unklar. Kleinere Studien kamen dahingehend zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Vergleich bei mehr als 5.000 Intensivpatienten

Finfer und seine Kollegen verglichen die Infusionstherapie mit einer BVEL (PlasmaLyte 148) oder einer 0,9 prozentigen Kochsalzlösung bei mehr als 5.000 Patienten, die in Australien und Neuseeland auf Intensiv­stationen behandelt wurden.

In den 90 Tagen nach der Randomisierung starben in der BVEL-Gruppe 21,8 % der Patienten, in der Gruppe mit Kochsalzlösung betrug die Sterberate in diesem Zeitraum 22,0 %. Der Unterschied von 0,15 %-punkten war statistisch nicht signifikant.

Kein Einfluss auf Nierenfunktion

„Die Verwendung von 0,9 prozentiger Kochsalzlösung resultierte zwar in signifikant höheren Chlorid­spiegeln und einem niedrigeren pH-Wert, hatte aber keinen Einfluss auf die Nierenfunktion“, berichten die Autoren.

Mit einer Nierenersatztherapie mussten in den 90 Tagen nach Randomisierung 12,7 % der Patienten in der BVEL-Gruppe und 12,9 % der Patienten in der Gruppe mit Kochsalzlösung beginnen. Auch hier war der Unterschied von 0,20 %-punkten statistisch nicht von Bedeutung.

In der BVEL-Gruppe stieg der Kreatininspiegel im Schnitt um maximal 36,6±94,0 μmol/Liter. In der Gruppe mit Kochsalzlösung waren es maximal 36,1±90,2 μmol/Liter – ein ebenfalls nicht signifikanter Unterschied von 0,5 µmol/Liter.

BVEL und Kochsalzlösung ähnlich verträglich

Auch die Überlebenszeit, die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus sowie die die Zahl der (schweren) Nebenwirkungen habe sich nicht bedeutsam zwischen den beiden Gruppen unter­schie­den, schreiben die Autoren um Finfer.

Die Autorengruppe weist darauf hin, dass sich ein möglicher Vorteil von BVEL bei speziellen Patienten­gruppen nicht ausschließen lasse. Bei Menschen mit diabetischer Ketoazidose etwa könnte die balan­cierte Vollelektrolytlösung zu einem rascheren Rückgang der Azidose führen und die Behandlungsdauer auf der Intensivstation beziehungsweise im Krankenhaus verkürzen.

Deshalb seien, so Finder und seine Kollegen, weitere Studien erforderlich, um herauszufinden, ob Patienten mit bestimmten Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen von einer Infusionstherapie mit BVEL profitieren würden. © nec/aerzteblatt.de

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