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Medizin

Mütter mit COVID-19 können bedenkenlos stillen

Donnerstag, 20. Januar 2022

/oksix, stock.adobe.com

San Diego – Es gibt keine Hinweise darauf, dass Mütter, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, durch das Stillen die Viren auf das Kind übertragen. Das berichten Mediziner im Fachblatt Pediatric Research (2022; DOI: 10.1038/s41390-021-01902-y).

Die Studie ist sehr klein. Sie bestätigt aber Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der deutschen Nationalen Stillkommission. Infizierte Mütter sollten beim Stillen indes einige Vorsichts­maßnahmen beachten.

Konkret untersuchte ein Team um den Kindermediziner Paul Krogstad von der US-amerikanischen Uni­ver­sity of California Muttermilchproben von 110 stillenden Frauen, die diese zwischen März und Sep­tember 2020 an das Projekt „Mommy's Milk Human Milk Biorepository“ der Universität gespendet hatten. Von diesen Frauen wiesen 65 einen positiven PCR-Test auf, 9 zeigten trotz negativen Tests Symptome und 36 waren symptomatisch, wurden aber nicht getestet.

Bei der Analyse der Proben fanden die Mediziner zwar in der Muttermilch von 7 Frauen (6 %), die ent­weder positiv getestet wurden oder angegeben hatten, symptomatisch zu sein, genetisches Material von SARS-CoV-2. Allerdings konnten sie kein infektiöses SARS-CoV-2-Genmaterial, sogenannte subgenomi­sche RNA (SgRNA), feststellen. Diese SgRNA ist ein Indikator dafür, ob sich das Virus aktiv vermehrt.

Ebenso gab es bei keinem der Säuglinge dieser 7 Mütter klinische Anzeichen einer Coronainfektion. Da­rü­ber hinaus enthielt eine 2. Muttermilchprobe der Frauen, die zwischen 1 und 97 Tagen später ent­nommen wurde, auch keine SARS-CoV-2-RNA mehr.

Aus ihren Beobachtungen folgern die Mediziner, dass Frauen, die mit COVID-19 infiziert sind und ihr Kind stillen, kein Risiko haben, das Virus über die Muttermilch zu übertragen – eine Sorge, die mit Blick auf andere Erreger durchaus nachvollziehbar ist.

So ist etwa von HI-, Ebola- oder Humanen T-lymphotropen Viren bekannt, dass diese übers Stillen aufs Baby übertragen werden können. Dem gegenüber werden etwa Hepatitisviren nach bisherigen Erkennt­nissen nicht über die Muttermilch an Kinder weitergegeben.

„Muttermilch ist eine unschätzbare Nahrungsquelle für Säuglinge“, sagte Hauptautor Krogstad und fasst zusammen: „In unserer Studie fanden wir keine Hinweise darauf, dass die Muttermilch von mit Corona infizierten Müttern infektiöses genetisches Material enthielt, und es gab auch keine klinischen Anzeichen dafür, dass sich die Säuglinge infiziert hatten, was darauf hindeutet, dass das Stillen wahrscheinlich keine Gefahr darstellt.“

Allerdings weisen die Autoren selbst darauf hin, dass die Stichprobengröße in ihrer Studie gering sei und möglicherweise nicht alle potenziellen Faktoren erfasst worden seien, die das Vorhandensein von SARS-CoV-2-RNA in der Muttermilch vorhersagen würden. Nichtsdestotrotz handele es sich um die derzeit größ­te Untersuchung zu diesem Thema.

Zudem passt ihr Ergebnis zu früheren Veröffentlichungen: So hatten beispielsweise italienische Medizi­ner 2021 im Fachblatt JAMA Network Open von 21 Neugeborenen berichtet, deren Mütter sich in der späten Schwangerschaft mit COVID-19 angesteckt hatten.

Keines der Babys zeigte in den ersten beiden Monaten nach der Geburt Symptome. Zudem waren bei gestillten Kindern deutlich höhere Mengen spe­zi­fischer Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisbar als bei solchen, die Säuglingsnahrung bekommen hatten.

Auf Basis der bisherigen Erkenntnisse raten sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die deutsche Nationale Stillkommission (NSK) am Max-Rubner-Institut Müttern, während einer Coronainfek­tion weiter zu stillen, dabei jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Mütter, die mit Corona infiziert oder möglicherweise infiziert seien, sollten beim Stillen durch gründ­li­ches Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Kind und durch Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Virusübertragung minimieren, heißt es dazu in einer NSK-Stellungnahme.

Zudem werde für infizierte oder möglicherweise infizierte Personen, die mit Kindern in Kontakt stehen, das Reinigen und/oder Desinfizieren von kontaminierten Oberflächen empfohlen. © dpa/aerzteblatt.de

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