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Medizin

Erneute Xenotransplantation: Hirntoter erhält Schweinenieren

Freitag, 21. Januar 2022

/SciePro, stock.adobe.com

Birmingham/Alabama – Ein weiteres Mal berichten US-Mediziner über eine Xenotransplantation unter Verwendung von Schweineorganen von genmodifizierten Tieren der Firma Revivicor.

Nach den jetzt im American Journal of Transplantation (2022: DOI: 10.1111/ajt.16930) veröffentlichten Ergebnissen war die Transplantation von 2 Nieren an einen hirntoten Patienten nur teilweise erfolgreich. Die Organe wurden zwar nicht erkennbar abgestoßen, die Kreatinin-Clearance hat sich jedoch nicht erholt.

Die Organe der Firma Revivicor werden offenbar an verschiedenen Kliniken für Experimente am Men­schen verwendet. Anfang letzter Woche hatten Mediziner in Baltimore in einer Pressemitteilung be­kannt gegeben, dass Herzchirurgen einem 57-jährigen Patienten ein Herz von GalSafe-Schweinen implantiert haben. Der Patient ist nach 11 Tagen weiter am Leben, wird laut Presseberichten jedoch noch in der Klinik überwacht.

Im Herbst letzten Jahres hatte ein Ärzteteam um Robert Montgomery am Langone Trans­plant Institute der New York Uni­versität in Man­hattan bereits eine Niere der gleichen GalSafe-Schweine mit dem Kreis­lauf einer hirntoten Frau verbunden. Das Organ war auf dem Oberschenkel befestigt worden und hatte danach über 54 Stunden Urin produziert.

Im Dezember teilte die Klinik mit, dass die Chirurgen das Experiment an einem 2. Patienten wiederholt hätten. Auch dieses Mal soll das Spenderorgan über 53 Stunden das Blut des hirntoten Patienten gefil­tert haben. Laut der Pressemitteilung sollen die Kreatininspiegel stabil geblieben sein. Montgomery hat seine Erfahrungen bisher nicht publiziert.

Die 1. wissenschaftliche Publikation kommt von einem Ärzteteam um Jayme Locke von der Universität von Alabama in Birmingham. Dort war im letzten Jahr ebenfalls eine Xenotransplantation mit Schweine­nieren der Firma Revivicor durchgeführt worden. Im Unterschied zu den Experimenten in New York wurden die Nieren nicht an den, sondern in den Körper der hirntoten Person transplantiert und gegen die körpereigenen Nieren ausgetauscht.

In diesem „präklinischen Test am Menschen“ sollte einmal untersucht werden, ob das Xenotransplantat vom Körper akzeptiert wird. Dies war offenbar der Fall. Die vaskulären Anastomosen hielten laut der Studie über die gesamte Dauer des Experiments von 77 Stunden dicht. Der Kreislauf des Patienten blieb stabil. Die beiden Nieren wurden durchblutet und begannen nach 23 Minuten mit der Urinproduktion.

Laut den Forschern kam es zu keiner hyperakuten Abstoßungsreaktion. Die seriellen Biopsien hatten jedoch gezeigt, dass es zu einer thrombotischen Mikroangiopathie gekommen war. Dies könnte erklären, warum es trotz der Urinproduktion zu einem Anstieg des Kreatinins kam. Dies bedeutet, dass „UKidney“ doch noch kein vollständiger Ersatz einer menschlichen Niere ist. Locke will jedoch nicht ausschließen, dass die fehlende Nierenleistung auf den hirntoten Zustand des Patienten zurückzuführen war. In der Pressemitteilung gibt sich der Chirurg optimistisch, dass schon bald mit klinischen Studien begonnen werden kann.

Die 1. Xenotransplantationen von Nieren liegen übrigens fast 60 Jahre zurück. An der Tulane University hatte 1963-64 ein Chirurg Schimpansennieren in 13 Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium transplantiert. Trotz der engen evolutionären Verwandtschaft zwischen Schimpansen und Menschen überlebte kein Patient diese verzweifelte Operation länger als 9 Monate, und fast alle starben innerhalb weniger Wochen. Seit der Entwicklung der modernen Dialyse wurden keine weiteren Xenotransplanta­tionen mehr versucht. © rme/aerzteblatt.de

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