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Medizin

Typ-1-Diabetes: Künstliche Pankreas verbessert Blutzucker­einstellung bei Patienten im Vorschulalter

Freitag, 4. Februar 2022

/natali_mis, stock.adobe.com

Cambridge – Eine App, die die Ergebnisse einer kontinuierlichen Glukosemessung selbständig für die Steuerung einer Insulinpumpe nutzt, hat in einer randomisierten Studie die Blutzuckereinstellung von Vorschulkindern mit einem Typ-1-Diabetes verbessert. Das sogenannte hybride „Closed-Loop-System“ wurde nach dem Bericht im New England Journal of Medicine (2022; DOI: 10.1056/NEJMoa2111673) von den betreuenden Eltern gut angenommen.

Die Behandlung eines Typ-1-Diabetes im Vorschulalter ist für Ärzte und Eltern eine besondere Herausfor­derung. Der Insulinbedarf kann infolge der unvorhersehbaren Ess- und Aktivitätsmuster der kleinen Kinder sehr stark schwanken.

Vor dem Hintergrund einer in dem jungen Alter sehr hohen Insulinwirkung kann dies schnell zu einer Hypoglykämie führen, deren Warnsymptome die Kinder noch nicht einschät­zen können. Entsprechend hoch sind die Ängste der Eltern. Ihr Erziehungsstress steigt auch durch die Notwendigkeit der regel­mäßigen Insulininjektionen und Blutzuckerkontrollen. Die jüngsten Patienten sind deshalb häufig die ersten, die mit einer Insulinpumpe und einem Sensor zur kontinuierlichen Glukosemessung ausgerüstet werden.

Bei einem hybriden „Closed-Loop-System“ werden beide Geräte über einen Algorithmus miteinander verbunden, der den Bedarf ermittelt und die notwendige Insulinmenge injiziert, wobei „hybrid“ bedeutet, dass die Patienten – bei Kleinkindern noch mit Unterstützung der Eltern – dem System die geplanten Mahlzeiten ankündigen müssen. Ein Großteil der Arbeit übernimmt jedoch die Software. In der „KidsAP02“-Studie war dies eine von Roman Hovorka von der Universität Cambridge entwickelte App für ein Tablet, das den Eltern zur Verfügung gestellt wurde und drahtlos mit Glukosesensor und Insulinpumpe verbunden war.

An der von der Europäischen Kommission finanzierten Studie beteiligten sich 8 Zentren aus England, Luxemburg, Österreich und Deutschland (Leipzig) mit insgesamt 74 Patienten im Alter von 1 bis 7 Jahren, die in einer Crossoverstudie für 16 Wochen das hybride Closed-Loop-System benutzten. Die Erfahrun­gen wurden mit einer Kontrollphase von 16 Wochen mit Glukosesensor und Insulinpumpe, aber ohne App verglichen.

Eine wichtige Frage in diesem Alter ist natürlich, ob die Eltern für die Veränderung bereit sind. Dies war offenbar gegeben, denn das System war 95 % der Zeit eingeschaltet – und es hat die Blutzuckereinstel­lung der Kinder verbessert. Primärer Endpunkt der Studie war der Anteil der Zeit, in der sich der gemes­sene Glukosewert in einem Bereich von 70 bis 180 mg/dl bewegte. Dies war mit der App-Unterstützung zu 71,6 % der Fall gegenüber 62,9 % in der Zeit ohne App. Der Vorteil von 8,7 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 7,4 bis 9,9 %-Punkten hoch signifikant.

Dies war vor allem auf die Vermeidung von Hyperglykämien zurückzuführen. Hier kam es zu einen Rück­gang um 8,5 %-Punkte (7,1 bis 9,9 %-Punkte). Die Hypoglämiezeiten wurden dagegen nicht verkürzt: Der Blutzucker war mit dem hybriden „Closed-Loop-System“ zu 2,6 % der Zeit unter 63 mg/dl. Ohne „hybrides Closed-Loop-System“ war dies in 2,4 % der Zeit der Fall. Werte unter 54 mg/dl wurden in 1,0 % bezie­hungs­weise 0,9 % der Zeit gemessen. Die Unterschiede waren auch in einer AUC-Analyse („area under the curve“), die die Dauer der Hypoglykämien misst, nicht signifikant.

Bei einem Kind kam es während der Nutzung des hybriden „Closed-Loop-Systems“ zu einer klinischen Hypoglykämie mit Krampfanfall. Die Eltern hatten gegen den Rat der Ärzte den nächtlichen Zielwert auf 80 mg/dl eingestellt und dann nicht auf den Audioalarm des Glukosesensors im Abstand von 5 Minuten über 3 Stunden reagiert.

Die insgesamt niedrigeren Blutzuckerspiegel wirkten sich günstig auf den HbA1c-Wert aus. Er sank von 7,0 % auf 6,6 %. Die Differenz von 0,4 %-Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,3 bis 0,5 %-Punkten signifikant.

Der Vorteil mag gering erscheinen. Aus diabetologischer Sicht ist jedoch eine gute Blutzuckereinstellung im Vorschulalter besonders wichtig, da sich das Gehirn in dieser Zeit noch entwickelt und anfällig für Stö­rungen ist. Frühere Studien haben gezeigt, dass sich vor allem Hyperglykämien schädlich auswirkt und mit niedrigeren IQ-Werten im späteren Leben verbunden sein kann. © rme/aerzteblatt.de

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