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Medizin

Erdnussallergie: Orale Immuntherapie erzielt bei kleineren Kindern (häufiger) Remissionen

Freitag, 11. Februar 2022

/Tanawut, stock.adobe.com

Little Rock/Arkansas – Eine orale Immuntherapie, die bei älteren Kindern und Erwachsenen häufig eine Desensibilisierung einer Erdnussallergie erreicht, hat sich in einer randomisierten Studie auch bei Kindern im Alter von 1 bis 3 Jahren als effektiv erwiesen. Die Erfolgsrate könnte nach den im Lancet (2022; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)02390-4) publizierten Zahlen sogar höher sein als bei älteren Kindern.

In den USA erkranken etwa 2 % aller Kinder an einer Erdnussallergie. Bei den meisten bleibt die Allergie lebenslang bestehen. Viele Betroffene leben in ständiger Angst, beim versehentlichen Verzehr von erdnusshaltigen Nahrungsmitteln eine lebensgefährliche Anaphylaxie zu erleiden.

In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass eine orale Immuntherapie häufig erfolgreich ist. In der PALISADE-Studie tolerierten 2/3 der Erdnussallergiker im Alter von 4 bis 55 Jahren nach einer Desensi­bilisierung eine Exposition von 600 mg Erdnussprotein. Das Präparat wurde vor 2 Jahren von der FDA für diese Altersgruppe zugelassen.

Das US-amerikanische „Immune Tolerance Network“ hat in einer randomisierten Studie untersucht, ob eine orale Immuntherapie auch bei jüngeren Kindern durchgeführt werden kann. An der Studie nahmen an 5 Zentren 146 Kinder im Alter von median 39,3 Monaten teil, deren tolerierte Erdnussproteinmenge im Durchschnitt bei 25 mg lag.

Kinder mit schweren Anaphylaxien in der Vorgeschichte waren von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Kinder wurden auf 2 Gruppen randomisiert. Eine Gruppe sollte täglich eine bestimmte Dosis Erdnuss­mehl verzehren, an die andere Gruppe wurde Hafermehl verteilt.

In den ersten 30 Wochen wurde die tägliche Dosis zunächst langsam von 0,1 mg auf 6,0 mg und danach in größeren Schritten auf bis zu 2.000 mg gesteigert. Das Ziel war 1 Mindestdosis von 250 mg am Tag. Die Dosis wurde in einer anschließenden Phase über 2 Jahre konstant gehalten.

Am Ende dieser Phase wurde eine doppelblinde placebokontrollierte orale Nahrungsmittelprovokation (DBPCFC) durchgeführt mit einer Exposition mit bis zu 5 Gramm. In der aktiven Gruppe bestanden 68 von 96 Kindern (71 %) den Allergietest. In der Placebogruppe blieb nur 1 von 50 Kindern ohne aller­gische Reaktion (2 %). Die Risikodifferenz von 69 %-Punkten war nach der Berechnung des Teams um Stacie Jones vom Arkansas Children’s Hospital in Little Rock mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 59 bis 79 %-Punkten hoch signifikant.

Die Kinder wurden ein halbes Jahr nach dem Ende der Behandlung erneut untersucht. In dieser Zeit sollten sie eine Exposition mit Erdnüssen komplett vermeiden. Danach wurde erneut eine DBPCFC durchgeführt. Dieses Mal bestanden in der aktiven Gruppe 20 von 96 Kindern (21 %) den Allergietest gegenüber 1 von 50 Kindern in der Placebogruppe (2 %). Die Risikodifferenz von 19 %-Punkten (10-28 %-Punkte) war weiterhin signifikant. Die mediane tolerierte Dosis betrug 755 mg gegenüber 0 mg in der Placebogruppe.

Damit hatte 1 von 5 Kindern das Ziel einer Remission erreicht. Eine Post hoc-Analyse ergab, dass die Remissionsrate bei den jüngsten Kindern am höchsten war. Sie betrug im 2. Lebensjahr (12-24 Monate) 71 % und sank im 3. Lebensjahr (14-26 Monate) auf 35 %. Im 4. Lebensjahr (36-48 Monate) erzielten noch 19 % der Kinder eine Remission. Neben einem jungen Alter war ein niedriger Titer von Erdnuss-spezifischen IgE ein guter Prädiktor für eine Remission.

Bei den meisten Teilnehmern kam es im Verlauf der Behandlung zu mindestens zu einer Reaktion auf die applizierte Erdnussproteindosis (Dies war allerdings auch bei 80 % der Teilnehmer in der Placebogruppe der Fall). Am häufigsten waren Hautreaktionen einschließlich Urtikaria, Hautausschläge, Hautrötung (88 % versus 58 % in der Placebogruppe), Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Magenschmerzen, Juckreiz im Mund (78 % versus 54 % in der Placebogruppe) sowie Atemwegssymptome einschließlich Rhinitis, Husten und Keuchen (75 % versus 44 % in der Placebogruppe).

Auch zum Notfallset mit Epinephrin griffen die Eltern von 61 Kindern insgesamt 109 mal (in der Place­bo­gruppe 58 mal bei 35 Kindern). Notwendig war der Einsatz nach Einschätzung der Studienärzte nur bei 21 Kindern bei 34 Reaktionen.

Die Ergebnisse der Studie deuten nach Ansicht von Anthony Fauci, dem Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), das die Studie gesponsert hat, auf ein Zeitfenster in der frühen Kindheit hin, in dem die Chancen auf eine Remission der Erdnussallergie am höchsten sind.

Obwohl die Behandlung in jedem Alter nicht ohne ein gewisses Risiko auf allergische Reaktionen ist, könnte sie eine sinnvolle Option auch für sehr junge Kinder mit Erdnussallergie sein, findet auch der Editorialist Matthew Greenhawt von der Kinderklinik der Universität von Colorado in Aurora.

© rme/aerzteblatt.de

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