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Ausland

Länder wie Spanien wollen Corona als endemische Krankheit einstufen

Montag, 24. Januar 2022

/picture alliance, ASSOCIATED PRESS, Paul White

Madrid – Derzeit infizieren sich in Europa täglich so viele Menschen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 wie nie zuvor. Dennoch haben einige Länder damit begonnen, COVID-19 wie andere endemische Krank­heiten ähnlich der Grippe zu behandeln – allen voran Spanien. Die WHO jedoch warnt: Für diesen Ansatz ist es nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation noch zu früh.

Die linksgerichtete spanische Regierung setzt sich dafür ein, COVID-19 als endemische Krankheit einzu­stu­fen, mit deren saisonalen Ausbrüchen die Menschen leben können und die das Gesundheitssystem nicht überlasten. Dieser Schritt sei „an der Zeit und notwendig“, sagte Spaniens Gesundheitsministerin Carolina Darias.

Die Voraussetzungen für einen solchen Strategiewechsel sind in Spanien besser als beispielsweise in Deutschland: 90,5 Prozent der Bevölkerung über zwölf Jahren sind in dem südeuropäischen Land voll­stän­dig geimpft – das ist eine der höchsten Impfquoten weltweit.

Trotz Rekorden bei den Neuinfektionen aufgrund der Omikron-Welle sterben weniger Menschen als bei den früheren Virusvarianten und die Zahl der Krankenhauseinweisungen sinkt. Einige Länder lockern bereits die Beschränkungen und verkürzten Isolationszeiten.

„Da COVID endemisch wird, müssen wir die gesetzlichen Vorschriften durch Ratschläge und Empfeh­lun­gen ersetzen“, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am vergangenen Mittwoch und kündigte an, dass die meisten Coronamaßnahmen bald aufgehoben würden.

„Wir müssen lernen, mit COVID zu leben“ hatte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid bereits An­fang des Jahres argumentiert. „Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei“, mahnt hingegen WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Es könnten immer neue Virusvarianten auftauchen.

Endemie bedeute aber keinesfalls, dass die Krankheit harmlos sei, stellt der WHO-Direktor für Nothilfe, Michael Ryan, klar. Das mache das Beispiel der in vielen Regionen endemischen Malaria deutlich. Die Debatte um COVID-19 als endemische Krankheit wecke „falsche Hoffnungen“, warnt auch Fernando García, Forscher an Spaniens Nationalem Zentrum für Epidemiologie.

„Wir bewegen uns tatsächlich darauf zu, dass das Virus endemischer wird, aber wir können nicht sagen, dass wir dieses Stadium bereits erreicht hätten“, sagte Marco Cavaleri von der Europäischen Arzneimittel­agentur (EMA). Wann dieser Punkt erreicht wird, lässt sich nicht an einer bestimmten Zahl von Fällen festmachen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht auch davon aus, dass COVID-19 irgendwann ende­misch wird. Für ihn ist dies aber ein Grund mehr, jetzt Schutzmaßnahmen wie eine allgemeine Impf­pflicht voranzutreiben. „Wenn alles gut geht und es uns gelingt, mit einer Impfpflicht die Impflücken zu schließen, können wir in diesem Jahr in eine endemische Lage übergehen“, sagte er Anfang Januar in einem Zeitungsinterview.

Wenn das Coronavirus wirklich endemisch wird, „werden die meisten Menschen milde Symptome haben“ und nur wenige werden an Komplikationen sterben, sagt Epidemiologe García. In einer solchen Situation werde „es nie vorkommen, dass ein Viertel der Betten auf Intensivstationen mit COVID-19-Patienten be­legt sind, nicht einmal fünf Prozent“. Derzeit sind in Spanien mehr als 23 Prozent der Intensivbetten mit Coronapatienten belegt.

Dennoch unterstützen auch einige Mediziner in Spanien den Kurs der Regierung. „Hören wir auf, gesunde Menschen mit leichten Symptomen zu testen, hören wir auf, ihre Kontakte zu verfolgen, geben wir die Isolation und Quarantäne auf“, fordert beispielsweise der spanische Ärzteverband SemFYC, der 19.000 Allgemeinmediziner vertritt. „All diese Maßnahmen sind mit der erworbenen Immunität – sowohl durch Infektion als auch Impfung – und der Ankunft von Omikron sinnlos geworden.“ © afp/aerzteblatt.de

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