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Medizin

US-Studie: 1. Lockdown hat etwa 1 Million Menschenleben gerettet

Montag, 24. Januar 2022

/Irina, stock.adobe.com

Ann Arbor – Der Lockdown während der 1. Coronawelle hat im letzten Frühjahr in den USA vielen Men­schen das Leben gerettet. Die wirtschaftliche Krise hat jedoch auch Menschen in Armut gestürzt, was mit einem Anstieg des Sterberisikos verbunden ist. Public Health-Forscher ziehen in PLOS ONE (2022; DOI: 10.1371/journal.pone.0261759) eine Bilanz.

Der 1. Lockdown hat in den USA viele Menschen wirtschaftlich härter getroffen als hierzulande. Während in Deutschland ein Anstieg der Arbeitslosigkeit durch Kurzarbeit verhindert wurde und viele Betriebe durch staatliche Unterstützung am Leben erhalten wurden, hat das soziale Netz in den USA deutlich weitere Maschen.

Viele Menschen verloren oft von heute auf morgen ihren Arbeitsplatz, nicht wenige gerieten in wirtschaftliche Not. Dass während einer Depression die Sterblichkeit in der Bevölkerung steigt, zeigte sich zuletzt während der Finanzkrise von 2007 bis 2009. Viele Menschen verloren damals nicht nur ihre Wohnung, auch die Sterberate der Bevölkerung stieg an, einschließlich einer Zunahme der Suizide.

Die Wirtschaftskrise, die der Lockdown ausgelöst hat, wird ebenfalls zu einem Anstieg der Sterberate führen, befürchten Olga Yakusheva von der School of Public Health der Universität von Michigan in Ann Arbor und Mitarbeiter. Ihren Berechnungen zufolge könnte die Krise 57.922 bis 245.055 zusätzliche To­des­fälle bewirken.

Auf der anderen Seite hat der Lockdown vielen Menschen das Leben gerettet. Denn bei einer unge­bremsten Epidemie wären vermutlich zwischen 1.049.400 bis 1.894.200 Menschen gestorben.

Yakusheva legt ihren Berechnungen die Projektion eines ungehinderten Verlaufs der Epidemie zugrunde mit einer Case-Fatality-Rate von 0,53 % bis 0,82 % und einer Herdenimmunität von 60 bis 70 %. Nach Abzug der 183.050 bestätigten COVID-19-Todesfälle bis Ende August 2020 könnten die politischen Inter­vention 866.350 bis 1.711.150 Menschen das Leben gerettet haben.

An der Notwendigkeit des Lockdowns ist angesichts dieser Zahlen nicht zu zweifeln. Weniger günstig fällt die Bilanz bei der Betrachtung der geretteten Lebensjahre in guter Lebensqualität („quality-adjusted life-years“, QALY) aus, weil der Lockdown vor allem ältere Menschen mit einer begrenzten Lebenserwar­tung gerettet hat, während die jüngeren Menschen, die am stärksten unter den Nachteilen zu leiden hatten, mehr Lebensjahre verloren haben.

Nach den Berechnungen von Yakusheva hat der Lockdown in den USA 4.886.214 bis 9.650.886 QALY gerettet, aber 2.093.811 bis 8.858.444 QALY vernichtet.

Die große Spannbreite der Zahlen zeigt, wie unsicher derartige Berechnungen sind. Auf Deutschland übertragbar sind sie wohl nicht, da eine schwere Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit und Fir­men­sterben ausgeblieben ist. Durch einen konsequenteren Lockdown war auch die Zahl der COVID-19-Todesfälle geringer.

© rme/aerzteblatt.de

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