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Pflegeheime in Sachsen wegen ungeimpfter Mitarbeiter besorgt

Montag, 24. Januar 2022

/picture alliance, Bernd Weißbrod

Leipzig – In gut acht Wochen beginnt die berufsbezogene Impfpflicht für Gesundheitswesen und Pflege. In vielen sächsischen Pflegeeinrichtungen besteht darüber erhebliche Sorge.

Sollte es nach dem 15. März tatsächlich zu Tätigkeitsverboten kommen, werde es mit Blick auf den ohnehin angespannten Personal­markt in der Pflege schwierig sein, fehlendes Personal zu ersetzen, teilte der Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen mit.

Im Vergleich zum Vorjahr stehe landesweit etwa ein Drittel weniger Pflegepersonal zur Verfügung, teilte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Sachsen mit. Die Sorge von Einrichtungsträgern, dass weiteres Personal in­folge der einrichtungsbezogenen Impfpflicht und der Omikron-Welle ausfällt, ist dementsprechend sehr groß.

In Sachsen sind derzeit nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 65 Prozent der etwa 300.000 Arbeitskräfte im medizinischen und pflegerischen Bereich geimpft. Dass schlagartig jemandem gekün­digt werden müsse, werde es in Sachsen nicht geben, hatte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) versichert.

Die SPD-Politikerin sprach von einem möglichen „Spielraum“, in dem es noch einmal Befra­gungen und Gespräche mit den Betroffenen geben könne. An einem Erlass zur Umsetzung der Impf­pflicht werde ge­arbeitet.

„Wir bekommen zunehmend Rückmeldungen aus den Mitgliedsbetrieben, dass Beschäftigte mit Blick auf die kommende einrichtungsbezogene Impfpflicht beabsichtigen zu kündigen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer.

Die Sorge wachse an vielen Stellen, gerade bei Pflegeunternehmen in Regionen mit hohen Inzidenzen und geringen Impfquoten. Zudem fühlten sich Pflegekräfte zu recht alleingelassen, wenn es nicht gleich­zeitig zu einer allgemeinen Impfpflicht komme.

Auch die AWO Sachsen sorgt sich um mögliche Kündigungen. „Tatsächlich liegen einige solcher Ankündi­gungen in Richtung „ich melde mich arbeitssuchend“ oder „ich suche mir was Neues“ vor“, hieß es auf An­frage. Das seien nicht übermäßig viele Mitarbeitende, „aber doch zu viele, um von Einzelfällen sprechen zu können“.

„Leider gibt es in den betroffenen Arbeitsfeldern das bekannte erhebliche Fachkräfteproblem, so dass für Personal, für das ein Betretungsverbot ausgesprochen wird, in der Regel nicht in kurzer Zeit Ersatz gefun­den werden kann“, sagte Susanne Straßberger vom Diakonischen Werk Innere Mission Leipzig. Möglicher­weise lasse sich der vorgegebene Personalschlüssel nicht mehr einhalten, was den Bestand der jeweili­gen Betriebsgenehmigung infrage stelle.

Bei der Volkssolidarität Stadtverband Leipzig geht man indes nicht von einer großen Eigenkündigungs­welle aus. „Aber es wird auch bei uns einzelne Härtefälle geben, über die wir reden müssen und wir werden bis zuletzt daran arbeiten, alle für eine Impfung zu begeistern, um das Wort Kündigung gar nicht erst in den Mund nehmen zu müssen“, hieß es auf Anfrage.

Denkbar ist auch ein zeitlich begrenzter Aufnahmestopp in den Einrichtungen. „Wenn Pflegekräfte in grö­ßerer Zahl ausfallen, ist die Versorgung der Pflegebedürftigen unmittelbar gefährdet“, sagte Bernd Meu­rer vom bpa. Je nach Anzahl und Dienst der von einem etwaigen Tätigkeitsverbot betroffenen Mitarbei­ten­den, müsse dann in letzter Konsequenz auch ein Aufnahmestopp in Erwägung gezogen werden, hieß es auch vom Caritasverband.

Laut Ministerin Köpping warteten viele noch ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Impf­stoff von Novavax, dessen Auslieferung sich verzögern soll. Der Impfstoff ist proteinbasiert und beruht auf einer anderen Technologie als die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Die Fraktionschefin der Grünen im Landtag, Frankziska Schubert, forderte gestern bei diesem neuen Impfstoff zunächst Vorrang für Mitarbeiter in der Pflege und im Gesundheitswesen. Angehörige der Be­rufe, die ab Mitte März einer Impfpflicht unterliegen, sollten „ein exklusives Impfangebot“ in Zusam­menarbeit mit den jeweiligen Einrichtungen erhalten. © dpa/aerzteblatt.de

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