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Stunde der Wahrheit für Johnson: Partygate-Bericht erwartet

Mittwoch, 26. Januar 2022

/picture alliance, empics, Stefan Rousseau

London – In der Affäre um Lockdownpartys in Boris Johnsons britischem Regierungssitz rückt die Stunde der Aufklärung näher. Heute könnte der Untersuchungsbericht, für den die Spitzenbeamtin Sue Gray über Wochen Beweise gesammelt und Zeugen befragt hat, der Öffentlichkeit vorgelegt werden, wie BBC, Financial Times und andere britische Medien gestern Abend berichteten.

Dass sich der mit Spannung erwartete Moment der Wahrheit erneut verzögert, ist jedoch nicht ausge­schlossen. Parallel dazu gehen die Ermittlungen der Londoner Polizei zu einigen Feiern in der Downing Street weiter.

Die gestern angekündigten Polizeiermittlungen drohten zunächst, die Veröffentlichung des Berichts von Sue Gray, die im Cabinet Office der britischen Regierung angesiedelt ist, auf unbestimmte Zeit aufzu­schie­ben. Die als unbestechlich und kompromisslos geltende Beamtin soll ihre Ergebnisse jedoch mög­lichst bald vorlegen wollen.

Außerdem hatte die Polizei Berichten zufolge keine Einwände, da es bei Grays Bericht nicht um straf­rechtliche Konsequenzen gehen soll, sondern lediglich um die Klärung der Fakten.

Mehrere Weihnachtsfeiern, eine Geburtstagsrunde, eine Gartenparty und nächtliche Besäufnisse vor dem Begräbnis von Prinz Philip: Die Liste der mutmaßlich illegalen Zusammenkünfte in der Downing Street ist lang geworden. Der Bericht von Sue Gray soll klären, wer wann wo, wie oft und wie lange mit wem gefeiert hat.

Von den Ergebnissen hängt nicht weniger als Boris Johnsons politisches Überleben ab. Rund ein halbes Dutzend Tory-Abgeordnete haben bereits öffentlich den Rücktritt des Premiers gefordert. Von vielen an­de­ren heißt es, sie wollten den Bericht abwarten.

Boris Johnson selbst soll den Bericht zuerst bekommen und dann wenige Stunden später der Öffent­­lichkeit vorlegen müssen, wie der Sender ITV berichtete. Es wird damit gerechnet, dass Johnson sich erneut wortreich entschuldigt und eine weitreichende Reform der Trinkkultur in der Downing Street ankündigt – fest entschlossen, sein politisches Überleben zu retten.

Gestern begrüßte der Premier die Ermittlungen der Polizei und sagte, sie würden helfen, einen „Schluss­strich“ unter die Angelegenheit zu ziehen. Ob dieser so ausfällt, wie Johnson es sich vorstellt, bleibt ab­zuwarten. Denn noch spannender als die große Aufklärung der Partygate-Affäre dürften daher die Reaktionen in Johnsons Fraktion werden.

Sprechen sich mindestens 15 Prozent der konservativen Abgeordneten – das sind 54 Parlamentarier – ihm das Misstrauen aus, muss sich der Premier einer Abstimmung stellen. Wie viele geheime Briefe bislang bei Graham Brady, dem Vorsitzenden des zuständigen Komitees eingegangen sind, weiß außer diesm niemand. © dpa/aerzteblatt.de

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