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Weg zur Impfung gegen Multiple Sklerose noch lang

Mittwoch, 26. Januar 2022

/freshidea, stock.adobe.com

Berlin – Eine jüngst in der Fachzeitschrift Science publizierte Studie (DOI: 10.1126/science.abj8222) zum Zusammenhang von Multipler Sklerose (MS) und einer vorangegangenen Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) hat die Diskussion um eine Impfung gegen MS angeregt.

„Die Ergebnisse der in Science veröffentlichten Studie sind bemerkenswert“, bewer­tet der MS-Experte und ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Ralf Gold, die Studienergeb­nisse.

Seiner Meinung nach handele es sich zwar nur um Beobachtungsdaten, aber die hohe Teilnehmerzahl, der Ausschluss von Störgrößen und Kovariablen so­wie das eindrückliche Ergebnis bestärkten die Hypo­these, dass die Infektion mit EBV kausal eine MS ver­ursachen könne.

Das sei eine Hypothese, die in der Wissenschaftscommunity schon lange diskutiert werde. Die Daten untermauerten die Erkenntnis, dass EBV höchstwahrscheinlich ein Auslöser der MS sei, „wenn auch vielleicht nicht der einzige“, so Gold.

Die Studie wertete longitudinal die Daten von rund zehn Millionen Angehörigen des US-Militärs aus. Die Infektion mit dem Erreger aus der Familie der Herpesviren erhöhte das MS-Risiko bei den US-Soldaten um das 32-fache. Die Studiengruppe merkt an, dass eine künftige Impfung gegen EBV eine Option sein könnte, um die MS-Inzidenz potenziell zu senken.

„Vor dem Hintergrund dieser Daten gewinnt die Impfung gegen das EBV an Relevanz, gerade für gefähr­detere Populationsgruppen. Frauen sind beispielsweise doppelt so häufig von MS betroffen wie Männer“, ergänzte Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Die Impfung gegen EBV könnte auch deshalb interessant und effizient sein, da sie womöglich nicht nur der MS, sondern auch verschiedenen Krebserkrankungen vorbeuge. Zwar existiere noch kein zugelasse­ner EBV-Impfstoff, aber verschiedene Unternehmen arbeiteten daran.

Offene Fragen seien neben der Wirksamkeit und Sicherheit der EBV-Vakzine auch, wann und wie häufig eine Impfung erfolgen müsse. Ebenso wichtig sei es, Kriterien für die Selektion von Menschen mit einem hohen MS-Risiko zu erarbeiten.

„Der Weg zu einer Impfung gegen MS ist noch weit – und wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, bleibt ohnehin die Frage, wie hoch seine Akzeptanz in der Bevölkerung sein wird. Letztlich hat Corona eine sehr hohe Impfskepsis in der Bevölkerung offenbart“, sagte Berlit. © hil/aerzteblatt.de

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